Prozess am Mittwoch vor dem Verwaltungsgericht Kassel

Gehirnwäsche: Kaloku-Betreiber klagen gegen Schließung

Kaloku
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Das Symbol des Naturkindergartens.

Rotenburg. Gehirnwäsche, besprochenes Salz und Dämonen - die Vorgänge im Kaloku-Kindergarten in Rotenburg schlugen 2010 hohe Wellen. Das Land Hessen schob dem abstrusen Treiben einen Riegel vor. Heute beschäftigt sich ein Gericht mit dem Fall.

Die mündliche Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Kassel beginnt Mittwoch um 11 Uhr.

Dem Kindergarten, der ohne Wissen der Eltern als „erster keltischer Kindergarten“ im Internet angepriesen worden war, ist Anfang April 2010 wegen Gefährdung des Kindeswohls und Missachtung der Elternrechte die Betriebserlaubnis entzogen worden. Dagegen klagt der Trägerverein der Einrichtung.

Zitate

Die beiden ehemaligen Leiter des Kaloku-Kinderlands berichteten, dass sie zu Supervisionen bei der Vorsitzenden des Trägervereins antreten mussten. Zwei Zitate: „Probleme mit den Kindern wurden bei ihr im Naturheilzentrum besprochen. Da mussten wir Erzieher auch das Pendeln lernen.“

„Sie spricht immer davon, dass Erzieher, Eltern und Kinder vor ihrer Wiedergeburt vergewaltigt, gemordet und andere missbraucht haben oder selbst Opfer geworden sind. Hier sollen angeblich alle Probleme und auch Krankheiten ihre Ursache haben.“

Mit seiner Klage gegen den sofortigen Vollzug der Schließung war der Trägerverein bereits gescheitert. In der Einrichtung sind Kinder ohne Wissen der Eltern mit „besprochenem Salz“ und homöopathischen Mitteln behandelt und „ausgependelt“ worden. Das hatten Erzieher gegenüber unserer Zeitung erklärt. Auch sollen die Kinder mit einem virtuellen Staubsauger „entprogrammiert“ worden sein.

Fachfremde Personen aus dem Trägerverein hätten Einfluss auf die erzieherische Arbeit genommen, hatte das Familienministerium kritisiert. Die Kinder sollten offenbar im Sinne des kelitschen Druidentums und der schamanistisch geprägten Huna-Lehre beeinflusst werden.

Die Vorsitzende des Vereins, die bis Ende Mai 2010 eine Naturheilkundliche Praxis in Rotenburg führte, soll auf den Betrieb der Einrichtung erheblichen Einfluss genommen haben, was sie stets in Abrede gestellt hat. Sie ist Mitglied eines Druidenordens und war im Internet als Kontaktperson für „den ersten keltischen Kindergarten in Deutschland“ geführt worden.

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Die meisten Eltern wussten nicht, dass man dort einer rückwärtsgewandten Weltanschauung anhing. Sie gingen davon aus, dass es sich um einen einfachen Naturkindergarten handelte. Kaloku ist ein eingetragenes Warenzeichen. Grundlage soll das Wissen der keltischen Druiden sein.

Durch die Berichterstattung der HNA und Aussagen von Eltern und Erziehern hatte das Jugendamt im vergangenen Jahr von den kritikwürdigen Vorgängen in dem Kindergarten erfahren.

Nach der verfügten Schließung hatte der Kaloku-Trägerverein zunächst mit einem Spielkreis weitergemacht. Inzwischen ist das Gelände am Dickenrück oberhalb von Rotenburg neu verpachtet worden, das Kindergartengebäude ist aber nach wie vor vom Trägerverein gepachtet, ein Spielkreis existiert nicht mehr. Die beiden Initiatorinnen des Kindergartens haben die Stadt verlassen.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Wir berichten aktuell von der Gerichtsverhandlung. Auch ein Video wird zu sehen sein.

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