Erinnerungen und positive Traditionen

Zwischen den Zeilen: Gedenktage und ein Problem ohne Zahlen

Christine Zacharias, Autor
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Christine Zacharias

Mit Erinnerungen und positiven Traditionen befasst sich Christine Zacharias in ihrer Kolumne Zwischen den Zeilen.

Der November ist der Monat des Gedenkens: verstorbene Angehörige, Opfer von Krieg und Gewalt, das Ende des Ersten Weltkriegs, die Pogrome gegen Juden, die NSU-Morde, gegen Gewalt an Frauen und Mädchen – es gibt viele Anlässe, die zur Erinnerung mahnen. Da ist es schön, wenn es auch mal was zu feiern gibt. 20 Jahre Interkulturelles Zentrum in Bad Hersfeld war so ein Anlass.

Das, was Freiwillige aus vielen verschiedenen Ländern dort machen, kann dazu beitragen, dass zu den traurigen Gedenktagen nicht noch weitere hinzukommen. Hier begegnen sich Menschen, gleich welcher Herkunft, auf Augenhöhe und versuchen, voneinander zu lernen. Macht weiter so!

Genauso alt wie das Ikuz ist auch die Aktion „Bad Hersfeld liest ein Buch“. Auch sie hat etwas Gemeinschaftstiftendes und lädt dazu ein, sich mit grundlegenden Fragen des Lebens auseinanderzusetzen. Heute geht es mit der Auftaktveranstaltung um 11.30 Uhr in der Stadtkirche los. Gelesen wird „Der Sommer meiner Mutter“ von Ulrich Woelk. Darin geht es unter anderem um Toleranz und die Selbstbestimmung von Frauen. Ein sehr lesenswertes Buch.

Dass es in Bad Hersfeld ein Drogenproblem gibt, das erleben wir nicht nur häufig als Berichterstatter im Gerichtssaal, das können wir auch immer wieder direkt vor unserer Haustür beobachten. Der Schilde-Park ist einer der Plätze in der Stadt, an denen schwunghafter Drogenhandel betrieben wird. Wir wollten das Thema deshalb aufgreifen und haben bei der Polizei wegen aktueller Zahlen nachgefragt. Zahlen gibt es bei der Polizei aber nur einmal im Jahr, im Frühjahr, wenn die polizeiliche Kriminalstatistik veröffentlicht wird. Hier werden die bekannt gewordenen Straftaten nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen erfasst. Dass auch zwischendurch ein Thema akut werden könnte, scheint im Denken der Polizei nicht vorzukommen. Früher hätten wir einfach bei der Polizei angerufen und um ein Gespräch mit dem zuständigen Beamten gebeten oder das mit dem Pressesprecher vor Ort geklärt. Dabei wäre es dann nicht nur um Zahlen, sondern auch um Eindrücke und persönliche Erfahrungen gegangen. Das ist leider nicht mehr möglich. Stattdessen erbittet die Pressestelle in Fulda ausformulierte Fragen, die dann schriftlich beantwortet werden. Bei Nachfragen wird es schwierig. Und ein persönliches Gespräch ist das auch nicht. Das Problem mit den Drogen gibt es aber trotzdem, auch wenn wir dazu keine Auskünfte von der Polizei erhalten.

Zum Abschluss noch etwas Positives: Im Mühlgraben bei Oberjossa sind fünf Edelkrebse entdeckt worden. Das teilte Bürgermeister Volker Jaritz der Gemeindevertretung mit. Das ist ein Indiz dafür, dass die Wasserqualität stimmt und auch, dass die dominanten amerikanischen Flusskrebse dort noch nicht angekommen sind. In Zeiten von Klimawandel und wachsenden Umweltproblemen ist das in der Tat eine erfreuliche Nachricht und ein Appell, weiter an der Renaturierung und am Schutz der Gewässer im Kreis zu arbeiten. (Christine Zacharias)

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