Wochenendporträt: Garanten für tollstes Tanzvergnügen

In der Heimat Kirmesband, in der Ferne Ballkönige: Die Curocas-Musiker erinnern sich

Heute ist die Couch rot, früher waren es die Sakkos: Die legendären Curocas, die in den Achtzigerjahren für Furore sorgten, im Foyer unserer Zeitung wieder vereint. Unser Bild zeigt – von links – Wolfgang Schwalm, Hans-Georg Otterbein, Jürgen Stephan, Wilfried Gliem, Bernhard Fuchs und Lothar Hahn. Im Bild unten links ganz rechts zu sehen ist der am 30. September 2019 verstorbene Max Baumbach. Eines der Markenzeichen des Septetts bei Auftritten waren ihre farbenfrohen einheitlichen Bühnenoutfits.
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Heute ist die Couch rot, früher waren es die Sakkos: Die legendären Curocas, die in den Achtzigerjahren für Furore sorgten, im Foyer unserer Zeitung wieder vereint. Unser Bild zeigt – von links – Wolfgang Schwalm, Hans-Georg Otterbein, Jürgen Stephan, Wilfried Gliem, Bernhard Fuchs und Lothar Hahn.

Vor 40 Jahren feierten sie ihre größten Erfolge: die Musiker der Tanz- und Showband Curocas. In ganz Deutschland erspielten sie sich die Herzen der Fans.

Hersfeld-Rotenburg – Wir sprachen mit den Musikern über ihre Erinnerungen. Die Stimmung ist ausgelassen wie auf einem Klassentreffen. So häufig sieht man sich leider nicht mehr in großer Runde. Doch wenn die Chemie der Truppe stimmt, dann ist schon nach kurzer Zeit das Hallo groß, die „Weißt-Du-noch?“-Bälle werden sich zugespielt und die Anekdoten ausgepackt. So ist das bei den Curocas.

In den 1980er-Jahren hatte die Tanz- und Showband einen Ruf wie Donnerhall – und der klingt in den Herzen vieler Fans von damals noch immer nach. Sechs der sieben Musiker – alle heute im fortgeschrittenen Alter – haben sich versammelt: Wilfried Gliem aus Hönebach, Wolfgang Schwalm aus Weißenborn, Jürgen Stephan und Bernhard Fuchs aus Bad Hersfeld sowie Lothar Hahn aus Oberaula und Hans-Georg Otterbein aus dem Lauterbacher Stadtteil Wallenrod.

„Das war schon immer das Phänomen der Curocas: Wenn wir gespielt haben, war das Zelt voll und auf der Tanzfläche immer am meisten los“, erinnert sich Wolfgang Schwalm. Viele Veranstalter hätten sich da so manches Mal längere Pausenzeiten gewünscht, „denn wer nicht tanzt, macht ja mehr Bierumsatz“, sagt Drummer Hans-Georg Otterbein. „Doch dafür hatten wir extra einen Kurzzeitwecker gestellt, damit es auch rechtzeitig weiterging.“

Die Bandmitglieder selbst hingegen mussten beim Trinken Disziplin üben: „Anders hätten wir unser strammes Programm mit den vielen stundenlangen Auftritten auch gar nicht geschafft“, sagt Wilfried Gliem, der immer besonderen Wert auf die Professionalität der Truppe gelegt hat. „Als Band hatten wir einen sehr hohen Qualitätsanspruch“, bestätigt Jürgen Stephan. Und weil man wenig Zeit zum gemeinsamen Proben hatte – am Wochenende wurde ja bei Auftritten gespielt und unter der Woche war man beruflich eingebunden – studierten die Musiker ihre Songs, zu denen immer auch die aktuellen Hitparaden-Hits zählten, erstmal alleine zuhause ein.

Eines der Markenzeichen des Septetts bei Auftritten waren ihre farbenfrohen einheitlichen Bühnenoutfits. Im Bild ganz rechts zu sehen ist der am 30. September 2019 verstorbene Max Baumbach.

„Eine gute Band zeichnet aus, dass sie gut harmoniert“, sagt Wilfried Gliem. Und das habe sich gezeigt, wenn die Curocas neue Stücke erstmals gemeinsam spielten: „Das hat meistens schon beim ersten Durchgang sehr gut geklungen“, sagt Bernhard Fuchs. Und der muss es wissen, war er doch im Hauptberuf Musiklehrer. Weil alle sehr gut vorbereitet waren, musste bei den gemeinsamen Proben so nur noch das Zusammenspiel geübt werden.

„Wofür uns viele andere Bands beneidet haben: bei uns gab es immer zwei Jahreszeiten“, berichtet Jürgen Stephan. Denn nach den Zeltauftritten auf den heimischen Kirmessen begann für die Curocas die Gala- und Ballsaison. Hamburg, Berlin, Dortmund, Bremen, Braunschweig – nur einige der Spielstätten, an denen die Gruppe für Furore sorgte. „Bei uns hieß es immer: gegen wen spielen wir heute?“, berichtet Wolfgang Schwalm.

Denn bei großen Ballveranstaltungen spielten häufig zwei Bands auf einer Bühne im Wechsel und die Combo aus Waldhessen hatte sich schnell einen hervorragenden Ruf erworben. „Mit uns wollte keiner gerne zusammen auftreten“, weiß Schwalm zu berichten.

