Sommerinterview

Haunetals Bürgermeister Timo Lübeck (CDU): „Politiker sind kein Freiwild“

Haunetals Rathauschef Timo Lübeck (CDU) hat in den Ferien beim Bauhof und in der Kita mitgeholfen. Unser Bild zeigt ihn auf dem Rand der Sandkiste.
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Der Bürgermeister als Praktikant: Haunetals Rathauschef Timo Lübeck (CDU) hat in den Ferien beim Bauhof und in der Kita mitgeholfen.

Für das Sommerinterview traf Nadine Meier-Maaz den Haunetaler Bürgermeister Timo Lübeck (CDU) an der Kita. Dort war er als Praktikant im Einsatz.

Haunetal - Wir leben nun seit fast anderthalb Jahren mit dem Coronavirus. Wie ist die Marktgemeinde durch die Krise gekommen und wie stellt sich die finanzielle Situation inzwischen dar?

Finanziell sind wir bisher glimpflich durch die Krise gekommen. Es ist alles in dem Rahmen, wie wir es kalkuliert haben. Aber das Jahr ist noch nicht rum und deshalb haben wir uns in den Gremien verabredet, weiter genau hinzuschauen, was wir uns momentan leisten können und was nicht. Wir freuen uns, dass die Fallzahlen nun niedrig sind, nachdem die dritte Welle unsere Gemeinde hart gebeutelt hat und es leider auch einige Todesfälle gab. Beim Haune-Rock, wo mit Auflagen friedlich gefeiert wurde, hat man kürzlich gesehen, wie sehr sich die Leute nach einem Stück Normalität sehnen. Ich hoffe, dass diese Situation auch über den Sommer hinaus besteht und kann alle nur auffordern, ihren Beitrag zu leisten und sich impfen zu lassen.

Für einen Platz im Gewerbegebiet Neukirchen gibt es mittlerweile drei Unterschriften. Wann ist mit den ersten Spatenstichen zu rechnen?

Die Gemeindevertretung hat in ihrer letzten Sitzung das Baurecht festgestellt. Damit können die Bauanträge gestellt werden. Edeka hat dies mittlerweile auch getan, sodass es hoffentlich bald auch sichtbar losgeht. Was die noch freien Flächen angeht, sind wir mit weiteren Interessenten in intensiven Gesprächen. Ich hoffe, dass wir diese erfolgreich zum Abschluss bringen, aber da gilt natürlich: Es ist erst fix, wenn alles unterschrieben ist.

Auch für die Kita-Erweiterung gab es zuletzt gute Nachrichten, 677 000 Euro Fördergeld wurden in Aussicht gestellt. Wann kann es losgehen?

Wir sind sehr dankbar, dass uns der Landkreis ganz oben auf die Prioritätenliste gesetzt hat. Wir stehen in den Startlöchern und warten sehnsüchtig, dass es losgeht. Um sowohl von Landes- als auch von Bundesmitteln optimal zu profitieren, wurde der Förderantrag noch mal aufgeteilt. Allerdings brauchen wir jetzt noch den offiziellen Bescheid des Regierungspräsidiums, damit der Bau beginnen kann.

Vom Tisch zu sein scheint die Schnellbahntrasse durch Wehrda. Wie erleichtert sind Sie?

Sehr erleichtert. Ich habe direkt nach dem Bahnforum mit Heinz Billing, dem Sprecher der Bürgerinitiative, in seinem Garten ein Bier getrunken und darauf angestoßen. Schön, dass sich der gemeinsame Einsatz von vielen Menschen ausgezahlt hat.

Immer wieder hört man von Beleidigungen und Bedrohungen, mit denen sich Politiker und auch Verwaltungsmitarbeiter konfrontiert sehen. Auch mit Ihnen ist so mancher Trassen-Kritiker nicht gerade zimperlich umgegangen. Wie sehr treffen Sie solche persönlichen Angriffe?

Jeder hat das Recht öffentlich zu sagen und zu schreiben, was er denkt. Das halte ich auch aus, solange es nicht persönlich wird. Zum Glück habe ich selbst noch keine Anfeindungen oder gar Angriffe erlebt. Aber wenn Kollegen so etwas passiert, muss unser Rechtsstaat hart dagegen vorgehen. Natürlich darf man Politiker kritisieren, aber sie sind kein Freiwild. Besonders nicht die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker. Wenn wir anfangen, uns an so etwas zu gewöhnen, wird das schlimme Ausmaße annehmen.

