Familie aus Ronshausen (Kreis Hersfeld-Rotenburg)

Angst vor dem eigenen Heim - Haus ist einsturzgefährdet: „Da gehen wir nicht rein“

So sieht es hinter dem Haus aus: Das Gebäude, das Fikriye und Bruno Loi gehört, grenzt direkt an die Ulfe. Bei Hochwasser steht ihr Keller unter Wasser. Jetzt ist das Gebäude laut Statikern einsturzgefährdet.
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So sieht es hinter dem Haus aus: Das Gebäude, das Fikriye und Bruno Loi gehört, grenzt direkt an die Ulfe. Bei Hochwasser steht ihr Keller unter Wasser. Jetzt ist das Gebäude laut Statikern einsturzgefährdet.

Wenn man Angst vor dem eigenen Heim haben muss - so geht es einer Familie aus Ronshausen (Kreis Hersfeld-Rotenburg). Ihr Haus wurde als einsturzgefährdet eingestuft.

Ronshausen – „Ich bin mit meinen Nerven und meinen Kräften am Ende“, sagt Fikriye Loi. „Und meine Familie auch. Ich habe gedacht: Jetzt muss ich an die Öffentlichkeit und unsere Geschichte erzählen.“

Die geht so: Fikriye Loi und ihr Mann Bruno betreiben die Pizzeria Italia in Ronshausen. Vier Kinder haben sie, zwei Töchter (10 und 21) und zwei Söhne (13 und 15). Logisch, dass der Familie in Corona-Zeiten die Einnahmen wegbrechen – das Restaurant musste während des Lockdowns natürlich schließen. Doch für die Familie kommt es noch viel dicker.

Haus einsturzgefährdet - Familie muss Heim verlassen

Hinter dem Haus verläuft das Flüsschen Ulfe. Und bei jedem Hochwasser steht bei den Lois der Keller voll Wasser. Irgendetwas stimmt nicht mit dem in den 50er-Jahren errichteten Haus, in dem Bruno Loi seit 35 Jahren lebt und seine Frau seit zwölf Jahren. Immer wieder muss die Feuerwehr den Keller auspumpen, erzählt Fikriye Loi.

Sind mit ihren Nerven am Ende: Fikriye und Bruno Loi.

Anfang Mai schließlich gehen Statiker der Sache auf den Grund. Und befinden laut Loi: „Das Haus ist einsturzgefährdet. Beim nächsten Hochwasser kann es umliegen.“ Das hätten auch die Gemeinde Ronshausen und das Kreisbauamt so gesehen – die Familie darf nicht im Gebäude bleiben. Binnen eines Tages, so geht es aus einer Anordnung des Landkreises hervor, müssen die Lois ihr Haus verlassen. Bürgermeister Markus Becker (CDU) macht sich stark dafür, dass die Lois im Feriendorf Machtlos unterkommen. Die Kosten dafür übernimmt die Gemeinde. Erst auf 40, später auf 48 Quadratmetern lebt die sechsköpfige Familie.

Familie entsetzt: „Wir sollen in ein einsturzgefährdetes Haus“

Doch dann kommt die Wende: Plötzlich soll die Familie in ihr Haus zurückziehen. Denn zu benutzen seien alle Räume – außer denen im hinteren Gebäudeteil, der direkt an der Ulfe steht. Bis zum Freitag (24.07.2020) sollte die Familie ihre derzeitige Bleibe im Feriendorf verlassen. Die Verfügung des Fachdienstes Bauordnung beim Kreis bezieht sich auf den Anbau, nicht aufs ganze Gebäude.

Ein Riss zieht sich durch Mauerwerk des Hauses.

Das sind im Erdgeschoss Küche und Toilette des Restaurants, das auch jetzt noch nicht öffnen kann. Im Obergeschoss, der Wohnung der Familie, sind ebenfalls die Küche und das Bad betroffen. Dahinter liegen mehrere Kinderzimmer, die also auch nicht zu betreten sind. „Wir sollen in ein einsturzgefährdetes Haus“, sagt Fikriye Loi entsetzt. „Aber hier geht es um Leib und Leben der Familie. Da gehen wir nicht rein. Das machen wir erst, wenn wir schriftlich von der Gemeinde Ronshausen bekommen, dass das sicher ist.“

Einsturzfährdetes Haus: Menschen in Ronshausen helfen betroffener Familie

Sehr dankbar ist die Familie für die Hilfe aus der Bürgerschaft in Ronshausen, erzählt Fikriye Loi. „Wir haben keine Einnahmen, kein Geld“, sagt sie. „Die Menschen in Ronshausen helfen uns mit Geld.“

Sie betont: „Wir wollen im Guten mit der Gemeinde auskommen, wir wollen doch niemanden schädigen.“ Aber sie bleibt dabei: „Da gehen wir nicht rein!“ Immerhin: Einen Teilerfolg hat die Familie am Freitag kurzfristig noch bei der Gemeinde erzielt. Übers Wochenende darf sie in Machtlos bleiben. Wie es dann weitergeht, bleibt offen.

Haus einsturzgefährdet - Das sagt die Gemeinde: Uns trifft keine Verantwortung

Mehrfach betont Matthias König, Erster Beigeordneter der Gemeinde Ronshausen, auf Nachfrage unserer Zeitung, es habe nie geheißen, dass das gesamte Haus einsturzgefährdet sei. „Einsturzgefahr besteht aber für den Gebäudeanbau, weil die Standsicherheit dieses Anbaus nicht mehr gewährleistet ist.“ Das vom Landkreis verfügte Nutzungs- und Betretungsverbot habe sich immer nur auf den Gebäudeanbau bezogen. Eine Karte, die die gefährdeten Räume aufzeigt, sei den Lois ausgehändigt worden.

„Die Räume, die sich nicht im Anbau befinden, können selbstverständlich betreten und genutzt werden. Die Gemeinde Ronshausen bedauere die Situation der Familie zutiefst, führt König weiter aus. Sie unterstütze die Familie zum Beispiel bei der Beschaffung eines mobilen Pizzawagens. Finanzielle Hilfe können die Kommune „natürlich nicht leisten“, führt König aus.

Er sagt aber auch: „Die Gemeinde trifft keine Verantwortung für die Bodenbeschaffenheit der Liegenschaft und für die Standsicherheit des Gebäudeanbaus. Es liegt vielmehr ein bauliches Problem vor, für das die Grundstückseigentümer selbst Verantwortung tragen. (rai)

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