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Gemeinde Schenklengsfeld bietet 35 000 Euro für Kreisbahn-Reststück

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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 Stillgelegtes Bahngleis bei Werhshausen.
Stillgelegt: Im zweiten Anlauf hat sich das Schenklengsfelder Gemeindeparlament für den Kauf der Bahnstrecke nach Heimboldshausen ausgesprochen. Unser Bild zeigt das Gleis bei Werhshausen. © Mario Reymond

Die Gemeinde Schenklengsfeld will für 35 000 Euro die Bahnstrecke nach Heimboldshausen vom Förderverein Werra-Fulda-Bahn übernehmen.

Schenklengsfeld – Das hat das Gemeindeparlament am Donnerstagabend während seiner Sitzung im Bürgerhaus bei einer Gegenstimme beschlossen. Im vergangenen November hatten die Mandatsträger die Entscheidung über ein Verkaufsangebot des Vereins zum selben Preis für das rund zwölf Kilometer lange Reststück der ehemaligen Hersfelder Kreisbahn samt Lokschuppen mit Hinweis auf offene Fragen vertagt und von Bürgermeister Carl Christoph Möller nähere Informationen zu Sanierungs- und Unterhaltskosten sowie möglichen Nutzern gefordert.

Im Dezember sprach sich das Kommunalparlament zwar grundsätzlich dafür aus, die Bindefrist des Verkaufsangebots zu verlängern, ging allerdings nicht auf im Gegenzug vom Förderverein geforderte Vorschusszahlungen ein, die mit dem Kaufpreis verrechnet werden sollten. Der Verein kündigte daraufhin ein offenes Bieterverfahren für die Strecke ohne Lokschuppen an (unsere Zeitung berichtete).

Zwischenzeitlich hat der Bürgermeister die Informationen für die Mandatsträger offenbar nachgebessert, die Wirtschaftlichkeitsberechnung für den Grunderwerb präzisiert und die Kosten für einen laut Rathauschef unwahrscheinlichen Abriss der Brücke über die Umgehungsstraße bei Ransbach bei „Gefahr in Vollzug“ einkalkuliert.

Der Grundstückswert liege dabei immer noch über dem Kaufpreis. Anfang des Monats seien den Mandatsträgern außerdem in einer nicht öffentlichen interfraktionellen Sitzung ansiedlungswillige Unternehmen mit Interesse an einem Bahnanschluss vorgestellt worden.

Vor der Abstimmung am Donnerstag appellierte der Rathauschef abermals, die stillgelegte Gleisinfrastruktur durch den Kauf für eine mögliche Reaktivierung mithilfe von Fördergeld durch die Gemeinde oder Dritte zu sichern. Die Mehrheit der Gemeindeverteter hat Möller zwischenzeitlich offenkundig überzeugt: Der Kaufbeschluss wurde ohne vorherige Parlamentsdebatte gefasst. Lediglich Udo Langer (Bürgerleiste) warnte abermals vor dem in seinen Augen hohen Risiko und monierte, dass zukünftige Kosten und die Ausgestaltung des vom Verein geforderten Nutzungsrechts nach wie vor nicht ausreichend beleuchtet worden seien.

Auf Empfehlung der Ausschüsse wurde die Beschlussvorlage zum Streckenkauf vor der Abstimmung präzisiert: Demnach beinhaltet das 35 000--Euro Gebot neben den Gleisen auch den Lokschuppen sowie gegebenenfalls auch die Bahnhofsanlagen.

Als Bestandteil des Kaufpreises will die Gemeinde auch Versicherungsbeiträge für Strecke und Lokschuppen sowie die Abfallgebühren und Grundbesitzabgaben für das laufende Jahr in Höhe von insgesamt rund 3400 Euro übernehmen und einen Kredit über 5300 Euro ablösen, den ein Vorstandsmitglied dem Förderverein für die Versicherungsbeiträge der beiden Vorjahre gewährt hatte.

Diese Punkte entsprechen den im Dezember vom Parlament noch abgelehnten Vorschussforderungen, die der Vereinsvorstand an die Verlängerung der Bindefrist geknüpft hatte.

Da diese somit zum Jahreswechsel auslief, ist unklar, ob der Förderverein noch auf die Kaufabsicht der Gemeinde eingeht. Denn laut Vereinssprecher und -kassierer Peter Wenke gibt es mehrere Interessenten. Als Käufer kämen neben der Kommune auch eine Firma für autonomes Fahren und ein Unternehmen, das eine Ausbildungsstätte für Gleisbauer plane, infrage.

Der Vorstand werde zeitnah einen Kaufvertrag mit Bedingungen für die Streckenübernahme ausarbeiten und den Interessenten vorlegen. Für den Verein stünden dabei Erhalt und Reaktivierung der Gleise sowie Nutzungsrecht für den Lokschuppen im Fokus.

Anschließend werde eine Mitgliederversammlung einberufen, um die Interessenten vorzustellen. Wann sich der Eisenbahnverein auf einen Käufer festlegt, stehe noch nicht abschließend fest. Er gehe jedoch von einer Entscheidung spätestens zum Ende des zweiten Quartals aus, erklärte Wenke auf Nachfrage unserer Zeitung. (Jan-Christoph Eisenberg)

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