Geschichte, die berührt

So sieht das Schild aus, das an der Kirche in Hönebach angebracht wird: Unser Foto zeigt von links Susanna Wagner von der Filiale der Raiffeisenbank in Hönebach, Matthias Axt vom Vorstand der Raiffeisenbank Ronshausen-Marksuhl, Elisabeth Linß, Ortsvorsteher Heinrich Meier und Martina Selzer. Foto: Dupont

Hönebach. Ein historischer Rundweg soll auch nach dem Jubiläum noch Menschen nach Hönebach locken.

Ein Rundgang durch Hönebach lohnt sich auch heute schon. In Zukunft wird der Besuch des Dorfes noch erheblich lohnenswerter: Dort entsteht gerade ein historischer Rundweg mit jeweils einem Informationsschild an 23 Gebäuden.

„Alt-Heembach“ (Alt-Hönebach) haben die Dorfbewohner dieses besondere Projekt getauft. Die Schilder werden an oder vor den Gebäuden angebracht. „Auf den Tafeln kann man sehen, wie das Gebäude früher aussah. Schaut man am Schild vorbei, sieht man das Gebäude, wie es heute dort steht“, berichtet Elisabeth Linß von ihrem Projekt.

Die Tafeln liefern nicht nur trockene Informationen. „Die Texte auf den Schildern sind informativ, aber auch spannend oder humorvoll“, betont die engagierte Hönebacherin. „Das Lesen soll schließlich auch Spaß machen.“

Anlass für das Projekt ist die 700-Jahr-Feier in dem Wildecker Ortsteil vom 7. bis 10. August. Das Fest organisiert der Verein 700 Jahre Hönebach.

„Ich wollte, dass etwas bleibt“

Der Rundweg soll aber nach dem Fest nicht wieder abgebaut werden, sondern erhalten bleiben und sogar erweitert werden. „Ich wollte immer, dass nach dem Fest etwas Bleibendes da ist“, sagt Linß.

Bei dem Projekt mitangepackt hat auch Michael Münser, der für das Design der Tafeln verantwortlich ist. Mitgeschrieben am Text haben Martina Selzer, Martin Fernau und Hermann Eimer. „Viele Hönebacher haben zum Inhalt der Tafeln beigetragen“, berichtet Selzer.

Elisbeth Linß sammelt seit über acht Jahren alte Fotos. „Am meisten interessiert mich, wie sich das Ortsbild verändert hat“, berichtet sie. Um die Fotos und Informationen für den Rundweg zu bekommen, hat sie viel Zeit investiert, nach Fotos geforscht und vor allem auch mit alten Hönebachern gesprochen. „Dabei habe ich viele spannende Dinge über unser Dorf erfahren“, berichtet die Hönebacherin. Ein Teil der Texte der Tafeln stammt auch aus der neuen Dorfchronik.

Eröffnung vor dem Fest

Der Rundweg wird noch vor dem Jubiläumsfest eröffnet. Startpunkt ist der Wanderparkplatz Enzianhütte oberhalb von Hönebach. Dort bietet sich ein schöner Blick über das Dorf. Man kann aber auch an jeder anderen Stelle einsteigen oder sich nur Ausschnitte anschauen.

Ein Versprechen

Die Raiffeisenbank Ronshausen-Marksuhl hat 2200 Euro gespendet. Davon werden unter anderen die Tafeln für den Rundweg finanziert.

„Der Weg soll dazu anregen, dass auch die Hönebacher mal wieder zu Fuß durch ihren Ort gehen“, erläutert Selzer. Das Projekt ist aber nicht nur für die Hönebacher interessant. Es soll auch Auswärtige anlocken. „Wenn sich Wanderer bei mir anmelden, die sich den Ort und den Rundweg anschauen wollen, backe ich auch einen Kuchen für ein gemeinsames Kaffeetrinken“, verspricht Elisabeth Linß und freut sich wie die anderen Hönebacher auf jeden, der Interesse an ihrem besonderen Dorf zeigt.

Hintergrund

Ein Beispiel für den historischen Rundweg ist die Gickelsburg. An ihrer Stelle stehen heute Einfamilienhäuser. Auch dort wird ein Schild an die Geschichte erinnern: Die Gickelsburg war ein dreigeschossiges Fachwerkgebäude in U-Form, das seinen Namen seiner eigenwilligen Architektur verdankte. Sie stand am oberen Ende der Eichhorststraße und war vom Eigentümer der Holzgroßhandlung Griesing als Unterkunft für seine Mitarbeiter - angeblich unter Verwendung alter Bahnschwellen - erbaut worden.

Beim Einmarsch der amerikanischen Soldaten am 31. März 1945 hatte ein deutscher Panzer am oberen Ende der Eichhorststraße Stellung bezogen, wo die Gickelsburg stand. Dessen Besatzung feuerte einen Schuss auf die amerikanischen Panzer ab, als diese aus dem Wald herausrollten. Darauf gingen die Amerikaner zum Angriff über und beschossen den gegnerischen Panzer. Dabei gerieten auch die dahinter befindliche Gickelsburg sowie weitere Gebäude der Eichhorststraße in Brand und brannten ab. Die Menschen hatten sich teils im Eisenbahntunnel, teils im Wald vor den Amerikanern versteckt. Wie durch ein Wunder starb kein einziger Zivilbewohner bei der Beschießung. (dup)

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