Immobilienmarkt

Grundstücke und Wohnungen in Hersfeld-Rotenburg: Preise steigen drastisch

Bauboom in Kassel: Der Immobilienmarkt wächst und treibt nicht nur die Baupreise in die Höhe, sondern führt auch häufiger zu Pfusch am Bau. Unser Symbolbild zeigt den Rohbau eines Einfamilienhauses in Straubing. 
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Spitzenreiter Bad Hersfeld: In Hersfeld-Rotenburgs Kreisstadt wurden im vergangenen Jahr 306 Grundstücke und Wohnungen verkauft. Bebra landet mit 181 Verkäufen auf dem zweiten Platz. Unser Symbolbild zeigt den Rohbau eines Einfamilienhauses. 

195 Millionen Euro sind in Hersfeld-Rotenburg 2020 für unbebaute und bebaute Grundstücke und Wohnungen ausgegeben worden. Vor allem Bad Hersfeld boomt.

Hersfeld-Rotenburg - Bei insgesamt 1700 Verkäufen wurden im vergangenen Jahr 25 Millionen Euro mehr als noch im Jahr 2019 ausgegeben, obwohl 100 Grundstücke und Wohnungen weniger verkauft wurden. Das geht aus dem neuen Immobilienmarktbericht des Gutachterausschusses beim Amt für Bodenmanagement Homberg hervor.

Ebenso gestiegen ist die verkaufte Fläche: 800 Hektar sind der Spitzenwert seit 2012 und 170 Hektar mehr als im Vorjahr. Trotzdem spricht Amtsleiter Uwe Koch von teilweise ungewöhnlich hohen Preisanstiegen auf dem Wohnungsmarkt. So ist zum Beispiel der Wohnflächenpreis beim Verkauf von neuen Eigentumswohnungen binnen eines Jahres um 34 Prozent auf 3300 Euro pro Quadratmeter gestiegen. „Das ist ein massiver Anstieg, den es in der Region bisher nicht gab“, sagt Koch.

In Bad Hersfeld wurden im vergangenen Jahr 306 Grundstücke und Wohnungen verkauft. Das ist der Spitzenwert im Zuständigkeitsbereich des Amtes für Bodenmanagement Homberg, zu dem auch die Kreise Schwalm-Eder und Werra-Meißner gehören. In Bebra waren es 181 und in Rotenburg 162. Es folgen Heringen (128) und Wildeck (111). Am wenigsten waren es in Breitenbach/H. (30) und Cornberg (27).

Wohnungen und Häuser sollen immer mehr Platz bieten

Der hohen Nachfrage am Wohnungsmarkt steht die weiterhin sinkende Bevölkerungszahl des Landkreises gegenüber. Das erklärt das Amt für Bodenmanagement unter anderem damit, dass der Raumbedarf pro Bewohner steige. Wohnungen in großen Mehrfamilienhäusern seien nicht mehr so gefragt. „Neues Eigentum wird den Verkäufern quasi aus den Händen gerissen. Immobilien sind in den vergangenen Jahren als Investition immer beliebter geworden. Allerdings scheint die Schmerzgrenze bei den Preisen mittlerweile in vielen Bereichen erreicht“, sagt Koch.

Daten werden anonymisiert ausgewertet

Die Erstellung des Immobilienmarktberichtes, in dem der Gutachterausschuss Markttrends abbildet, ist gesetzlich vorgeschrieben, um für Transparenz zu sorgen. In die Statistik fließen alle Verkäufe ein, soweit es sich nicht um erkennbar ungewöhnliche Fälle handelt, wie zum Beispiel Freundschaftspreise. Die Daten werden von den Notaren gemeldet und anonymisiert ausgewertet. Das Amt für Bodenmanagement veröffentlicht auch Bodenrichtwerte, die genauer sind als Schätzwerte von Internetanbietern. Unter anderem fließt bei der Berechnung auch die Bevölkerungsentwicklung ein.

