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Planer des Windparks Wippershainer Höhe in finanzieller Schieflage

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Großbaustelle im Wald: Wie auf unserem Archivbild aus dem Jahr 2018 müssten auch für die acht geplanten Windräder im Buchwald Fundamente in den Boden gegossen werden
Großbaustelle im Wald: Wie auf unserem Archivbild aus dem Jahr 2018 müssten auch für die acht geplanten Windräder im Buchwald Fundamente in den Boden gegossen werden. © Jan-Christoph Eisenberg

Die Münchner Aktiengesellschaft Green City AG hat am Montag Insolvenzantrag gestellt. Sie wollte unter anderem auf der Wippershainer Höhe Windräder bauen.

Wippershain/München - Das Unternehmen für Windkraftanlagen und Solarprojekte plante mit seiner Tochterfirma Green City Windpark Wippershainer Höhe GmbH & Co. KG bislang auch den Bau von acht Windrädern im Buchwald zwischen Wippershain, Wüstfeld, Dinkelrode, Malkomes und Sorga. Wie sich die Insolvenz auf dieses Vorhaben auswirkt, ist derzeit noch unklar. „Ein vorläufiger Insolvenzverwalter wird bestellt. Er wird sich jetzt die wirtschaftliche Ausgangslage genau anschauen und Sanierungsoptionen prüfen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Aussagen treffen können“, teilt dazu Unternehmenssprecher Martin Betzold auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Den Insolvenzantrag begründet Green City in einer Pressemitteilung mit drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Dieser Schritt sei erforderlich geworden, da „die bereits weit fortgeschrittenen Gespräche mit Investoren nicht abgeschlossen werden konnten“. Laut Medienberichten konnten Forderungen in Höhe von etwa sechs Millionen Euro, die die Green City Kraftwerkspark II GmbH & Co. KG gegen die Konzernmutter Green City AG habe, wohl nicht beglichen werden. Insolvenz angemeldet hat aucht die Konzerngesellschaft GCE Kraftwerkspark I GmbH.

Die finanzielle Schieflage des Münchner Unternehmens hatte sich bereits Mitte Dezember abgezeichnet: In einer Pflichtveröffentlichung gab Green City bekannt, im Jahr 2021 durch Wertberichtigungen von Forderungen, Beteiligungen an Tochtergesellschaften und infolge von erwarteten Umsatz- und Ertragsausfällen mehr als die Hälfte des Grundkapitals verloren zu haben. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung soll es bei diversen geplanten Windparkanlagen und Solarprojekten zu Verzögerungen gekommen sein, zudem gab es offenbar Lieferschwierigkeiten von wichtigen Bauteilen. Außerdem stürzte ein Windrad des Herstellers Nordex im Nordrhein-Westfälischen Haltern ein. Die Bauarbeiten an baugleichen Anlagen seien daraufhin vorerst gestoppt worden.

Mehrheitsaktionär der im Jahr 2005 gegründeten Green City AG ist die Münchner Umweltorganisation Green City e. V. mit 35,6 Prozent der Anteile. Die Mitarbeiter halten 11,1 Prozent der Aktien, 35,3 Prozent sind in Streubesitz.

In einem Vergabeverfahren hatte das Unternehmen im Frühjahr 2018 von Hessen Forst den Zuschlag für die beiden Windvorranggebiete HEF 037 „Wippershainer Höhe“ und HEF 039 „Dinkelrode“ erhalten, die sich im Wald auf den Höhenzügen auf beiden Seiten des Hüttenbachtals befinden. Im August 2021 beantragte Green City beim Regierungspräsidium Kassel den Bau von acht Anlagen vom Typ Nordex N 163-5.7 MW mit einer Gesamthöhe von bis zu 245 Metern. „Die Unterlagen werden aktuell durch die Antragstellerin überarbeitet“, teilt RP-Sprecher Hendrik Kalvelage auf Nachfrage unserer Zeitung zum aktuellen Sachstand des Genehmigungsverfahrens mit.

Gegen die Windpark-Pläne im Buchwald hat sich im Jahr 2014 eine Bürgerinitiative formiert. Die Mitglieder fürchten durch den Bau der Anlagen einen nachhaltigen Eingriff ins Landschaftsbild, gesundheitsschädigenden Infraschall und die Zerstörung der einzigartigen Natur sowie eines wertvollen Naherholungsgebiets. (Jan-Christoph Eisenberg)

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