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Vorwürfe gegen Internet-Versandhändler: Amazon feuert Kasseler Wachdienst

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Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Fulda gegen zwei Mitarbeiter. © dpa

Bad Hersfeld/Kassel. Der Ärger um den Internet-Versandhändler Amazon reißt nicht ab: Nach einem Fernsehbericht über Schikanen und unwürdige Arbeitsbedingungen hat Amazon den Kasseler Sicherheitsdienst gefeuert.

Der Konzern kündigte H.E.S.S., wie Unternehmenssprecherin Christine Höger mehreren Medien bestätigte: "Amazon hat veranlasst, dass die Zusammenarbeit mit dem kritisierten Sicherheitsdienst mit sofortiger Wirkung beendet wird. Als verantwortungsvoller Arbeitgeber von rund 8000 festangestellten Logistikmitarbeitern hat Amazon eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung - und wir erwarten das gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten."

In der ARD-Reportage "Ausgeliefert - Leiharbeit bei Amazon" wurden H.E.S.S.-Mitarbeiter gezeigt, wie sie in Kleidung von Thor Steinar, die bei Rechtsextremisten beliebt ist, die Unterkünfte von ausländischen Leiharbeitern von Amazon überwachten - und sowohl das Filmteam als auch die Ausländer schikanierten. 

Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt: Wie Harry Wilke, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Fulda auf Anfrage mitteilte, bestehe gegen zwei Mitarbeiter von H.E.S.S-Security ein Anfangsverdacht auf Nötigung und Freiheitsberaubung. Laut Filmbericht sollen die Wachleute das ARD-Kamerateam im Seeparkhotel Kirchheim festgehalten und die Herausgabe von Filmmaterial gefordert haben. Eventuell müssten die Ermittlungen auch auf einen Hotelangestellten ausgeweitet werden, so Wilke. „Bis jetzt kennen wir aber nur die Variante der Reporter“, führt Wilke weiter aus.

Laut Pressemitteilung der in die Kritik geratenen Sicherheitsfirma hätten sich die Journalisten in ihrem Zimmer eingeschlossen, nachdem ihnen vom Hotel Hausverbot erteilt worden war. Hotelchef Andreas Engelhoven will sich im Laufe des Tages noch äußern. Nach dem Filmbericht sollen Hotelmitarbeiter massiv bedroht worden sein und Hass-E-Mails erhalten haben.

Von strafrechtlich relevantem Verhalten der Wachdienst-Mitarbeiter im Zusammenhang mit Rechtsextremismus oder von Übergriffen auf Amazon-Leiharbeiter sei nichts bekannt, sagt Wilke. Auch Meldungen, dass vor Einsatz des Sicherheitsdienstes zu Vandalismus, Diebstählen und sogar einer Vergewaltigung gekommen sei, bestätigte Wilke nicht.

Der Chef von H.E.S.S.-Security, Patrick Hensel, erklärte gegenüber HNA.de, die Sache schlage mittlerweile so hohe Wellen, dass man einen Medienanwalt und eine PR-Agentur engagiert habe. Der Sicherheitsdienst, der mit dem Slogan "Erfolg ist kein Zufall!" wirbt, will sich im Laufe des Tages exklusiv gegenüber HNA.de äußern.

Unterdessen prangerte der Kölner Enthüllungsjournalist Günter Wallraff die Arbeitsbedingungen bei dem in die Kritik geratenen Internet-Versandhändler an. "Mir sind mehrfach von dort Beschäftigten grausamste Arbeitsbedingungen geschildert worden", sagte der Autor der Nachrichtenagentur dpa am Montag in Köln. Das betreffe vor allem Saison- und Leiharbeiter.

Aus Zuschriften von Betroffenen gehe hervor, dass diese von Kameras überwacht, schon bei kleinen Verschnaufpausen zum Vorgesetzten zitiert würden und mit Repressalien rechnen müssten. "Über die Arbeiter wird verfügt wie über Leibeigene." In Einzelfällen durften Wallraff zufolge Medikamente, die etwa Diabetiker brauchten, nicht mit ins Lager genommen werden.

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Der 70 Jahre alte Autor sagte, er recherchiere seit längerem in der gesamten Paket- und Zustellerbranche und sei auf breiter Front auf unzumutbare Zustände gestoßen. Wallraff hatte 2012 - nach Recherchen und eigenen Undercover-Einsätzen - "Menschenschinderei mit System" beim Paketzusteller GLS kritisiert. Die Firma hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Das ebenfalls kritisierte Unternehmen Hermes hatte dagegen Verbesserungen für die eigenen Zusteller angekündigt.

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Günter Wallraff © dpa

Amazon war in den vergangenen Tagen in die Schlagzeilen geraten, weil eine ARD-Dokumentation über schlechte Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern aus dem Ausland bei dem Versandhändler in Deutschland berichtet hatte. Am Wochenende hatte sich Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in die Debatte eingeschaltet und der Leiharbeitsfirma, die mit Amazon zusammenarbeitet, mit einem Lizenzentzug gedroht. Amazon hatte angekündigt, die Vorwürfe zu prüfen. (dpa/tat/tho)

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