Forstverwaltung Huhnstadt wegen Umweltfrevels angezeigt

Fünf Birken an der Allee zur Burg Herzberg mussten fallen

Das Foto zeigt die Birkenallee zur Burg Herzberg. Dort sind deutliche Lücken zu erkennen. In den vergangenen Jahren mussten viele der 100 Jahre alten Bäume gefällt werden, weil sie morsch oder ganz abgestorben waren. Im Vordergrund ein frischer Baumstumpf.
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In der Birkenallee zur Burg Herzberg sind deutliche Lücken zu erkennen. In den vergangenen Jahren mussten viele der 100 Jahre alten Bäume gefällt werden, weil sie morsch oder ganz abgestorben waren. Im Vordergrund ein frischer Baumstumpf.

Die Forstverwaltung Huhnstadt in Breitenbach am Herzberg ist wegen Umweltfrevels angeklagt worden. Der Grund: Fünf gefällte Birken an der Allee zur Burg Herzberg.

Breitenbach/H. – Seinen 81. Geburtstag am 17. Oktober hatte sich Jürgen Freiherr von Dörnberg eigentlich anders vorgestellt. Er wollte mit der Familie Kaffeetrinken und gemütlich beisammensitzen. Stattdessen war er damit beschäftigt, fünf Birken seiner geliebten Allee zur Burg zu fällen. „Die Bäume waren morsch und abgestorben. Ich hätte nicht mehr gut schlafen können bei der Vorstellung, dass sie umstürzen und jemand dabei zu Schaden kommt“, erzählt er.Von Dörnberg ist Eigentümer des Waldes und der Straße, die von Hof Huhnstadt zur Burg Herzberg führt und daher verpflichtet, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Er wäre persönlich haftbar für Schäden, die durch ein Umstürzen der Bäume entstünden und wollte deshalb die abgestorbenen Bäume noch vor möglichen Herbst- und Winterstürmen entfernen.

Umso erstaunter war er, als er jetzt ein Schreiben des Fachdienstes Ländlicher Raum des Landkreises Hersfeld-Rotenburg erhielt, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass er von einem ehrenamtlichen Naturschützer angezeigt worden sei und ihm nun ein Bußgeld drohe. Die Beseitigung der Birken stelle einen naturschutzrechtlichen Eingriff dar und hätte einer Zulassung durch die untere Naturschutzbehörde bedurft, wird in dem Schreiben mitgeteilt. Eine entsprechende naturschutzrechtliche Genehmigung sei nicht beantragt worden. Von Dörnberg erhielt die Möglichkeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Sollten die sich jedoch bestätigen, müsse er mit einem Bußgeld rechnen.

„Ich habe nur meine Pflicht getan. Da können die doch kein Bußgeld verhängen“, ist Jürgen von Dörnberg empört. Genehmigungen für Baumfällungen habe er bisher noch nie benötigt, erklärt er.

Ein wenig ärgert er sich auch über den ehrenamtlichen Naturschützer, der ihn angezeigt hat. Der hätte doch an den Baumstümpfen und den gefällten Bäumen sehen können, dass die Stämme morsch waren, sagt er. Noch dazu, so erläutert von Dörnberg, hätten Birken ohnehin eine relativ beschränkte Lebenszeit. Sie würden durchschnittlich 80 Jahre alt. Die Allee sei im Jahr 1923 gepflanzt worden, die jetzt noch stehenden Bäume seien also schon knapp 100 Jahre alt.

In den vergangenen Jahrzehnten mussten immer wieder Birken gefällt werden, früher fielen einige auch Manövern der amerikanischen Armee zum Opfer. „Wir haben immer kleine Birken neu gepflanzt und sie sorgfältig gepflegt“, betont Trixie von Dörnberg. „Wir lieben die Allee, sie ist für uns ein Kraftort.“ Wenn sie Lösungen für Probleme suche, gehe sie gerne dort spazieren, sagt von Dörnberg.

Jürgen von Dörnberg hofft, dass seine Stellungnahme das Problem lösen wird. Und er hat große Pläne. Die Straße zur Burg müsse erneuert und verbreitert werden. Dabei würde er am liebsten eine neue Straße neben der Allee anlegen und die als Sommerweg für Fußgänger und Radfahrer stehen lassen. Zudem denkt er darüber nach, nicht nur auf empfindliche Birken, sondern auch auf andere, robustere und tief wurzelnde Bäume zu setzen. Er kann sich auch vorstellen, dass die Menschen aus der Region, die die Birkenallee zur Burg lieben, deren Erneuerung mit Spenden unterstützen.

Das sagt der Fachdienst ländlicher Raum: „Absprachen vor der Fällung sind ratsam“

Jede Veränderung von Natur und Landschaft im Außenbereich, also außerhalb von Ortschaften, stellt grundsätzlich einen Eingriff dar, der genehmigungspflichtig ist. So steht es im § 14 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG). Das teilt Jasmin Krenz, Pressesprecherin des Kreises Hersfeld-Rotenburg auf Anfrage unserer Zeitung mit. Das betrifft aber nicht Waldflächen oder angepasste Pflegemaßnahmen von Gehölzen, zum Beispiel die Entfernung eines einzelnen Baumes aus einer Baumhecke, wenn weitere Bäume vor Ort stehen bleiben. Bei Schutzgebieten kann es Sonderregelungen geben. „Bei Straßen- oder Alleebäumen muss grundsätzlich eine Absprache stattfinden und nach der Fällung ist eine Neupflanzung zu vereinbaren“, erläutert Krenz in Absprache mit dem Fachdienst ländlicher Raum. Werde ein Eingriff nach § 17 Abs. 8 BNatSchG ohne die erforderliche Zulassung vorgenommen, soll die zuständige Behörde Maßnahmen nach § 15 BNatSchG oder die Wiederherstellung des früheren Zustands anordnen. Prinzipiell sei es immer ratsam, sich bei der Unteren Naturschutzbehörde vor einer Fällung von Bäumen zu erkundigen, weil es auf den Einzelfall ankomme. Das gilt dann auch für ein mögliches Bußgeld, das im Ermessen der Behörde liegt und sich nach dem jeweiligen Einzelfall richtet. Eine Entscheidung im Fall der gefällten Birken sei aber noch nicht gefallen, so die Pressesprecherin.

Im Innenbereich, also innerhalb von Ortschaften, gilt die Genehmigungspflicht übrigens nur für landschaftsprägende Bäume. Besonderer Beachtung bedürfen Naturdenkmale, die sich häufig auch im Innenbereich befinden. Grundsätzlich müsse bei jeder Baumfällung der Artenschutz beachtet werden. Unter Umständen sei eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erforderlich, beispielsweise bei Vogelbruten. (Christine Zacharias)

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