Bürgermeisterkandidatenporträts Teil 1

Katja Gonzalez Contreras: „Fusion hätte keinen Vorteil für Cornberg“

Möchte Nachfolgerin von Achim Großkurth werden: Katja Gonzalez Contreras.
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Möchte Nachfolgerin von Achim Großkurth werden: Katja Gonzalez Contreras.

In Cornberg wird am 1. November ein Nachfolger für Bürgermeister Achim Großkurth (60) gewählt. Wir stellen die vier Kandidaten vor.

Cornberg – Sollte Katja Gonzalez Contreras die Wahl in Cornberg gewinnen, wäre sie die erste Bürgermeisterin überhaupt im Landkreis. Ob sie das zusätzlich anspornt? „Na klar“, sagt die 47-Jährige. Es gebe ohnehin viel zu wenig Frauen in Führungspositionen – abgesehen vielleicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ursula von der Leyen, der Präsidentin der Europäischen Kommission. „Die große Politik zeigt ja, dass es mit Frauen an der Spitze klappt.“

Die Idee, einmal Nachfolgerin von Noch-Bürgermeister Achim Großkurth werden zu wollen, reifte bereits vor 17 Jahren. Damals feierte ihre Großmutter 75. Geburtstag. Großkurth, damals erst frisch am Amt, schaute auch vorbei und überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde. „Er erzählte dann, wie spannend seine damals für ihn noch neuen Aufgaben sind“, erinnert sich Katja Gonzalez Contreras, die damals 30 Jahre jung war. „Ich sagte dann mehr aus einer Laune heraus: Achim, ich lös’ Dich mal ab.“ Heute, 17 Jahre später, will sie ihre Chance ergreifen.

Da ein klassischer Wahlkampf wegen der Corona-Pandemie ins Wasser fallen muss, konzentriert sie sich auf Haustür-Wahlkampf – „natürlich mit Abstand“, wie sie betont. Tausend Flyer hat Katja Gonzalez Contreras gedruckt, um ihre Positionen und Ziele in die Gemeinde zu tragen. Die Werbebroschüren hat sie an alle Haushalte in Cornberg, Königswald und Rockensüß verteilt. „Da kommt man natürlich ins Gespräch“, sagt sie.

Der Slogan auf ihrem Flyer lautet: „Mit Herz und Verstand“. Was sie damit meint? „Ich bin mit Herz Cornbergerin, bin hier aufgewachsen und lebe gern hier.“ Und was verbirgt sich hinter dem Attribut Verstand, das sich Politiker immer wieder gern zuschreiben? „Seit 28 Jahren bin ich in verantwortungsvoller Position in der Verwaltung tätig. Ich habe Erfahrung und kenne mich aus“, sagt die Verwaltungsbeamtin, die einst in der Rechtsabteilung des Landkreises begonnen hat, später im Rechnungsprüfungsamt eingesetzt wurde und nun als Fallmanagerin und Social Coach im Jobcenter arbeitet. „In großen Städten sind Bürgermeister oft Politiker, die ihre Fachleute haben. In kleinen Gemeinden wie Cornberg muss man als Bürgermeister noch mitanpacken. Das kann ich.“

Ein politisches Vorbild hat die 47-Jährige nicht. Ohnehin legt sie Wert darauf, parteiunabhängig zu sein. Auf die Frage, wie sie die 18 Großkurth-Jahre bewertet, hält sie sich zurück. „Im Großen und Ganzen hat er seine Arbeit gut gemacht. Ein paar Dinge hätte ich aber anders gemacht“, sagt sie. Was genau, sagt sie nicht.

Eine klare Vorstellung hat sie hingegen, welche Ziele sie als Rathauschefin umsetzen will: Sie möchte sich unter anderem für den Erhalt des Medibusses und die Ansiedlung eines Hausarztes in der Gemeinde starkmachen. Sie will das Aufstellen von sogenannten Mitfahrbänken in allen drei Gemeindeteilen unterstützen, das Kloster inklusive Bewirtschaftung erhalten und den Tourismus ausbauen, etwa durch das Anlegen von neuen Radwegen.

Viel verspricht sich Katja Gonzalez Contreras vom Ausbau der A 44. „Ich würde schon jetzt gezielt auf Unternehmen zugehen, um sie von den Vorzügen Cornbergs zu überzeugen“, sagt sie. Diese seien unter anderem günstige Baupreise, freie Kita-Plätze und die zentrale Lage.

„In einer Fusion sehe ich keinen Vorteil, weder wirtschaftlich, noch in der kommunalen Versorgung“, sagt sie zu der seit Jahren schwelende Frage, ob sich die nach Einwohnern (1318) kleinste Gemeinde im Landkreis mit einer anderen Kommune zusammenschließen sollte.

Und wenn diese Frage irgendwann einmal konkret zur Debatte stehen sollte, würde sie sich – sollte sie tatsächlich jetzt Achim Großkurth ablösen – für einen Bürgerentscheid starkmachen: „Über eine Fusion sollten nicht Politiker entscheiden, sondern die Bürger, die es betrifft.“

7 Fragen

1. Die Feuerwehren müssen in Zukunft ...
weiterhin gut aufgestellt und ausgestattet sein.
2. Die Kita in Cornberg ...
muss erhalten bleiben.
3. Diese Marotte würde ich mir am liebsten abgewöhnen:
meinen Ordnungsfimmel.
4. Als Lesestoff hat mich in letzter Zeit besonders beeindruckt:
„Motivierende Gesprächsführung“ von Miller & Rollnick; sonst lese ich gern spannende Krimis.
5. Mit diesen Eigenschaften würden mich meine drei besten Freunde beschreiben:
freundlich, ehrlich und zielstrebig.
6. Wenn ich für einen Tag Bundeskanzlerin wäre, würde ich ...
die Europapolitik verändern, indem ich Finanzhilfen gezielter einsetzen würde.
7. Die Bürgermeisterwahl wäre für mich ein Erfolg, wenn ...
ich die Wahl gewinne.

Zur Person

Katja Gonzalez Contreras (47) ist in Cornberg aufgewachsen und lebt seitdem in ihrer Heimatgemeinde. Nach dem Fachabitur an den Beruflichen Schulen Bebra absolvierte sie eine Ausbildung im mittleren Verwaltungsdienst und studierte in Fulda Soziale Inklusion in der Verwaltung auf Bachelor. Aktuell arbeitet sie als Fallmanagerin und Social Coach im Jobcenter des Landkreises. Katja Gonzales Contreras ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Von Sebastian Schaffner

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