88-Jährige ist die erste Patientin, die im neuen Hybrid-OP des HKZ operiert wurde

Gemeinsam geht’s besser

Technik vom Feinsten: Ein Blick in den neuen Hybrid-OP am Herz- und Kreislaufzentrum. Auf den Bildschirmen sehen die Ärzte dreidimensionale Bilder von den Organen des Patienten. Vorn am OP-Tisch sind die Kardiologen, dahinter die Anästhesisten. Fotos: HKZ/nh

Rotenburg. Die 88-jährige Irmgard Reuther aus Malsfeld ist die erste Patientin, die im hochmodernen Hybrid-Operationssaal des Herz- und Kreislaufzentrums eine neue Herzklappe implantiert bekommen hat. Nur eine Woche nach der komplizierten Operation konnte die betagte Dame das Krankenhaus wieder verlassen. „Ich bin nach der OP mit ihr hier zur Übung Treppen gestiegen“, berichtet Oberarzt Dr. Jürgen Graff, der die Herzoperation vorgenommen hatte. „Es ist ein schönes Erlebnis, zu sehen, wie schnell sich ein Patient erholt.“

Der Hybrid-OP macht’s möglich. In diesem neuen Operationssaal arbeite ein Team von Kardiologen und Chirurgen gleichberechtigt zusammen, erläutert der Direktor der Kardiologie am HKZ, Professor Dr. Christian Vallbracht. Gerade alte Menschen könnten oft wegen multipler Erkrankungen nicht normal operiert werden. „Man muss ständig auf Komplikationen gefasst sein“, sagt Vallbracht. „Gemeinsam ist deshalb besser als allein“, beschreibt er den Vorteil des Doppel-Teams.

Operation am Bildschirm

Auf zwei riesigen Plasma-Schirmen können die Ärzte die Operation verfolgen, die minimal-invasiv, also mit kleinsten Schnitten oder mittels Katheter durch die Leisten-Arterie, vorgenommen wird. Ein großer Roboter-Arm, der von der Automobilindustrie „geborgt“ wurde und mit einem hochempfindlichen Röntgengerät ausgerüstet ist, umfährt dabei den Patienten.

Es liefert den Ärzten sekundenschnell die nötigen Bilder in 3-D-Qualität aus dem Inneren des Patienten. Sollten Komplikationen auftreten, kann das Team sofort auf eine OP am offenen Herzen umschwenken.

Rund 300 Herzklappen-OPs werden pro Jahr am HKZ vorgenommen, rund 20 Prozent davon sollen im neuen Hybrid-OP erfolgen. Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft rechnen die Ärzte mit weiter steigenden Patientenzahlen. „Das ist ein Wachstumsmarkt“, erklärt HKZ-Geschäftsführer Guido Wernert. Und natürlich auch ein lukrativer. Rund 34 000 Euro kostet ein Eingriff, wie bei der alten Dame aus Malsfeld.

Künftig werden den HKZ-Ärzten bei Operationen und Diagnostik wohl häufiger Kollegen aus aller Welt über die Schulter schauen. Seit gestern sind das HKZ und die Praxis für Radiologie der Ärzte Dr. Johannes Flicker, Dr. Christoph Reh und Dr. Stefan Szabo mit ihrem Kernspintomographie-Gerät nämlich Referenzzentrum für kardiovaskuläre Bildgebung der Siemens Healthcare, dem Hersteller der modernen Geräte. Das HKZ ist das einzige Referenzzentrum in Deutschland und eines von wenigen in Europa.

„30 Prozent aller großen Herzzentren und Universitäten weltweit werden sich künftig hier über die neuen technischen Möglichkeiten informieren“, erklärt Amandus Petrausch von der Siemens AG, dem Marktführer auf diesem Gebiet der Medizintechnik. Viel wichtiger aber noch: „Mit dieser Technik steigert das HKZ weiter die Lebensqualität seiner Patienten“, betont Petrausch.

So wie bei der 88-jährigen Irmgard Reuther, die inzwischen wieder bei ihrer Familie in Malsfeld ist. „Es geht wieder bergauf“, erzählte sie kurz nach der OP freudestrahlend.

Von Kai A. Struthoff

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