Interview

K+S-Werksleiter spricht über die Zukunft der Produktion im Werratal

Neues Projekt: K+S-Werksleiter Roland Keidel vor der am Standort Hattorf im Bau befindlichen Kainit-Kristallisations-Flotations-Anlage. Sie soll Ende 2017 in Betrieb gehen und dafür sorgen, dass pro Jahr weitere 1,5 Millionen Kubikmeter Produktionsabwässer weniger anfallen als bisher. Foto: Reymond

Philippsthal. Über die Kurzarbeit in der vergangenen Woche und die Probleme bei der Entsorgung der Abwässer haben wir mit K+S-Werksleiter Roland Keidel gesprochen.

Herr Keidel, müssen wir uns jetzt alle paar Wochen auf einen Produktionsstopp bei K+S einstellen – je nach Wetterlage? 

Roland Keidel: Bis zur abschließenden Entscheidung über unseren Versenkantrag müssen wir die Produktion und die Entsorgung unvermeidbar anfallender Salzabwässer weiterhin vor allem an der Wasserführung der Werra ausrichten. Wir können längere Trockenperioden im Laufe der nächsten Wochen und Monate nicht ausschließen – und damit auch keine weiteren Produktionsstopps.

Und dann gibt es die aktuellen Vorwürfe, dass der kurzfristige Produktionsstopp Anfang April im Werk Werra nichts mit Niedrigwasser in der Werra zu tun gehabt hätte und auch die Stapelbecken leer gewesen seien. Kritiker sprechen von einem Aussetzen der Produktion wegen Absatzproblemen. Was stimmt denn nun? 

Keidel: Die vorübergehende Reduzierung der Produktion im Werk Werra ist ausschließlich eine Folge der erlaubten Entsorgungsmöglichkeiten für die anfallenden Salzabwässer aus der Produktion und von den Halden in Hessen.

K+S darf nach Vorgaben des Regierungspräsidiums Kassel bis Endes des Jahres nur noch 725.000 Kubikmeter Abwässer aus den Werken Wintershall und Hattorf unter der Erde verpressen. Eigentlich waren bis Ende 2021 insgesamt zwölf Millionen Euro Kubikmeter beim Regierungspräsidium beantragt worden. Jetzt, nachdem der Bewirtschaftungsplan der sieben Werra-Weser-Anrainerländer vorliegt, soll die Laufzeit plötzlich wieder bis 2021 gelten. Wie ist denn nun der aktuelle Stand und welche Abwassermengen sind K+S genehmigt worden? 

Keidel: Das Regierungspräsidium Kassel hat K+S übergangsweise bis zum 31. Dezember 2016 die Erlaubnis zur Fortsetzung der Versenkung von Salzabwässern am Standort Hattorf des Werkes Werra auf Basis eines jährlichen Gesamtvolumens von 725.000 Kubikmetern erteilt. Dabei darf pro Monat ein Volumen von 120 000 Kubikmetern nicht überschritten werden. Die abschließende Entscheidung über den im April 2015 eingereichten Antrag zur Fortsetzung der Versenkung bis Ende 2021 erwartet K+S nach Abschluss der fachlichen Prüfung durch die Behörde weiterhin im Sommer dieses Jahres.

Und dann klagt ja auch noch die Gemeinde Gerstungen gegen die Versenkung. Was haben Sie dem entgegenzusetzen? 

Keidel: Wir sind nach wie vor der Auffassung, dass die in den 1990er-Jahren als Baustein der Werra-Weser-Entsalzung nach der deutschen Wiedervereinigung von Bund, Anrainerländern wie Hessen und Thüringen und K+S gewollte Nutzung des Pufferspeichers Gerstunger Mulde rechtmäßig ist. Die fortlaufende Prüfung durch eine externe Kanzlei im Auftrag des Unternehmens in den vergangenen Monaten hat ergeben, dass keine Anhaltspunkte für strafbares Verhalten vorliegen.

Wie hoch schätzen Sie selbst die Gefahren für das Grundwasser durch die Versenkung ein? 

Keidel: Der Plattendolomit ist als Versenkhorizont geeignet, Salzwasseraufstiege finden nur begrenzt in den bekannten Entlastungszonen insbesondere entlang der Werra und außerhalb von Trinkwasser-Schutzgebieten statt. Das bestätigen die kontinuierliche Überwachung, geophysikalische Messungen aus der Luft und ein numerisches dreidimensionales Grundwassermodell (sogenanntes 3D-Modell).

Aufgrund des Bewirtschaftungsplans liegt die geplante Pipeline zur Oberweser auf Eis. Das Unternehmen soll zunächst andere Entsorgungswege prüfen. So auch die Einstapelung von eingedickten Abwässern in ehemaligen untertägigen Abbaugebieten. Wann und wie wird eine solche Forderung überhaupt umsetzbar sein? 

Keidel: Für die Realisierbarkeit wesentlicher Maßnahmen (Einstapelung unter Tage) liegen derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Die Realisierbarkeit müssen und werden wir in den kommenden Jahren zunächst noch intensiv untersuchen und prüfen.

Bisher hat K+S immer wieder von der unumstößlichen Notwendigkeit der Oberweserleitung gesprochen, die bereits 2022 in Betrieb genommen werden sollte. Da legt sich nun aber definitiv das Bundesland Niedersachsen quer. Rosige Zeiten für K+S sehen anders aus. Welche Argumente für eine Pipeline liefern Sie den Gegnern? 

Sollte die Einstapelung nicht oder nicht ausreichend erfolgreich sein, ist die zeitgerechte Realisierung der Ergänzungs-Fernleitung an die Oberweser in einer ausreichenden Dimensionierung bis Ende 2021 ein wesentlicher Eckpfeiler des langfristigen Entsorgungskonzeptes und Voraussetzung für die Verbesserung des Gewässerzustandes in der Werra sowie die Beendigung der Salzabwasserversenkung in den Plattendolomit. Dafür müssen wir bereit sein und arbeiten weiter an der Genehmigung.

Was bedeutet der Weggang von Dr. Rainer Gerling in die Zentrale nach Kassel für das Werk Werra? 

Keidel: Herr Dr. Gerling ist dem Werk Werra durch die vielen Jahre, die er im Werratal gelebt und gearbeitet hat, immer noch sehr verbunden. Er kennt das Werk wie seine Westentasche. Diese profunden Kenntnisse und auch seine sozialen Fähigkeiten machen die Zusammenarbeit weiterhin sehr angenehm und effektiv.

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