Sommerinterview

Bürgermeister Becker über Ronshausen und Corona: Kommen mit blauem Auge davon

Ronshausens Bürgermeister Markus Becker steht in T-Shirt, kurzer Hose und Laufschuhen an einer Gabelung seiner Lieblingslaufstrecke, die von seinem Haus über Faßdorf hoch zu den sechs Buchen und zurück führt.
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Fit durch die Corona-Krise: Statt untätig zu sein hat sich Ronshausens Bürgermeister Markus Becker in der Corona-Zeit viel häufiger als sonst privat die Laufschuhe angezogen. Seine Lieblingsstrecke führt ihn von Zuhause über Faßdorf hoch zu den sechs Buchen – auf dem Weg rechts geht’s dorthin hinauf – und zurück.

Die Corona-Krise hat die Gemeinde Ronshausen bei der Gewerbesteuer hart getroffen. Trotzdem hofft Bürgermeister Markus Becker darauf, mit einem blauen Auge davonzukommen.

Die Corona-Pandemie hat die Welt kräftig durcheinandergewirbelt. Wie haben die Städte und Gemeinden diese schwierige Zeit erlebt? Was sind nun die größten Herausforderungen? Wir fragen in unseren Sommerinterviews bei den Bürgermeistern nach. Heute: Markus Becker (CDU) aus Ronshausen.

