Ein Porträt

Heidrun Gleim ist seit 40 Jahren Turn-Übungsleiterin

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Im Kampf mit dem Unkraut: Heidrun Gleim vertreibt sich die Corona-Langeweile in ihrem Garten. 

Die Liebe der Bebranerin Heidrun Gleim gilt dem Turnen. Aus dem TSV Bebra ist sie nicht wegzudenken.

Sie hat für ihren Mann einmal Tennis ausprobiert, ein halbes Jahr lang. Es gefiel ihr nicht. „Das Ergebnis war nur, dass mir die Arme gezittert haben“, sagt Heidrun Gleim. Das Herz der 82-Jährigen schlägt fürs Turnen, seit 40 Jahren ist sie Übungsleiterin beim Turn- und Sportverein Bebra. „Würde das wegfallen, würde mir etwas fehlen“, sagt die Bebranerin bei einem Treffen Anfang März. Es geht um ihren langjährigen Einsatz für den Verein, die Coronakrise steckt zu diesem Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen, Jetzt, einen Monat später, fehlt ihr etwas.

Es ist nicht so, dass sie Corona-Langeweile hat: Beschäftigung findet Heidrun Gleim in ihrem Garten genug. Aber ihr fehlt ihre „zweiten Heimat“: die geschichtsträchtigen TSV-Halle an der Biberkampfbahn. Gleim kennt das Gebäude „vom Hallenboden bis zum Dach“, jeden Umbau hat sie seit ihrem Vereinsbeitritt 1949 mitgemacht. Durch die Coronakrise muss sie sich allerdings derzeit auf eine Heimat beschränken.

„Mein Sohn kauft für mich ein, sonst bleibt man eben zu Hause“, sagt die Bebranerin über ihren Alltag. Ab und zu ruft sie die Frauen aus der Turngruppe an, um in Kontakt zu bleiben. „Das Zusammensein fehlt mir“, sagt sie, auch der Sport. Übungen macht die 82-Jährige derzeit höchsten „morgens drei oder vier auf der Bettkante“. Doch sie ist optimistisch, dass ihre Frauengruppe auch die Coronakrise übersteht.

1979 fehlt dem Bebraer Frauenturnen eine Übungsleiterin, Heidrun Gleim springt in die Bresche. „Damit das nicht auseinanderfällt“, begründet sie die damalige Entscheidung. Ganz unkompliziert gestaltet sich die neue Aufgabe nicht: „Ich hatte drei Kinder, einen Hund und einen Mann bei der Bahn“, sagt die gelernte Apothekenhelferin.

Für die Übungsleiter-Lizenz fährt sie 1980 für ein halbes Jahr lang alle vier Wochen zur Sporthochschule in Frankfurt. Seitdem besucht sie zwei bis drei Lehrgänge pro Jahr, alle vier Jahre wird die Lizenz erneuert. „Mittlerweile reiße ich den Altersdurchschnitt ganz schön nach oben“, sagt die 82-Jährige und muss schmunzeln.

Der Einsatz hat sich gelohnt: Gleim startet mit sechs Frauen, in den 2000er-Jahren wächst die Gruppe auf mehr als 45 Teilnehmerinnen an. Heute üben 28 Turnerinnen im Alter von 60 bis 86 unter ihrer Leitung. Viele sind gemeinsam mit ihr älter geworden, Laufspiele wie Brennball fallen mittlerweile weg. Dafür ist die Gruppe über die Jahre zusammengewachsen: „Wir sind mehr als nur irgendein Verein“, sagt die Bebranerin.

Heidrun Gleim hat 32 Jahre lang im Vorstand des TSV ehrenamtlich für den Breitensport in der Biberstadt gewirkt, 19 Jahre lang leitete sie neben der Frauengruppe parallel das Kinderturnen. Bei der Ehrung für ihre 70-jährige Vereinsmitgliedschaft im vergangenen Jahr bekommt sie stehenden Applaus. Mit der Zeit hat sie 30 Sportabzeichen gesammelt – und viele Trends kommen und gehen sehen. „Natürlich gibt es beim Frauenturnen Modeerscheinungen“, sagt sie. Die Pilates-Welle ist über Bebra geschwappt, auch am Faszientraining hat sich die Gruppe versucht. „Ich habe mir dann einfach entsprechende Bücher gekauft und mich informiert“, sagt Gleim.

Corona kann die 82-Jährige bremsen, nicht stoppen. „Ich bin fit“, sagt sie und klopft auf ihren Holzwohnzimmertisch. Dann zitiert sie Arzt und Autor Dietrich Grönemeyer (dessen Bruder Herbert Deutschlands erfolgreichster Musiker sein dürfte): „Turne bis zur Urne.“

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