Gänse haben Hochsaison: Landwirt Helmut Schäfer hat sich auf Bio-Geflügel spezialisiert

Tag und Nacht im Freien: Helmut Schäfer aus Niedergude hält seine Gänse normalerweise auf der Weide. Jetzt müssen die Tiere wegen der Vogelgrippe-Gefahr aber in den Stall. Fotos: Eisenberg

Niedergude. In der Woche vor dem Martinstag beginnt bei Helmut Schäfer die Hochsaison. Zu diesem Zeitpunkt schlachtet der Landwirt aus dem Alheimer Ortsteil Niedergude, die ersten Gänse. Bis zu den Weihnachtsfeiertagen hat der 49-Jährige gut zu tun. Denn in den letzten Wochen des Jahres hat Gänsebraten Hochkonjunktur.

Vor 35 Jahren hat der gelernte KFZ-Mechaniker auf dem elterlichen Hof mit der Geflügelhaltung begonnen. Das einstige Hobby bildet längst den Schwerpunkt des Betriebs, den Schäfer – bislang im Nebenerwerb – gemeinsam mit seinem Sohn André führt. Im Jahr 1997 wurde die hofeigene Geflügelschlachtung eröffnet, seit 2010 wird nach Bio-Richtlinien gewirtschaftet. Während Freilandhähnchen und -puten, die ebenfalls zum Angebot gehören, das ganze Jahr über gefragt seien, handele es sich bei Gänsen um Saisongeflügel. In manchen Jahren hält die Familie außerdem auch Mastenten.

In drei Etappen

Im Alter von drei bis vier Wochen bekommt Schäfer die Gänseküken von einer Brüterei – insgesamt 440 in dieser Saison. Eingestallt wurde in drei Etappen ab Mai. So seien die Tiere zeitversetzt zum Martinstag, in der Adventszeit und zum Weihnachtsfest schlachtreif. Die ersten Wochen verbringen die Gänse im Stall. „Erst wenn sich das weiße Gefieder komplett entwickelt hat, bringen wir sie auf die Weide, erklärt der Landwirt. Ab dann bleiben die Tiere im Normalfall Tag und Nacht im Freien. Wegen der Vogelgrippe-Gefahr müssen sie in diesem Jahr in ihren letzten Lebenswochen nochmal unter Dach.

Füllt die Tröge: Helmut Schäfer füttert seine Gänse mit einem Getreidegemisch.

Auf der Weide sorgt ein Elektrozaun dafür, dass die Gänse nicht ausbüxen und Beutegreifer wie Füchse draußen bleiben. Manchmal habe Meister Reinecke bei der Gänsejagd dennoch Erfolg – wenn einer der Vögel in der Nacht über den Zaun geflattert ist. Das Stutzen der Flügel sei in der Bio-Haltung aber ebenso tabu wie das Kürzen der Schnäbel. Ergänzend zum Weidegras füttert Helmut Schäfer die Gänse mit teils selbst angebauten, teils zugekauftem Hafer-Gerste-Gemisch. „100 Gramm pro Tier und Tag. Wir betreiben keine Schnellmast“, erklärt er. Wo kein Bachlauf die Weide quert, dienen Wasserwannen als Bademöglichkeit und für die Gefiederpflege.

Geschlachtet und verarbeitet werden die Biogänse im hofeigenen Schlachthaus. Auch das Geflügel anderer Halter aus der Region verarbeitet Schäfer dort in deren Auftrag als Lohnschlachter. Seine Weihnachtsgänse verkauft Helmut Schäfer als Direktvermarkter an Privatleute und Gastronomen aus der Region sowie über den Großhandel ins Rhein-Main-Gebiet – ab Hof für 13,50 Euro pro Kilo. In Geschäften werden sie für 16 bis 21 Euro angeboten.

Die meisten Gänsehalter in Deutschland seien Direktvermarkter, erläutert Helmut Schäfer. Die in Supermärkten und Discountern angebotene Massenware stamme überwiegend aus Mastbetrieben in Osteuropa, mit deren Preisen die heimischen Landwirte preislich nicht mithalten könnten.

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