Herr Becker, in den vergangenen Wochen hat sich die Corona-Lage wieder verschärft. Zwar ist die Situation im Landkreis noch entspannt, aber bundesweit steigen die Zahlen. Was sind jetzt die größten Herausforderungen?
Trotz der bisherigen Lockerungen und gefühlten Entspannung sollten wir beim disziplinierten Verhalten nicht nachlassen und die bestehenden Regeln bei Abstand und Hygiene einhalten. Sonst laufen wir Gefahr, dass es doch zu einer zweiten Welle kommt. Und auf die daraus folgenden Konsequenzen habe ich persönlich gar keine Lust.
Finanziell war der Lockdown fast überall ein schwerer Schlag ins Kontor. Ist schon absehbar, wie hart die Gemeinde Ronshausen getroffen wird?
Hart getroffen hat es auch uns bei der Gewerbesteuer. Aktuell stehen wir etwa bei 50 Prozent der im Haushalt veranschlagten 395 000 Euro. Zur Unterstützung wurde uns allerdings ein Landeszuschuss von 140 000 Euro angekündigt, sodass wir – wenn alles gut geht – mit einem blauen Auge davonkommen und trotz Corona etwa 80 Prozent der geplanten Gewerbesteuereinnahmen erreichen könnten. Die restlichen Haushaltszahlen sind allerdings nur schwer voraussagbar – da müssen wir das Jahresende abwarten.
Auf der anderen Seite ist mit Corona auch die Entlassung aus dem Schutzschirm des Landes Hessen verbunden. Sie gilt rückwirkend zum 1. Januar. Dabei war Ronshausen beim Sparen ohnehin auf der Zielgeraden. Freut Sie das dann trotzdem?
Auf das Erfüllen der Schutzschirmauflagen haben wir in der Gemeinde alle über Jahre hinweg akribisch hingearbeitet. Das Ende des Schutzschirms bedeutet ja für uns nicht, dass wir unseren dritten positiven Jahresabschluss in Folge nicht mehr vorlegen müssen. Aufgrund des vorläufigen Ergebnisses für 2019 wird das ja auch kein Problem sein. Insofern laufen wir in diesem Jahr ins Ziel ein – und das freut uns natürlich trotzdem.
Wie ist Ronshausen bislang denn insgesamt durch die Coronakrise gekommen?
Persönlich hat mich der Lockdown sehr betroffen gemacht. Die Kindertagesstätte und Schule mussten geschlossen werden, alles was Spaß macht wie Sport- und Vereinsaktivitäten sowie Familienfeiern und Gottesdienste mussten ausfallen. Das hat das Leben in der Gemeinde ganz schön hart beeinträchtigt.
In Ronshausen wird ja gerne gefeiert. Wegen des Großveranstaltungsverbots müssen auch die Feste in Ihrer Gemeinde ausfallen. Wie ist die Stimmung vor Ort?
Normalerweise würde Mitte September die Ronshäuser Kirmes stattfinden – ein Höhepunkt bei uns jedes Jahr. Diesmal muss sie ausfallen und ich selbst wie ganz viele Ronshäuser sind darüber sehr traurig. Aber ich habe großen Respekt vor der frühzeitig getroffenen Entscheidung des ESV Ronshausen, der die Kirmes in diesem Jahr veranstaltet hätte. Wir müssen in dieser Zeit alle vorsichtig sein, deshalb war es auch ganz klar, dass wir in diesem Jahr keinen Seniorennachmittag seitens der Gemeinde veranstalten werden. Was dadurch fehlt, ist der persönliche Kontakt. Geburtstagsjubilare konnte ich aus Sicherheitsgründen nicht mehr besuchen und die persönlichen Gespräche auf Festen und Feiern fehlen auch. Insgesamt ist das alles schon sehr bedrückend.
Können Sie der Krise auch etwas Positives abgewinnen?
Die Hilfsbereitschaft, sich untereinander zu helfen, ist groß. Wir waren positiv überrascht, wie viele ehrenamtliche Helfer sich auf unseren Aufruf zur gegenseitigen Unterstützung – zum Beispiel beim Einkaufen – spontan gemeldet haben. In der Krise haben die Ronshäuser sehr gut zusammengehalten. Für mich ganz persönlich positiv in der Corona-Zeit ist, dass sich mein Terminkalender erfreulich ausgedünnt hat und ich plötzlich, so wie vermutlich viele andere auch, mehr Zeit für die Familie hatte.
Lockdown, Homeschooling, Sommerferien... als Familienmensch mit zwei schulpflichtigen Söhnen: Sind Sie froh, dass die lange Zeit ohne geregelten Schulbetrieb nun vorbei ist?
Meine Kinder werden mir böse sein – aber ein klares Ja! Die langen Wochen mit Homeschooling waren wirklich nicht einfach. Da muss ich ausdrücklich meiner Frau Bianca danken, die das Familienmanagement in dieser Zeit hervorragend organisiert und umgesetzt hat. Jetzt, wo die Schule wieder losgeht, haben wir endlich auch wieder die Herrschaft über die Fernbedienung und das Sofa erlangt und es herrscht bei Anbruch der Dunkelheit wieder Ruhe im Hause Becker.
Urlaub im Ausland musste ja weitestgehend ausfallen in diesem Sommer. Hat Corona auch ihre Pläne durchkreuzt?
Ja. Wir wollten eigentlich über den großen Teich nach Amerika reisen. Das ging natürlich nicht.
Und wo ging’s stattdessen hin?
Alternativ haben wir Familienurlaub in unserem schönen Deutschland gemacht. Wir sind an der Nordsee gewesen, wo wir glücklicherweise noch eine Ferienwohnung ergattern konnten. Das hat auch – wie immer – viel Spaß gemacht, wir waren in den vergangenen Jahren schließlich schon öfters dort.
Also Urlaub in Deutschland statt in der Ferne – das ist in diesem Jahr ja ein Trend. Hat sich das auch auf den Tourismus in der Gemeinde Ronshausen positiv ausgewirkt?
Wir haben das natürlich gehofft, aber bei uns ging es verzögert und erst sehr schleppend los. Schließlich war Urlaub machen lange Zeit verboten. Die Gäste waren auch vorsichtig. Mit einem aufwendigen Hygienekonzept war es möglich, den Ronshäuser Badepark zu öffnen. Angesichts der vielen heißen Sommertage war das zwar die richtige Entscheidung – aber auch im Schwimmbad hielten sich die Besucherzahlen in sehr überschaubaren Grenzen. Die Obergrenze von 250 Personen ist so gut wie nie erreicht worden. In diesem Jahr ist halt alles irgendwie anders.

Zur Person

Markus Becker (45) wurde in Delmenhorst geboren, weil sein Vater dort als Luftwaffen-Offizier bei der Bundeswehr stationiert war, wuchs aber in Hönebach auf. Nach dem Abitur in Rotenburg 1994 und dem Grundwehrdienst studierte er Betriebswirtschaftslehre in Göttingen. Noch während des Studiums zog er 2000 mit seiner Frau Bianca nach Ronshausen und wurde Filialleiter einer Computerfirma und mehrerer kleinerer Sport-und Bekleidungsgeschäfte in der Region. Ab 2005 war er Projektmanager einer Bad Hersfelder Firma für Warenwirtschaftssysteme im Handel. 2005 begann auch seine politische Laufbahn mit dem Eintritt in die CDU, für die er 2006 ins Ronshäuser Gemeindeparlament gewählt wurde und seit 2012 auch dem Kreistag angehört. Seit 2012 ist Markus Becker in Ronshausen Bürgermeister. Mit seiner Frau Bianca ist er seit 15 Jahren verheiratet, Sohn Leon ist zwölf, Sohn Lenny acht Jahre alt. (Von Peter Gottbehüt)

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