Erste Große Strafkammer am Landgericht verurteilte 31-Jährigen

Haftstrafe für gefährliche Verfolgungsjagd, die in Obersuhl endete

Justizia als Skulpur mit verbundenen Augen
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Symbolbild Gericht

Ins Gefängnis muss ein 31-Jähriger, der sich unter anderem eine gefährliche Verfolgungsfahrt mit der Polizei geliefert hat. Diese endete in einem Schaufenster in Obersuhl.

Fulda/Wildeck - Zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sieben Monaten verurteilte die Erste Große Strafkammer am Landgericht Fulda einen 31-jährigen Polen. Damit folgte das Gericht unter Vorsitz von Richter Josef Richter dem Antrag von Staatsanwältin Sarah Lomb. Verteidigerin Monika Wrozyna hatte für drei Jahre Haft plädiert.

Dem Angeklagten, der die Vorwürfe alle einräumte, waren unter anderem räuberischer Diebstahl in Tateinheit mit Urkundenfälschung, gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr unter Einfluss von Alkohol und Drogen, Gefährdung, Unfallflucht, Widerstand und tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte vorgeworfen worden.

Mehrfach war er mit Autos, an denen er gestohlene Kennzeichen angebracht hatte, an Tankstellen in Marburg, Wetter und Nüst vorgefahren und nach dem Tanken verschwunden, ohne zu bezahlen. Er hatte in einem Drogeriemarkt in Gladenbach Parfüm und andere teure Artikel im Wert von 708 Euro gestohlen und anschließend an einer Tankstelle zehn Dosen mit Motoröl. Der Angestellten, die ihn aufhalten wollte, war er mit dem Auto leicht gegen die Beine gefahren, damit sie ihm den Weg freigab.

Richtig dramatisch wurde es in der Nacht des 15. November 2019, als der Angeklagte in Höhe des Parkplatzes „Nadelöhr“ bei Friedewald in eine Polizeikontrolle geriet. Er täuschte erst Kooperationsbereitschaft vor, gab dann aber Gas und raste mit quietschenden Reifen davon auf die A 4 in Richtung Osten. Anhaltesignale der ihn verfolgenden Polizeibeamten ignorierte er und überholte schließlich einen Lkw so knapp, dass er dabei das Polizeiauto touchierte.

Dass es dessen Fahrer gelang, das schleudernde Fahrzeug wieder unter Kontrolle zu bringen, war nicht nur großes Glück für die Beamten, die in diesem Moment Todesangst hatten, sondern auch für den Angeklagten. Wäre der Streifenwagen verunglückt und die beiden Polizisten verletzt oder sogar getötet worden, dann hätte ihn eine ganz andere Strafe erwartet, darauf wies Richter den 31-Jährigen mehrfach hin.

Der Pole hatte anschließend noch eine weitere Kollision mit dem Streifenwagen provoziert, bevor er nach Verlassen der Autobahn in Obersuhl selbst die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor und in das Schaufenster eines Spielwarenladens krachte. Die Polizisten zogen den Bewusstlosen aus dem Wagen und riefen den Rettungsdienst, mussten sich dann aber der Tritte und Schläge des Wütenden erwehren, der trotz Fesselung tobte.

Die Beamten waren noch immer so mitgenommen von dem Erlebten, dass sie die Entschuldigung des Angeklagten nicht akzeptierten.

Dem mehrfach vorbestraften jungen Mann, den er als dissoziale Persönlichkeit beschrieb, redete der Vorsitzende Richter eindringlich ins Gewissen. Er sei jetzt an einem Wendepunkt in seinem Leben und solle die Zeit in der Haft für einen Neuanfang nutzen. Er wolle doch sicher, dass sein Kind später zu ihm aufblicke und ihn nicht verachte. (Christine Zacharias)

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