Fokus auf Bad Hersfeld und Ludwigsau

Geplante Schnellbahnstrecke Fulda-Gerstungen: Bebra ist erneut außen vor

Das Archivfoto zeigt einen ICE, der in den Bahnhof von Bad Hersfeld einfährt
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Wo hält künftig der ICE im Kreis: Nach dem Ausscheiden von Bebra liegt der Fokus nun auf Bad Hersfeld und einem Bahnhof auf der grünen Wiese, der allerdings auf breite Ablehnung stößt.

Der Nordkreis mit dem Halt Bebra Süd bleibt bei den Planungen der Deutschen Bahn zur Neubaustrecke Fulda-Gerstungen außen vor. Auch im Kalirevier wird es keine Bahntrasse geben.

Das Unternehmen hat den Vorschlag eines Satelliten-Bahnhofs Bebra Süd beim jüngsten Beteiligungsforum am Freitag mit Verweis auf zahlreiche Nachteile abgewiesen. Weil auch im südöstlichen Teil des Suchraums - im Kalirevier - keine neue Bahnstrecke verlaufen soll, hat sich die Zahl der ein Kilometer breiten Korridore, in denen nach einer Strecke gesucht wird, nun deutlich verringert.

Als Grund führt die Bahn an, dass die geologischen Risiken durch mögliche Bewegungen im Untergrund zu hoch seien. Der für die geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke nötige Bau von langen Tunneln müsse dort vermieden werden. Betroffen sind sämtliche Trassenvorschläge, die in Hünfeld-Michelsrombach (Landkreis Fulda) ausfädeln und südöstlich in Richtung des thüringischen Gerstungen durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg führen.

Keine Trasse durchs Kalibergbau-Gebiet

Erleichterung bei Salz- und Düngemittelproduzent K+S: Die geplante Schnellbahntrasse wird den Kalibergbau im Werrarevier nicht beeinträchtigen. „Für K+S und unsere Mitarbeiter ist das eine gute Nachricht“, erklärt der Leiter des Werks Werra, Martin Ebeling, auf Anfrage. K+S setzt auf die Erschließung des Abbaufelds Marbach, das sich vom südwestlichen Rand des derzeitigen Abbaus im Eitratal in Richtung Fulda erstreckt und eine Perspektive für den Kalibergbau bis 2060 sichern soll.

Verstärkt in den Fokus rücken damit ein Streckenverlauf über und ein Fernverkehrshalt in Bad Hersfeld – und ein sogenannter Bahnhof auf der grünen Wiese, etwa bei Ludwigsau. Ernsthaft in Betracht kommende Streckenvarianten will die Bahn voraussichtlich beim nächsten Beteiligungsforum am 6. Oktober vorstellen.

Bahn über Bebra: Schwer realisierbar

Einem Halt ein bis zwei Kilometer südlich von Bebra mit Einfädelung in der Berliner Kurve attestiert das Unternehmen „außerordentlich hohe Raumwiderstände“ und eine „schwer realisierbare Anbindung“. Zudem liege der vom Büro Ederlog erarbeitete Vorschlag außerhalb der vorgegebenen Korridore. Bebras Bürgermeister Stefan Knoche reagierte enttäuscht, aber ohne Ärger auf die erneute Absage – bereits der bestehende Bahnhof war als Fernverkehrshalt an den Bahnkriterien gescheitert. „Diesmal fühlen wir uns ernstgenommen“, so Knoche. Bebra werde noch einmal das Gespräch mit der Bahn suchen. Aber: „Wir wollen das Beste für die Region. Wenn das ein Halt in Bad Hersfeld ist – denn ein Bahnhof auf der grünen Wiese ist es sicher nicht – werden wir das unterstützen.“