Denn mit sieben Musikern, die alle auch mitsingen konnten, der Bläser-Sektion mit Trompete, Posaune und Saxofon, gepaart mit stets wechselnden adretten Bühnen-Outfits sowie hochprofessioneller Technik und Instrumentierung hatte man sich schon nach wenigen Auftritten den Ruf eines Konkurrenten-Schrecks erspielt.

Max Greger habe mal seinen Programmablauf umgestellt, weil er an die euphorische Stimmung im Saal, die die Curocas hinterlassen hatte, anknüpfen wollte, was leider misslang und beim Osnabrücker Sportpresseball habe Paul Kuhn sich bei der Vorbesprechung der Musiker mit den Veranstaltern beschwert: „Dass ihr diese Band hierher geholt habt, das gefällt mir gar nicht“, erinnert sich Wilfried Gliem. „Wieso? Die sind doch sehr gut“, habe man Kuhn entgegnet. „Deswegen ja“, habe Paul Kuhn gesagt.

Es habe kaum einen Abend gegeben, an dem nicht ein Reporter nach dem Tonbandgerät gefragt habe, erinnert sich Wolfgang Schwalm schelmisch grinsend. „Die haben alle gedacht, wir arbeiten mit Playbacks – niemand wollte glauben, dass man einen so satten Sound mit dieser Besetzung live hinbekommt.“

Ob beim Ball von Eintracht Braunschweig, wo Paul Breitner 1984 auf die Band aufmerksam wurde, der Grün-Weißen-Nacht von Werder Bremen zu Otto Rehhagels und Rudi Völlers Zeiten sowie den großen ADAC-Bällen 1985 in der Meistersingerhalle in Nürnberg und im Congress Centrum Hamburg (CCH) oder 1988 im ICC Berlin, wo auch Udo Jürgens am gleichen Abend auftrat – die Curocas wurden gerne gebucht, weil sie ein Garant für gute Stimmung und volle Tanzflächen waren. „Ob auf der Kirmes in Burschenschaftsklamotten oder im feinen Zwirn beim Schwarz-Weiß-Ball – die Menschen im Publikum sind die Gleichen“, sagt Wilfried Gliem. Als das piekfeine Publikum in Hamburg mal partout nicht tanzen wollte, habe Jürgen Stephan kurzerhand eine Kirmesrunde angezettelt. „Danach flogen die Anzugsjacken und die Polonaise ging im CCH über Tische und Bänke“, berichten die Musiker.

1985 wurden die Curocas auch Begleitband von Schlagersänger Gerd Grabowski alias G.G. Anderson. Die Musiker hatten den Komponisten und Musikproduzenten aus Eschwege in ihren Proberaum eingeladen und von ihrem Können überzeugt.

Mit G.G. Anderson durch die untergehende DDR

1989 gingen die Curocas mit G.G. Anderson auf Tour durch die DDR. „Im Juli – nur wenige Monate vor der Wende – spielten wir in Ludwigsfelde“, erinnert sich Wilfried Gliem. An die Seite gestellt hatte man ihnen einen Stasi-Begleiter. „Offiziell war das natürlich ein Vertreter der Künstleragentur der DDR – aber das wussten wir besser“, sagt Wolfgang Schwalm. Als G.G. Anderson in seiner Begrüßung des Publikums – die ersten zwei Reihen waren handverlesen mit Politgetreuen besetzt – anmoderierte: „Hier auf diesem Blatt Papier steht drauf, was ich sagen darf und was ich nicht sagen darf“, hätten sich in den ersten beiden Reihen schlagartig die Kinnladen ausgeklinkt. „Das war schon gefährlich – den Rest der Tour hätten sie uns auch absagen können“, sagt Gliem. Aber besonders unwohl gefühlt habe man sich nicht.

An der Grenze bei der Ausreise sei man zwar freundlich behandelt worden – „aber es wurde auch scharf kontrolliert“, sagt Bernhard Fuchs. Man sei ja gezwungen gewesen, die Gage in der DDR auszugeben, weil man kein Geld mitnehmen durfte. „Wir haben Musikgeschäfte, Fotogeschäfte und Porzellanläden leergekauft“, erinnert sich Schwalm. Und all das hatten die Musiker im Gepäck.

„Bei einem dieser Konzerte hatte der Gerd eine Kassette dabei, die er uns im Auto vorspielte – er meinte, wir sollen uns das mal anhören und überlegen, ob wir das singen wollen“, erzählt Schwalm. Auf der Kassette befand sich „Herzilein“. Die Plattenfirma war überzeugt, dass dieser Song ein Hit werden würde. Mit der Entscheidung für „Herzilein“ wurden die Wildecker Herzbuben gegründet. Gliem stieg bei den Curocas aus, Schwalm 1991. „Wir mussten das trennen“, sagen die Beiden. Kurz davor hatten bereits Jürgen Stephan und Bernhard Fuchs die Band verlassen. Danach seien die Authentizität und der letzte Dampf weg gewesen. Die Curocas blieben zwar bis 2004 Begleitband der Herzbuben – ihre Zeit als legendäre eigenständige Showband war allerdings vorüber. (Peter Gottbehüt)

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