Hengst und Stute suchten sich neue Unterkunft – und wurden auf dem Hof Wagner fündig

Fundsache auf acht Hufen

Sind auf der Koppel mit Unterstand erst mal gut untergebracht: Auf dem Hof Wagner in Seifertshausen fühlen sich die beiden tierischen Fundsachen bereits sichtlich wohl. Mit frischem Wasser, Heu und ab und zu einem Apfel zum Naschen vom Baum auf ihrer Weide werden die Kaltblüter-Stute und der Reitpony-Hengst auch fürsorglich versorgt. Und Streicheleinheiten gibt es – nicht nur wie auf unserem Bild von Christian Rüppel – obendrein. Foto: Gottbehüt

Seifertshausen. Eine rührende Begebenheit – passend zur Weihnachtszeit – hat sich in Seifertshausen ereignet. Offensichtlich auf der Suche nach einer neuen Unterkunft sind dort dem Hof Wagner zwei Pferde zugelaufen.

„Am Freitag vor einer Woche standen der Reitpony-Hengst und die Kaltblüter-Stute plötzlich vor dem Tor unseres Maschinenschuppens“, berichtet Christian Rüppel. Der Hofnachfolger und gelernte Landwirt vermutete zunächst, dass die Tiere entlaufen seien, und stellte sie erst mal bei sich unter. Doch trotz intensiver Suche nach den Eigentümern – am Montag wandte er sich hilfesuchend auch an das Rotenburger Fundbüro, wir berichteten – ist nach wie vor unklar, wem die Tiere gehören.

Der 27-Jährige glaubt inzwischen, dass die beiden Pferde freigelassen worden sind, weil der Pferdehalter sie nicht mehr versorgen konnte. „Die Tiere sind durchaus in einem guten Zustand – sie sind nicht etwa unterernährt oder abgemagert – ich glaube nicht, dass der Eigentümer den Pferden etwas Schlechtes wollte“, sagt Rüppel. In diesem Fall hätte er sie vielleicht einfach in einer Box stehen lassen und nicht mehr versorgt, vermutet er.

Hufschmied müsste ran

Dass das Geld aber offensichtlich knapp gewesen sei, zeige auch, dass die Hufe der Tiere dringend geschnitten und gepflegt werden müssten – „und das kostet schon einiges an Geld“, weiß Rüppel. So einfach wieder rausjagen wolle er die beiden Neuankömmlinge jetzt im Winter natürlich nicht. „Man hat ja ein Herz, und die Tiere sind lieb, lassen sich streicheln und sind ganz offensichtlich an Menschen und Kinder gewöhnt“, sagt der Seifertshäuser.

Auf seiner Koppel hat er daher erst mal einen Unterstand freigeräumt, karrt den durstigen Hofgästen trogweise Wasser herbei und schüttelt für sie auch regelmäßig einen noch gut behangenen Apfelbaum, „damit auf ihrer Wiese außer Trockenfutter auch mal was zum Naschen landet“, wie er sagt.

Unterstützung hat er bereits von zwei jungen Damen aus dem Ort erhalten. Ann-Christin Pohl und Madeleine Weix haben sich der beiden Tiere bereits liebevoll angenommen, sie mit Streicheleinheiten versorgt und ihr Fell ausgebürstet. „Die Tiere können gerne besucht werden – wer sich mit Pferden auskennt, darf sie gerne auch mal ausführen“, sagt Christian Rüppel. Er sei für alles dankbar, was mit den Pferden Positives unternommen werde.

Futterspenden willkommen

Es gebe zwar auch noch Futtervorräte, da die Familie Wagner auf ihrem Hof selbst noch ein Pferd und mehrere Ziegen und Hasen halte, „doch angesichts des ungezügelten Appetits unserer beiden Gäste werden die über den Winter wohl nicht ausreichen“, sagt Rüppel. Eine erste Spende – einen Rundballen Heu – hat er bereits von Jörn Liebermann vom benachbarten Heinrichshof bekommen. „Weitere Futterspenden oder Unterstützung durch einen Tierarzt oder Hufschmied sind uns sehr willkommen“, erklärt der 27-Jährige.

Von Peter Gottbehüt

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