Aber Fehltage weit über dem Landesschnitt

Gesundheitsreport: Krankenstand in Hersfeld-Rotenburg sinkt deutlich

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Erläutert den Gesundheitsreport: Harald Schmidt, Leiter der DAK Bad Hersfeld.

Der Krankenstand im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Bei der Zahl der Fehltage liegt der Kreis aber immer noch weit über dem Landesschnitt.

Mit 5,0 Prozent hat der Kreis zwar, gemeinsam mit dem Werra-Meißner-Kreis und dem Landkreis Gießen, die unrühmliche Spitzenposition in Hessen – der Landesdurchschnitt liegt bei 4,3 Prozent –, doch ist die Zahl der Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte gesunken. Das geht aus dem Gesundheitsreport der DAK hervor. Den niedrigsten Krankenstand hatte mit 3,7 Prozent die Stadt Frankfurt am Main.

Laut Gesundheitsreport bedeutet das, dass an jedem Tag von 1000 Arbeitnehmern 50 krankgeschrieben waren.

Hauptgrund für Krankschreibungen waren im Kreis Hersfeld-Rotenburg, wie auch im Bund und fast allen Bundesländern, mit 24 Prozent Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, also Rückenschmerzen, Bandscheibenschäden, Knie- oder Hüftgelenksprobleme und Ähnliches. Harald Schmidt, Chef der DAK-Gesundheit in Bad Hersfeld, erklärt den nach wie vor hohen Krankenstand unter anderem mit dem hohen Anteil an Schichtarbeit in der Region, zum Beispiel bei den Logistikunternehmen, im Gesundheitswesen oder auch im Bergbau, wo viel gehoben und getragen werden müsse. Weitere häufige Krankheitsursachen waren Erkrankungen des Atmungssystems, also Erkältungen, Bronchitis oder Mandelentzündungen (16,3 Prozent) und psychische Erkrankungen (15 Prozent).

Bei Letzteren verzeichnet der Report einen Rückgang um 22 Prozent im Landkreis von 2017 auf 2018. Die Ursache hierfür liege vor allem in der kürzeren durchschnittlichen Erkrankungsdauer, aber auch in der geringeren Zahl der Erkrankungen. Schmidt erklärt das damit, dass psychische Erkrankungen inzwischen gesellschaftlich eher akzeptiert seien, dass schneller Hilfe gesucht und intensiver behandelt werde.

Seelenleiden kein Tabu-Thema mehr

In Deutschland haben Arbeitnehmer im vergangenen Jahr dreimal häufiger wegen psychischer Erkrankungen bei der Arbeit gefehlt, als das im Jahr 1997 der Fall war. Das ist eines der Ergebnisse des DAK-Gesundheitsreports, den die Krankenkasse jetzt veröffentlichte. Aktuell wurde ein eigener Psychoreport erforscht. Seelenleiden lagen mit einem Anteil von 15 Prozent am gesamten Krankenstand auf dem dritten Platz der Krankheitsarten. 

Dabei sind die Fehltage im Kreis Hersfeld-Rotenburg jedoch von 351 Tagen je 100 Versicherte im Jahr 2017 auf 275 Tage zurückgegangen. Das entspricht einer Reduzierung von 22 Prozent. Die Ursache für den niedrigeren Anteil der psychischen Erkrankungen liegt, so erläutert Harald Schmidt, Leiter der DAK in Bad Hersfeld, in der kürzeren durchschnittlichen Erkrankungsdauer. Diese war gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent kürzer. Zudem gab es insgesamt weniger Fälle. 

Ein Blick auf die Einzel-Diagnosen zeigt, dass Depressionen und Anpassungsstörungen nach wie vor die meisten Ausfalltage verursachen. Auf Platz drei rangieren neurotischen Störungen, darauf folgen Angststörungen. Der aktuelle Psychoreport zeigt auch, dass vor allem Ausfalltage wegen Anpassungsstörungen in den vergangenen Jahren rasant zugenommen haben. Seit 2000 haben sie sich fast verdreifacht. Anpassungsstörungen sind Reaktionen auf belastende Lebensereignisse wie Scheidung, Verlust eines nahestehenden Menschen, chronische Konflikte in der Familie oder am Arbeitsplatz, schwere körperliche Erkrankungen oder Umzüge. Sie äußern sich zum Beispiel mit Ängsten, depressiven Verstimmungen oder emotionaler Verwirrtheit. 

