54-Jährige aus dem Kreisgebiet als Dealerin angeklagt

Glückspillen per Post

Bad Hersfeld. Als gewerbsmäßige Dealerin ist eine 54 Jahre alte Frau aus dem östlichen Kreisgebiet angeklagt, die sich seit gestern vor dem Schöffengericht am Bad Hersfelder Amtsgericht verantworten muss. Nach dem ersten Verhandlungstag hatten Richter Michael Krusche und die beiden Schöffinnen zwar ein Geständnis auf dem Tisch, aber auch eine Geschichte, die ein anderes Motiv unterstellte als finanziellen Gewinn.

Die verwitwete Sozialhilfeempfängerin, die zuhause ihre kranke Mutter pflegt, will nämlich aus Liebe in den Rauschgifthandel eingestiegen sein. Die Beziehung zu einem Bekannten aus Nürnberg veranlasste sie demnach, auf dessen Bitte hin hauptsächlich Amphetamin zu besorgen und per Post zu versenden.

Das ging im Laufe des Jahres 2013 eine Weile gut, doch dann sollten auf einmal nicht nur ein paar wenige Gramm, sondern ein halbes Pfund der Glückspillen auf die Reise gehen – zuviel für den Postversand, sodass eine Kurierfahrt stattfand mit einem Treffen auf halber Strecke in einem Feldweg bei Meiningen.

Was beide Beteiligte nicht ahnten: Die Bestellung war von einem NOEP, einem nicht öffentlich ermittelnden Polizeibeamten, aufgegeben worden, da die Waldhessen-Connection des Nürnbergers längst mit Argusaugen von der bayerischen Polizei beobachtet wurde.

Ironie der Geschichte: ausgerechnet die größte Sendung reichte nicht für die juristisch bedeutsame „nicht geringe Menge“, weil die Qualität des Amphetamins so miserabel war.

Diese Anklagepunkte räumte die 54-Jährige weitgehend ein. Auch am Besitz von Rauschgift, das bei der Durchsuchung ihrer Wohnung gefunden wurde, gab es nichts zu deuteln.

Zum Vorwurf, mit einem Bekannten noch eine ganze Reihe von Drogen-Besorgungsfahrten nach Fulda unternommen zu haben, schwieg sie allerdings. Außerdem gibt es einschlägige Vorbelastungen.

Das Bild vervollständigen sollen nun weitere Zeugen, die am zweiten Verhandlungstag am Mittwoch nächster Woche ab 10.30 Uhr im Saal 9 des Amtsgerichts vernommen werden.

Von Karl Schönholtz

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