Sie nutzen die Ferienzeit für Praktika beim Bauhof und in der Kita – was haben Sie dort gelernt und wobei haben Sie sich eventuell nicht ganz so gut angestellt?

(lacht) Ich habe jeweils zwei Tage im Bauhof und in der Kita mitgeholfen, um einmal den Arbeitsalltag der Kollegen vor Ort zu erleben. Die Gemeinde besteht ja nicht nur aus der Verwaltung. Auch im Bauhof und in der Kita wird viel geleistet, meist ohne dass darum großes Aufhebens gemacht wird. Gemeinsam mit den Kollegen habe ich mit der Motorsense die jüdischen Friedhöfe in Rhina und Wehrda freigeschnitten und in der Kita die „Schulis“ beim Waldtag mit betreut. Es war schön, wie sich morgens alle gefreut haben, den Bürgermeister zu sehen, das ist ja nicht immer und überall so (lacht).

Umschulen wollen Sie nun aber nicht?

Nein. Da gibt es in beiden Bereichen andere, die das besser können.

Sie hatten sich kurz nach Amtsantritt unter anderem das Ziel gesetzt, die interkommunale Zusammenarbeit voranzutreiben. Was hat sich diesbezüglich getan?

Wir haben mit der Gemeinde Hauneck einen gemeinsamen Förderantrag für die Sanierung der Radwege gestellt, sodass wir hoffentlich im nächsten Jahr anfangen können. Und wir beabsichtigen, mit sieben Kommunen aus dem Umkreis das neue Onlinezugangsgesetz umzusetzen, gemäß dem ab dem Jahr 2023 alle Verwaltungsdienstleistungen digital angeboten werden müssen. Darüber hinaus bin ich in regelmäßiger Abstimmung mit den Kollegen in Burghaun und Eiterfeld. Wir schauen, wo möglicherweise Synergien sinnvoll genutzt werden können.

In der Haunetaler Gemeindepolitik ging es in der Vergangenheit nicht immer harmonisch zu. Trügt die momentane Ruhe?

Es ist ein großer Erfolg, dass wir das, was ich vor der Bürgermeisterwahl und alle Parteien vor der Kommunalwahl versprochen haben, nämlich respektvoll und konstruktiv zusammenzuarbeiten, bisher auch einhalten. Die Bürger erwarten das auch. Ich werde meinen Teil dazu beitragen, dass dies auch dauerhaft so bleibt.

Im September findet die Bundestagswahl statt. Welche Erwartungen haben Sie als bekennender CDU-Politiker?

Das Ziel muss es sein, dass die CDU so stark wird, dass ohne sie nicht regiert werden kann. Bei allem was man im Einzelfall immer auch kritisch sehen kann, ist es doch die Union gewesen, die das Land seit Jahren sicher und erfolgreich durch alle internationalen Krisen geführt hat. Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn das Parteiensystem noch weiter zersplittert und man dann nur noch mit drei, vier oder noch mehr Parteien eine stabile Regierung bilden kann, die inhaltlich aber wenig verbindet.

Wie verbringen Sie den Sommer, wo machen Sie Urlaub?

Ein paar Tage werde ich mal wieder nach Berlin fahren und dann zum Bergsteigen nach Tirol.

Zur Person

Timo Lübeck (37) ist seit 1. Dezember 2020 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Haunetal. Der CDU-Kandidat setzte sich bei der Wahl mit 59,88 Prozent gegen Amtsinhaber Gerd Lang (parteilos) durch. Er lebt im Ortsteil Rhina und hat in der Haunetaler Gemeindeverwaltung auch seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten absolviert. 2004 ging Lübeck nach Berlin, um beim CDU-Politiker Friedbert Pflüger zu arbeiten, von 2011 bis 2016 war er Büroleiter des heimischen Bundestagsabgeordneten Helmut Heiderich. 2012/2013 absolvierte er ein berufsbegleitendes Kompaktstudium zum Public-Affairs-Manager. 2017 kandidierte der Haunetaler selbst für den Bundestag. Zuletzt war er bei K+S beschäftigt. Von 2014 bis 2020 war Lübeck Vorsitzender des CDU-Kreisverbands. Zu seinen Hobbys zählen Karneval und Fußball. ( nm)

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