Hässliche Seite der Medaille

Dieter Schenk sprach über die Arbeit von Amnesty International

Anschauen: Friedhelm Fett von sehreich, Dieter Schenk und Hans-Jörg Kretschmer (von links) vor einigen Bildern der Ausstellung zu Myanmar und Kambodscha, die derzeit im Kurhaus zu sehen sind.
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Anschauen: Friedhelm Fett von sehreich, Dieter Schenk und Hans-Jörg Kretschmer (von links) vor einigen Bildern der Ausstellung zu Myanmar und Kambodscha, die derzeit im Kurhaus zu sehen sind.

Dieter Schenk aus Schenklengsfeld berichtete über die Menschenrechtslage in Myanmar und Kambodscha. Zu dem Vortrag hatten der Verein sehreich und die Stadt eingeladen.

Bad Hersfeld - Exotik, prachtvolle Farben, eine uralte Kultur mit Tempeln und Pagoden, eindrückliche Porträts – die Reisefotos aus Myanmar und Kambodscha von Hans-Jörg Kretschmer, die derzeit in der Wandelhalle im Kurpark zu sehen sind, zeigen einen Teil der Wirklichkeit in diesen Ländern. Und doch ist es nur ein kleiner Ausschnitt. Das wurde in Dieter Schenks Bericht über die Menschenrechtslage, zu dem der Verein sehreich und die Stadt Bad Hersfeld ins Kurhaus eingeladen hatten, überdeutlich. Die andere Seite, die sich bei näherer Betrachtung zeigt, umfasst schwerste Verletzungen von Menschenrechten wie Folter, extralegale Hinrichtungen und Verschwindenlassen von Oppositionellen. In Myanmar ist zudem der Völkermord an der Minderheit der Rohingya ein grausames Detail, das in der Selbstdarstellung des Militärregimes ausgeblendet wird.

Gerade weil Schenks Reisen schon einige Jahre zurückliegen, war es bestürzend, dass sich die Situation in vielen Ländern seitdem nicht gebessert, sondern eher verschlechtert hat.

Dieter Schenk zeigte dies anhand von Berichten der Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und Amnesty International aus verschiedenen Jahren. Amnesty International ist auch die Organisation, der Schenk, seit vielen Jahren verbunden ist.

Als Berater für Sicherheitsfragen unternahm Dieter Schenk, der von 1980 bis 1988 als Kriminaldirektor in der Stabsstelle Interpol des Bundeskriminalamtes Wiesbaden tätig war Reisen in 62 Länder, um vor Ort die Sicherheit deutscher Botschaften, der Goethe-Institute, deutscher Schulen sowie von Einrichtungen der Lufthansa zu überprüfen und die Mitarbeitenden zu beraten. Gleichzeitig war er auch für Kontakte zu örtlichen Interpol-Stellen verantwortlich, was ihn vielfach in die Situation versetzte „Shakehands mit Folterknechten“ machen zu müssen. So erlebte Schenk in Südafrika die Auswirkungen der Apartheid und in Asien lernte er, das berühmte asiatische Lächeln ganz neu zu bewerten.

Dieter Schenk machte alle seine Reisen mit offenen Augen und nutzte seine Reisen dazu, hinter die Kulissen des schönen Scheins zu schauen, das Gesehene zu dokumentieren – seine Erkenntnisse teilte er auch mit Amnesty International, mit dessen damaliger Generalsekretärin Brigitte Erler er eng zusammenarbeitete.

Besonders Dieter Schenks Bericht über Afghanistan, wo – wie in zahlreichen anderen Ländern – deutsche Entwicklungshilfe für die Ausbildung und Ausrüstung von Polizeikräften auch für Terror gegen die eigene Bevölkerung genutzt wurde – gewann vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse beklemmende Aktualität. Schon als Schenk 2008 als Experte vor dem Innenausschuss des Deutschen Bundestages über die Polizeiausbildung in Afghanistan berichtete, gab es deutliche Hinweise auf Unzuverlässigkeit in Polizei und Militär des Landes.

Insbesondere die Folter, so Schenk, der unter anderem einer der Gründer der Koordinationsgruppe Polizei bei Amnesty International ist, die nicht nur Polizeigewalt untersucht, sondern auch deutsche Polizeibeamte für das Thema sensibilisieren möchte, sei nicht auszurotten. Selbst in Demokratien wie den USA spiele sie bis heute eine Rolle.

Von Ute Janssen

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