Umstrittener Scherz in Sozialen Medien

„Mobbing“ Bürgermeister von Ronshausen will SPD-Fraktionschef anzeigen

Das Bild zeigt den Badepark Ronshausen
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Das Symbolbild zeigt den beliebten Treffpunkt in einer eigentlich idyllischen Gemeinde: der Badepark Ronshausen

Der Kommunalwahlkampf wird in Ronshausen mit harten Bandagen ausgetragen. Bürgermeister Markus Becker (CDU) will nun SPD-Fraktionsvorsitzenden Matthias Tobi anzeigen.

Ronshausen - Grund für die gepante Anzeige ist ein Meme (sprich: Miem), das Tobi in seinem WhatsApp-Status geteilt hat. Darauf ist die Comic-Figur Spongebob Schwammkopf zu sehen, wie sie den Ulfe-Boten – das Mitteilungsblatt der Ronshäuser CDU – verbrennt. Auf dem Ausschnitt des Ulfe-Botens ist das Gesicht von Bürgermeister Becker klar zu erkennen.

Der Rathauschef kritisierte in einem Rundumschlag in der Parlamentssitzung am Donnerstag, nachdem der Haushalt verabschiedet war, die Aussagen von Wählergemeinschaft Ronshausen (WGR), FDP und SPD zum Haushalt und deren Vorgehen im Wahlkampf. Der von Tobi verbreitete Beitrag sei ein „absoluter Akt der Respektlosigkeit“, so Becker. „Der Aufruf zum Verbrennen von politischen Schriften alleine stellt einen Fall der Volksverhetzung dar“, und dadurch, dass ein Foto von ihm zu sehen sei, „gleichzeitig einen grausamen Akt des Mobbings“. Die SPD-Fraktion müsse sich fragen, ob solches Gedankengut in ihren Reihen tragbar sei.

Tobi war nach der Kritik sichtlich angefasst und äußerte sich am Donnerstag nicht dazu. Gestern sagte er auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wenn Herr Becker sich angegriffen fühlt, tut mir das leid. Es war anders gemeint. Ich sehe das als Satire.“ Er habe viel mit jüngeren Menschen zu tun, wo vergleichbare Memes regelmäßig verteilt würden. Memes sind meist immer wieder verwendete und jeweils nur leicht abgeänderte Motive. Auch die Bildzusammenstellung der Comic-Figur Spongebob Schwammkopf macht in Sozialen Medien wie Facebook und Instagram in den verschiedensten Formen die Runde – ausgetauscht wird dabei nur das Blatt, das verbrannt wird. Das Meme mit dem Ulfetal-Boten stamme nicht aus seiner Hand, so Tobi. Er verbreitete es über seinen WhatsApp-Status – ansehen können sich das Personen, die sich gegenseitig jeweils als Kontakt im Smartphone eingespeichert haben. „Auch über mich gab es vor drei Wochen ein Meme, das in Ronshausen die Runde gemacht hat. Ich habe mich aber nicht beleidigt gefühlt.“ Auf diesem Meme wurde anstelle von Tobis Kopfbild eine Comic-Figur mit unvorteilhaftem Körperbau in die SPD-Kandidatenliste montiert.

Besonders weh tue ihm, so der SPD-Fraktionsvorsitzende, wenn er nun in die „Rechte Ecke“ geschoben werde. Da gehöre er keinesfalls hin.

Die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Petra Möller sagt zum Vergleich mit den Bücherverbrennungen im Dritten Reich: „Das ist starker Tobak und völlig unangemessen.“ Für das Meme entschuldigt sie sich auch im Namen der Ronshäuser SPD noch einmal. Tobis Verhalten sei unglücklich gewesen, der Ortsverein stehe aber fest hinter ihm. Man müsse auch berücksichtigen, dass das Meme weder von Tobi noch von der SPD in den Sozialen Medien öffentlich gemacht worden sei. Ein WhatsApp-Status richte sich nur an private Kontakte. „Unser Wahlkampf war und bleibt seriös“, sagt Möller.

Becker hatte in seiner Rede am Donnerstag gesagt, das Verhalten von Tobi sei „ein Fall für die Staatsanwaltschaft“. Gestern bekräftigte er auf Nachfrage: Er werde Tobi anzeigen.

Christopher Ziermann

Bürgermeister Ronshausen, CDU
Matthias Tobi, SPD-Fraktion

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