Patientenverfügung für Heimbewohner

Thema Beatmung: "Bitte" aus dem Gesundheitsamt empört Betreuer im Kreis Hersfeld-Rotenburg

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In Altenpflegeeinrichtungen sollten Patientenverfügungen vorliegen, fordert das Gesundheitsamt des Kreises. Unser Symbolfoto zeigt einen Blick in eine Einrichtung. Foto: Tom Weller/dpa-Bildfunk

Wie greift die Patientenverfügung in Zeiten von Corona? Eine "Bitte" des Gesundheitsamtes des Kreises Hersfeld-Rotenburg an bestellte Betreuer sorgt für Befremden.

Unruhe, teils auch heftige Empörung hat eine E-Mail ausgelöst, die Anfang April bestellten Betreuern im Auftrag des Gesundheitsamtes des Landkreises zugegangen ist. Bestellte Betreuer kümmern sich um Menschen, die ihre Angelegenheiten aus unterschiedlichen, meist gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst erledigen können.

In diesem Schreiben wurden die Betreuer darum gebeten, Listen von ihren betreuten Personen in den jeweiligen Altenpflegeeinrichtungen zu erstellen. Dazu sollten sie angeben, ob die betreuten Frauen und Männer eine Patientenverfügung haben, in der sie bestimmt haben, dass sie nicht beatmet werden wollen. Angeben sollten die Betreuer auch, ob sich die ihnen anvertrauten Menschen persönlich geäußert hätten, dass sie nicht beatmet werden wollten. Diese Listen sollten an die Altenpflegeheime weitergeleitet werden.

Begründet wurde diese Bitte damit, das geht aus dem Schreiben hervor, dass „unnötige Notarzteinsätze und Krankenhausaufenthalte mit Beatmung vermieden werden“ sollten und den Bewohnern ein Verbleib in der gewohnten Umgebung ermöglicht werden solle, wenn sie sich mit dem Coronavirus infizierten und eine Beatmung ablehnten.

Dass über diese Angaben schon Vorentscheidungen über Leben und Tod getroffen werden sollen, befürchten einzelne Betreuer. Gewarnt wird auch, dass die Patientenverfügung mit einer Entscheidung zur Beatmung sich auf einen ganz anderen Gesundheitszustand als auf eine Infizierung mit dem Coronavirus beziehen könnte, etwa das Endstadium einer langwierigen tödlichen Krankheit.

Auch der Vorstand des Hessischen Diakoniezentrums Hephata hat Kenntnis von dem Schreiben an die Betreuer erhalten und in einem Brief an Landrat Dr. Michael Koch seine Irritation und sein Befremden geäußert, wie Pressesprecher Johannes Fuhr erklärte. Eine Antwort des Landrats habe der Vorstand noch nicht erhalten.

Beim Landkreis geht man offenbar eher von einem großen Missverständnis aus: Dem Team des Gesundheitsamtes sei es mit der schriftlichen Bitte an die Betreuer darum gegangen, „auf ein eventuell auftretendes Informationsdefizit“ aufmerksam zu machen, teilte Kreispressesprecher Pelle Faust auf Anfrage mit. Im Umgang mit den Alten- und Pflegeheimen im Landkreis sei den Mitarbeitern während der Coronakrise aufgefallen, dass bei einigen Bewohnern keine aktuellen Daten hinsichtlich einer Patientenverfügung vorlägen.

Im Ernstfall sei es aber wichtig, dass die hinzugezogenen Einsatzkräfte wie Ärzte oder Palliativ-Teams wüssten, wie sie sich gegenüber dem Patienten zu verhalten hätten. Im Fall eines gesundheitlichen Problems sollte die Entscheidung für jeden einzelnen Patienten bestmöglich aus medizinischer und betreuerischer Sicht getroffen werden.

Diese Daten und Angaben der Bewohner dienten der Entscheidungsfindung und sollten allein in den Einrichtungen vorliegen, nicht etwa auch im Gesundheitsamt. Niemand wollte eine Vorauswahl treffen, wer leben darf und er nicht und hat das auch nur ansatzweise getan“, erklärte Pressesprecher Faust auf entsprechende kritische Äußerungen.

Der Wunsch der Betroffenen habe oberste Priorität. Um nicht anderes sei es in dem Schreiben an die Betreuer gegangen.

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