Noch gibt es keine konkreten Trassenvorschläge für die Neubaustrecke Fulda-Gerstungen. Aber beim jüngsten Beteiligungsforum der Bahn am Freitagnachmittag in Bad Hersfeld ist das Feld für die Planungen sehr viel übersichtlicher geworden. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Der Fall Bebra: Die Liste mit den Problemen, die von der Bahn bei einem Satelliten-Bahnhof Bebra Süd gesehen werden, ist lang. „Der Anschluss an die Bestandsstrecken sowie der einzuhaltende Radius der Neubaustrecke wären nur schwer und mit weiteren Eingriffen in Bebauung und Natur und Landschaft realisierbar“, heißt es von den Planern der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen. Passiert würden je nach Abstand zum bestehenden Bahnhof etwa Wohn- und Gewerbegebiete in Breitenbach und der Kernstadt oder in Weiterode. Auch Naturschutzgebiete oder, beim Ausweichen in Tunnel, unterirdische Wasserschutzgebiete seien betroffen.

Das Fazit: Der Vorschlag wird nicht weiter berücksichtigt. Die Bahn bietet dem Nordkreis und dem beauftragen Büro Ederlog aber ein Analysegespräch an. „Das Angebot nehmen wir natürlich an“, sagt Bebras Bürgermeister Stefan Knoche, der noch Klärungsbedarf bei der Ablehnung sieht. Dass der Nordkreis etwa keine ICE-Strecke quer durch Breitenbach vorschlage, wie es die Bahn suggeriere, verstehe sich von selbst. Aufgabe sei es gewesen, eine Diskussion über den Halt bei Bebra anzustoßen, so Knoche. „Das haben wir gemacht. Wir bleiben der wichtigste Regionalbahnhof im Landkreis.“

Das Planungsfeld ist deutlich übersichtlicher geworden: Unsere Grafik zeigt die verbleibenden Korridore für mögliche Streckenverläufe durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Die verschiedenen Varianten werden bis Oktober miteinander verglichen. Ein Blick auf die Pfeile oben rechts öffnet die gesamte Grafik.

Das K.-o.-Kriterium: Das geologische Risiko für einen ausgedehnten Tunnelbau ist der Bahn in weiten Teilen östlichen Suchraums, aber auch bei einem bisher in Erwägung gezogenen Tunnelbau bei Mecklar, zu groß. Befürchtet werden durch die großflächig vorkommenden Chloridkarsten (Salze) etwa Senkungen und Erdfälle, die nicht nur den Bau, sondern auch den Betrieb der Strecke beeinträchtigen könnten. Bei der Bewertung habe die Bahn auch auf Daten von K+S zurückgegriffen, die bei der Erkundung des Feldes Marbach gewonnen worden, so das Unternehmen – das damit einer Vorgabe des Regierungspräsidiums Kassel nachgekommen sei.

Sie stehen nun im Fokus: „Ich bin sehr zuversichtlich, was den Fernverkehrshalt in Bad Hersfeld betrifft“, sagte Aktivbündnissprecher Paul Niewerth im Anschluss an das Forum. Ähnlich klingt das bei Bürgermeister Thomas Fehling: „Wir haben für die Vorteile eines ICE-Haltes in der Kreisstadt unseres Erachtens sehr überzeugende Argumente geliefert.“ Hinter der Variante stehen 13 Bürgermeister des Südkreises, Bürgerinitiativen und Wirtschaftsvertreter. Aber auch für die Gemeinden Hauneck und Haunetal – über die eine Strecke durch die Kreisstadt verlaufen würde – ist es weiter spannend. Neuenstein und Ludwigsau bleiben als Ausfädelungspunkte von der westlichen Bestandsstrecke Hannover-Würzburg im Gespräch, die Trassen führen nördlich an Bad Hersfeld vorbei. „Das ist sicherlich eine ernst zu nehmende Variante“, so Niewerth. Die Strecke hat nur ein Problem: „Die will keiner, das ist Fakt“, so der BI-Sprecher. (Clemens Herwig)

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