Über 400 Bundeswehrsoldaten legen in Rotenburg feierlich ihr Treuebekenntnis ab

Gelöbnis mit Schatten

Über 400 junge Bundeswehrsoldaten haben am Donnerstagabend bei einer feierlichen Zeremonie auf dem Appellplatz der Rotenburger Alheimer Kaserne ihr Gelöbnis abgelegt. Fotos: Kai A. Struthoff

Rotenburg. Zünftige Marschmusik, flackernder Fackelschein und das Dröhnen von Soldatenstiefeln im Gleichschritt: Bei einer feierlichen Zeremonie auf dem Appellplatz der Alheimer Kaserne haben am Donnerstag über 400 junge Bundeswehrrekruten ihre Treue zur Bundesrepublik Deutschland bekannt.

Es war möglicherweise eines der letzten Gelöbnisse, das in Rotenburg stattfand, wie der stellvertretende Kommandeur des Führungsunterstützungsbatallions 286, Oberstleutnant Klaus Achterkamp, in seiner Ansprache deutlich machte. Achterkamp ging damit auf die aktuelle Diskussion um die Wehrpflicht und den Erhalt der Bundeswehrstandorte ein, die wie ein unsichtbarer Schatten über dem Gelöbnis lag.

Versprechen mit Tragweite

Gleichzeitig betonte Achterkamp aber auch, dass die jungen Soldaten mit ihrem Treuebekenntnis ein Versprechen abgeben, „das mit solcher Tragweite nirgends sonst in unserer Demokratie öffentlich und verbindlich abverlangt wird.“ Teile seines Bataillons sind zurzeit in Afghanistan im Einsatz.

Rotenburgs Bürgermeister Manfred Fehr (SPD) bekannte sich in einer nachdenklichen Rede als Befürworter der Wehrpflicht, weil sie garantiere, dass die Bundeswehr in engem Kontakt mit der Bevölkerung bleibe. Er kritisierte indirekt die Pläne der Bundesregierung, die Wehrplicht auszusetzen und die Armee zu verkleinern. „Sicherheit muss strategisch in die Zukunft und nicht aus der augenblicklichen taktischen oder haushaltspolitischen Lage heraus geplant werden“, mahnte Fehr.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Terrorwarnungen auch für Deutschland erinnerte der Bürgermeister an die „asymmetrische Bedrohung“ durch verschiedene Feinde und die neuen Herausforderungen durch Auslandseinsätze und den Kampf gegen den internationalen Terrorismus. In der globalisierten Welt „geht es auch uns etwas an, wenn irgendwo anders das friedliche Zusammenleben bedroht oder unmöglich ist“.

Bevor die Soldaten des Führungsunterstützungsbatallions 286 aus Rotenburg, des Bataillons Elektronische Kampfführung 932 aus Frankenberg/Eder und des 6. Feldjägerbataillons 251 aus Rotenburg ihr Gelöbnis ablegten, sprach Funker Dennis W. Hindelang stellvertretend für die Rekruten. Er bedankte sich bei Eltern und Angehörigen für die zahlreiche Teilnahme am Gelöbnis und berichtete von den unterschiedlichen Beweggründen der Kameraden, die sich für den Dienst an der Waffe entschieden haben.

Armee am Scheideweg

Er erwähnte aber auch die humanitären Einsätze der Bundeswehr bei Hochwasserkatastrophen in Deutschland und Pakistan, sowie die Mission zur Sicherung der Wahlen im Kongo. Zum Abschluss seiner Rede zitierte Hindelang den Dichter Robert Frost: „In einem Wald zwei Wege bieten sich mir dar, ich nahm den, der weniger betreten war, und das veränderte mein Leben.“

Ein Zitat, das auch die derzeitige Situation der Bundeswehr an ihrem Scheideweg beschreiben könnte.

Von Kai A. Struthoff

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