Diesen Anstieg bei den Fehltagen führt Harald Schmidt unter anderem auf einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen zurück, denn aus wissenschaftlicher Sicht seien die Erkrankungen seit Jahrzehnten in der Bevölkerung nahezu gleich verbreitet. „Beim Arzt-Patienten-Gespräch sind psychische Probleme heutzutage kein Tabu mehr“, erklärt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Deshalb werde auch bei Krankschreibungen offener damit umgegangen. In den Betrieben sehe es aber oft noch anders aus. Storm fordert deshalb: „Arbeitgeber müssen psychische Belastungen und Probleme aus der Tabuzone holen und ihren Mitarbeitern Hilfe anbieten.“ An Relevanz verloren hat dagegen in den vergangenen Jahren die Diagnose „Burnout“. Hier hat sich nach Angaben der DAK die Anzahl der Fehltage in den vergangenen Jahren nahezu halbiert. 

Mit zunehmendem Alter nimmt die Zahl der Fehltage wegen psychischer Probleme bei beiden Geschlechtern zu. Frauen waren jedoch 2018 mehr als doppelt so oft wegen Seelenleiden krankgeschrieben als ihre männlichen Kollegen. Besonders häufig betroffen sind Beschäftigte der Branchen „Öffentliche Verwaltung“ und „Gesundheitswesen“. Auch im Logistikbereich ist eine Zunahme zu verzeichnen.

Hunderttausende Hessen haben Alkoholprobleme

Neben dem Krankenstand ist vor allem eine Sonderanalyse zum Thema Sucht Inhalt des aktuellen DAK-Gesundheitsreports. Für das Schwerpunktthema wertete das IGES-Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK in Hessen aus, Eine repräsentative Befragung von 5600 Beschäftigten sowie eine Expertenbefragung geben Aufschluss über die Verbreitung und den Umgang mit verschiedenen Suchtmitteln und Verhaltensweisen. 

Arbeitnehmer mit einer sogenannten Substanzstörung haben deutlich mehr Fehltage im Job als Kollegen ohne auffällige Probleme. Das ist ein Ergebnis der Studie. Dabei ist ein Großteil der Krankmeldungen bei Suchtproblemen auf Alkohol zurückzuführen (75 Prozent). 10,3 Prozent der Arbeitnehmer (326 000) in Hessen haben laut Studie einen riskanten Alkoholkonsum. Der beginnt bei Männern bei mehr als zwei 0,3-Liter-Gläsern Bier pro Tag, bei Frauen bereits bei mehr als einem Glas. „Keine Droge verursacht so umfangreiche soziale und gesundheitliche Schäden in der Gesellschaft wie Alkohol“, stellt Harald Schmidt, Chef der DAK-Gesundheit in Bad Hersfeld, fest. Schmidt weist auf flächendeckende Angebote zur Alkoholprävention hin. 

Erstmals untersucht der Report auch das Thema Computerspiele und seine Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Demnach spielen rund 60 Prozent der Erwerbstätigen, je jünger, desto häufiger. Neun Prozent von ihnen gelten als riskante Gamer, das heißt, 290 000 Beschäftige zeigen ein auffälliges Nutzungsverhalten. Sie spielen während der Arbeitszeit und sind wegen des Spielens abgelenkt und unkonzentriert. Besonders weit verbreitet ist laut DAK-Report in Hessen das Rauchen von Zigaretten. Hier ist der Anteil bei den jungen Erwerbstätigen mit 16,3 Prozent am niedrigsten. Bei den über 60-Jährigen raucht dagegen fast jeder Vierte. E-Zigaretten sind dabei eine Alternative ausschließlich für Raucher und ehemalige Raucher. (zac)

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