1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra

Grippewelle früher als üblich: Mediziner im Kreis Hersfeld-Rotenburg raten zu Influenza-Impfung 

Erstellt:

Von: Daniel Göbel

Kommentare

Die Grippewelle hat deutschlandweit nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts bereits begonnen. Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg steigen die Influenza-Fälle stark an. SYMBO
Die Grippewelle hat deutschlandweit nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts bereits begonnen. Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg steigen die Influenza-Fälle stark an. © Maurizio Gambarini/dpa

Die Grippe-Welle ist nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts bereits in vollem Gang, und auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind die Zahlen in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen. Das bestätigt Gesundheitsamtleiterin Adelheid Merle.

Hersfeld-Rotenburg – „Deutschlandweit und auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist seit Anfang November ein deutlicher Anstieg der Influenza-Fälle zu verzeichnen. Aktuell haben wir im Landkreis im Dezember 2022 (Stand 8. Dezember) schon 80 labortechnisch nachgewiesene Influenza-Fälle. Daneben zirkulieren aber auch andere Viren, welche Atemwegserkrankungen auslösen.“ Die Tendenz sei weiter steigend.

Die Influenza-Zahlen im Landkreis liegen im Vergleich zu 2020 und 2021 deutlich über dem Niveau der Vorjahre. „Wir haben derzeit seit Mitte November schon 117 labortechnisch bestätigte Influenza-Fälle, in der Saison 2018 (Januar- April 2018) waren es insgesamt 251 in drei Monaten“, erläutert Merle.

„Die Menschen sind ordentlich krank und durchleiden teils starke Symptome“, bestätigt auch der Bad Hersfelder Allgemeinmediziner Dr. Sebastian Auel. Auch in seiner Praxis seien in den vergangenen Wochen und Tagen viele positive Abstriche vorgenommen worden. „Auffällig ist, dass vor allem sehr viele Kinder starke Symptome haben“, so Auel. Ursache für den Anstieg könnte laut Auel ein aufgrund von Corona-Schutzmaßnahmen geschwächtes Immunsystem sein.

Das kältere Wetter zieht die Menschen im Moment außerdem vermehrt nach drinnen, wo die trockene Heizungsluft und ein enges Beisammensein auch zu einer schnelleren Verbreitung der Influenzaviren führen könnten. Daher sei es weiterhin ratsam, sich mit Masken vor Infektionen zu schützen, ebenso weitere Hygienemaßnahmen wie Abstandhalten und Händedesinfektion. Damit könnte man auch gleichzeitig dazu beitragen, Infektionsketten zu durchbrechen.

Auch eine Influenza-Impfung sei ratsam. „Die Impfung kann helfen, vor allem schwächt sie die Verläufe ab“, sagt Auel. Auch der Sprecher der Hausärzte im Landkreis, Dr. Martin Ebel, rät zu einer Impfung. Die Impfung bietet sich für alle Personengruppen an, ganz besonders aber für Personen über 60 Jahren und Personen, die beruflich körpernahe Dienstleistungen erbringen und mit vielen Menschen in Kontakt sind“, so Ebel.

Welche Personen sind besonders gefährdet?

Zu den Risikogruppen gehören laut Gesundheitsamtleiterin Adelheid Merle, insbesondere Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranke und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie Schwangere und Bewohner von Gemeinschaftseinrichtungen, Alten- und Pflegeheimen. „Gegen Influenza impfen lassen sollte sich aber auch medizinisches Personal und Pflegepersonal, zum einen für die eigene Sicherheit, zum anderen haben sie berufsbedingt ein erhöhtes Ansteckungsrisiko.“

Impfung kann Symptome schwächen

Die ersten Influenzafälle und der Beginn der Grippe-Welle 2022 wird vom Robert-Koch-Institut (RKI) in der letzten Oktoberwoche definiert.

Europaweit wird über steigende Influenza-Zahlen und eine weiter hohe Aktivität des RS-Virus berichtet. Der Beginn der diesjährigen Grippewelle in Europa wurde auf die 45. Kalenderwoche, das heißt vor einem Monat festgelegt. Für den Start einer Grippewelle sei die Größenordnung der Influenza-Fälle durchaus normal, erklärte eine Sprecherin des RKI. Ungewöhnlicher sei im Vergleich zu anderen Jahren aber der Zeitpunkt, da die saisonale Grippewelle sonst eher nach der Jahreswende beginne.

In den vergangenen zwei Wintern haben vor allem die Corona-Maßnahmen mit Masken und Abstand auch die Grippe ausgebremst. „Es könnte daran liegen, dass in den vergangenen zwei Corona-Wintern durch Lockdowns, Schulschließungen und andere Schutzmaßnahmen natürlich nicht nur das Coronavirus an der Weiterverbreitung gehindert wurde. Auch andere Viren und Krankheitserreger fanden keine Wirte. Dadurch wurde natürlich die Immunabwehr des Körpers weniger trainiert und der Körper jetzt – nachdem die meisten Corona-Schutzmaßnahmen aufgehoben wurden – empfänglicher für die zirkulierenden Krankheitserreger ist“, erläutert Gesundheitsamtleiterin Adelheid Merle.

„Natürlich spielt auch die Witterung und das vermehrte Aufhalten in Innenräumen mit trockener Heizungsluft ohne die in den letzten beiden Wintern geltenden Maskenpflichten, Abstandsregeln etc. bei der Weiterverbreitung von Infekten eine große Rolle.“ Der beste Schutz sei, sich impfen zu lassen, um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden – gerade für die Risikogruppen (chronisch Kranke, Ältere, Schwangere) aber auch das freiwillige weitere Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln, da die Grippeviren über Tröpfchen übertragen werden“, so Merle.

„Wir dürfen nicht so tun, als wenn alles vorbei wäre“, sagt Dr. Martin Ebel, Sprecher der Hausärzte im Landkreis. Die Menschen fühlten sich gegängelt, wenn sie in Arztpraxen dazu angehalten werden, eine Maske zu tragen. Eine Corona-Impfung sei nicht ausreichend, um sich gegen Influenza zu schützen. Es sei aber möglich, beide Präparate in Kombination zu impfen, je nach Person auch mit ein bis zwei Wochen Unterschied, sagt Ebel. Die Influenza-Impfung sollte jährlich stattfinden, da der Impfstoff jedes Jahr neu angepasst wird, um gezielter gegen die verschiedenen Virus-Varianten zu schützen, empfiehlt Merle. Normalerweise könne man sich bereits ab Oktober/November mit der Grippeimpfung schützen, aber auch jetzt ist es noch nicht zu spät, sich impfen zu lassen, auch wenn die Grippewelle schon rollt. (Daniel Göbel)

Auch interessant

Kommentare