Dass Grundstücke und Wohneigentum in Zeiten von Niedrigzinsen beliebte Investitionen sind, schlägt sich auch im Immobilienmarktbericht des Amtes für Bodenmanagement für den Landkreis nieder. Es wird fleißig gebaut.

Während die Zahl der verkauften unbebauten Grundstücke im vergangenen Jahr leicht von 677 auf 657 gesunken ist, haben die Verkäufer 26 Millionen Euro und damit 70 Prozent mehr als 2019 eingenommen. Dabei waren die Grundstücke zwar auch durchschnittlich größer, aber lediglich um 40 Prozent. Der Quadratmeterpreis stieg von 55,50 auf 63,50 Euro. Eine Doppelhaushälfte kostete 2020 im Landkreis durchschnittlich 105 000 Euro (plus 15 Prozent), ein Reihenhaus 151 000 Euro (plus 50 Prozent). Bei freistehenden Häusern sank der Preis leicht um zwei Prozent auf 141 000 Euro.

Hohe Preise in Bad Hersfeld und Ludwigsau: Unsere Grafik zeigt Kennzahlen des Immobilienmarktes 2020 aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Zur vollständigen Ansicht geht es mit einem Klick auf die Pfeile oben rechts.

In die Berechnung von Grundstückswerten fließen beim Amt für Bodenmanagement auch Faktoren wie die Zahl der Arbeitsplätze in einer Kommune und die Bevölkerungsentwicklung ein. Der Landkreis verliert laut Statistischem Landesamt jährlich 0,4 Prozent seiner Einwohner. Besser als der Durchschnitt aller 20 Kommunen stehen Rotenburg (minus 0,15), Bad Hersfeld (0,2), Niederaula (0,34), Wildeck (0,37) und Neuenstein (0,38) da. Am größten ist der Rückgang in Cornberg (1,15), Nentershausen (1,12) und Breitenbach/H. (0,92). Auch in Heringen liegt der Bevölkerungsrückgang mit jährlich 0,75 Prozent über dem Landkreis-Durchschnitt.

Homberger Amt bietet bis auf die Straße genaue Bodenrichtwerte

Mit der Veröffentlichung der Daten soll Transparenz auf dem Wohnungs- und Grundstücksmarkt geschaffen werden. Der gesamte Immobilienmarktbericht umfasst 140 Seiten und kann für 50 Euro erworben werden. Er richtet sich vor allem an Akteure auf dem Immobilienmarkt und umfasst auch umfangreiche Erhebungen für Flächen in Landwirtschaft und Forst sowie Angaben zu Mietwerten.

Von der Arbeit des Homberger Amtes profitieren aber auch Privatleute. Unter anderem kann man im Internet bis auf die Straße genaue Bodenrichtwerte abfragen. Außerdem kann man Verkehrswertgutachten für Häuser und Grundstücke in Auftrag geben. Dafür gibt es Gutachterausschüsse, die mit Fachleuten etwa aus Architektur und Vermessungswesen besetzt sind und im Zuge der Wertermittlung regelmäßig zu Ortsbesichtigungen kommen. Dass es diese Ausschüsse gibt, ist gesetzlich vorgeschrieben, da sie zum Beispiel bei Zwangsversteigerungen nötig sind. Doch auch für Privatleute kann sich ein solches Gutachten, das je nach Größe des Hauses ab 1000 Euro aufwärts kostet, lohnen.

„Gerade auch im Internet kann man Schätzwerte bekommen, die natürlich günstiger zu haben sind, aber auch ungenauer und unverbindlich sind. Das kann zu deutlich zu niedrig angesetzten Preisen führen, was zum Beispiel bei Erbschaftsauseinandersetzungen zu Problemen führen kann“, sagt Koch. Im vergangenen Jahr hat der Ausschuss rund 180 Verkehrswertgutachten erstellt, sagt Günther Kirchhoff, Leiter der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses. (Christopher Ziermann)

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