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Grundsteuer-Frist: 40 Prozent der Anträge im Landkreis Hersfeld-Rotenburg stehen aus

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Von: Daniel Göbel

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Nur noch wenig Zeit für fristgerechte Abgabe: Bis Ende Januar müssen Grundstückseigentümer die Grundsteuererklärung ans Finanzamt übermitteln.
Nur noch wenig Zeit für fristgerechte Abgabe: Bis Ende Januar müssen Grundstückseigentümer die Grundsteuererklärung ans Finanzamt übermitteln. © michael reichel/dpa

Frist für Grundsteuererklärung läuft Ende Januar aus

Hersfeld-Rotenburg – Bis Ende des Monats müssen Grundstückseigentümer die Daten zur Neuberechnung der Grundsteuer an die Finanzämter übermitteln. Dieser Pflicht sind im Landkreis Hersfeld-Rotenburg bislang rund 58 Prozent der Betroffenen nachgekommen. Rund 40 Prozent der Grundstückseigentümer müssen die Daten demnach noch abgeben. Das teilte Alina Oehlerking von der Oberfinanzdirektion in Frankfurt auf Nachfrage mit. Erwartet werden im Zuständigkeitsbereich des Finanzamts Hersfeld-Rotenburg Erklärungen zu 66 741 Grundstücken und Häusern, gut 39 000 Erklärungen seien bereits eingegangen, so Oehlerking.

Ursprünglich sollten Grundstückseigentümer die Angaben bis zum 31. Oktober vergangenen Jahres abgeben. Weil aber nur 42 Prozent in Hessen dem nachgekommen waren, wurde die Frist bis zum 31. Januar verlängert.

Dass viele Betroffene dies auf den letzten Drücker erledigen, spüren aktuell auch die Steuerberater und Kanzleien im Landkreis. „Ich selbst habe bisher 198 Erklärungen angefertigt“, sagt Joachim Friedrich, Geschäftsführer der Kanzlei Friedrich, Priller & Kollegen in Bad Hersfeld. Er geht davon aus, dass es im Lauf der Zeit mindestens 600 werden. „Wir haben gerade jetzt im Januar einen starken Zulauf bekommen, besonders von Menschen, die selbst versucht haben, die Erklärung mit dem Elster-Programm auszufüllen, dabei aber gescheitert sind“, so Friedrich.

Neuen Kunden könne Friedrich nicht mehr versprechen, dass ihre Erklärung noch fristgerecht an das Finanzamt übermittelt werden könnte. Wer die Frist versäumt, werde erneut angemahnt und müsse einen Versäumniszuschlag von 25 Euro pro Monat zahlen. Auch Steuerberaterin Sandra Koch aus Rotenburg weist Neukunden darauf hin, dass mittlerweile das Risiko bestehe, das die Erklärung nicht mehr fristgerecht ankommt. Allerdings hätten die Betroffenen auch lange Zeit dafür gehabt, weshalb Koch eine erneute Verschiebung der Frist als ungerecht empfände. Dadurch würden jene bestraft werden, die ihrer Pflicht rechtzeitig nachgekommen seien.

Auch Carolin Nennstiel von der Kanzlei Nennstiel in Philippsthal bestätigt einen großen Andrang. Viele kämen auf den letzten Drücker zum Steuerberater, auch Menschen, die selbst mit dem Elster-System gescheitert seien. Dabei sei das Ausfüllen der Formulare nicht besonders kompliziert.

Rund 40 Prozent der Grundstückseigentümer im Kreis Hersfeld-Rotenburg müssen noch die Daten zur Grundsteuerreform an die zuständigen Finanzämter übermitteln. Wir erklären, wie man das schnell und unkompliziert erledigt.

Wer muss eine Grundsteuererklärung abgeben?

Wer bis zum Stichtag 1. Januar 2022 Eigentümerin oder Eigentümer eines unbebauten oder bebauten Grundstücks, einer Eigentumswohnung oder eines Betriebs der Land- und Forstwirtschaft oder auch nur einzelner land- und forstwirtschaftlicher Flächen ist, muss eine Erklärung zum Grundsteuermessbetrag abgeben. Alle Betroffenen wurden dazu bereits im vergangenen Sommer per Post benachrichtigt.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Daten zu übertragen?

Um die Erklärung schnell und digital zu erledigen, gibt es das Steuerportal elster.de. Laut der Steuerberater im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist das die einfachste Möglichkeit. Voraussetzung sei allerdings einen Zugang zum Elster-System, den man zuvor freischalten muss, erklärt Joachim Friedrich von der Kanzlei Friedrich, Priller & Kollegen in Bad Hersfeld. Jedoch gebe es auch immer wieder Kunden, die selbst mit dem Elster-System gescheitert sind und daher Hilfe von Steuerfachleuten in Anspruch nehmen.

Was ist mit Menschen, die keinen Onlinezugang haben?

In Einzelfällen sind Ausnahmen von der elektronischen Abgabeverpflichtung möglich. Wer glaubhaft darlegen kann, dass eine elektronische Abgabe unzumutbar ist, der darf die Erklärung auch in Papierform abgeben. Ein Anruf beim Bürgerservice des zuständigen Finanzamts gebe im Zweifelsfall Klarheit darüber, ob im vorliegenden Fall die Erklärung auch in Papierform abgegeben werden darf.

Wie komplex ist die Erstellung der Erklärung?

Wenn alle Daten vorhanden sind, sei die Erstellung nicht sehr kompliziert, sagt Carolin Nennstiel von der Kanzlei Nennstiel in Philippsthal. Bei einem einfachen Einfamilienhaus ohne Nebengebäude gebe es meist keine Probleme. Kommen aber Nebengebäude wie Scheunen, Garagen oder Wintergärten hinzu, sei Unterstützung ratsam. „Wer beispielsweise fünfmal angebaut hat und verpachtete Landwirtschaft besitzt, für den wird es doch relativ komplex“, sagt Steuerberaterin Sandra Koch aus Rotenburg.

Was benötige ich auf jeden Fall, um die Erklärung zur Grundsteuer auszufüllen?

Es braucht vier Angaben: Die Adresse des Grundstücks, den Brief vom Finanzamt zur Grundsteuererklärung, darin finden sich Aktenzeichen, Flurstücke (Fläche, Gemarkung, Nummer, Zähler und eventuell Nenner) und die Nummer des Grundbuchblatts. Zudem werden der Bodenrichtwert und die Wohnfläche (aus den Bauplänen oder Kaufvertrag) benötigt. Im Zweifel lohnt es sich laut Nennstiel auch, die Wohnfläche selbst nachzumessen, etwa wenn durch Anbauten die Flächenangaben im Grundbuch überholt sind. Wenn alle diese Daten vorhanden, gelingt die Abgabe innerhalb einer Stunde.

Was kostet es ungefähr, wenn der Steuerberater die Arbeit übernimmt?

Die Gebühren werden nach der Steuerberatervergütungsverordnung berechnet und richten sich nach Größe und Lage der Wohnfläche. Es können aber auch Pauschalen mit dem Steuerberater vereinbart werden.

Weitere Informationen: finanzamt.hessen.de

(Daniel Göbel)

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