Erinnerungen an das alte Weiterode

Die Heimat im Herzen: Weiteröder begeistern mit Mundartspektakel

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Aus Weiterodes Dorfleben und aus Ellis Saal nicht mehr wegzudenken ist die Mundartgruppe des Kulturvereins, die am Sonntagnachmittag zu ihrem schon lange erwarteten „Mundartspektakel“ eingeladen hatte. Das Programm begeisterte mit Heimatliebe, Bratwurst und Bier.

Heimatliebe, Bratwurst und Bier: Beim Mundartspektakel der Weiteröder Mundartgruppe kamen die Zuschauer mit amüsanten Geschichten über das alte "Widderore" auf ihre Kosten. 

Weiterode – Mit „Mundart, Mandolinenklang und Männergesang“ war der schon fast traditionelle Mundartnachmittag überschrieben, zu dem die Mundartgruppe des Kulturvereins Ellis Saal am Sonntagnachmittag in die gute Stube der Weiteröder eingeladen hatte.

All das - und noch viel mehr - wurde gut zwei Stunden lang liebevoll, von der wunderschön dekorierten Bühne aus dargebracht. Die zehn Protagonisten erinnerten an das alte „Widderore“, erzählten „Schwidden“ und machten Späße mit den Besuchern. All das vermittelte Heimat im besten, tief aus dem Herzen und nicht als Politfloskel daherkommenden Sinn. All das verband Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft."

Konrektor Rudolf Klar

"Alles fer de Schnüdd" 

Auch wenn es das gute Dutzend Alt-Weiteröder Geschäfte, um das sich die Veranstaltung diesmal rankte und wo man „alles fer de Schnüdd“ kaufen konnte, leider nicht mehr gibt. Aber für das Saalpublikum, unter das sich viele Jüngere gemischt hatten, war es interessant zu hören, wie Hildegard Thon, die wie immer herzerfrischend durchs Programm führte, Karl Heise und Co. bei „Loreys Schorsch unn sinner Marie, Bitzen Chresteng, Giesen uff da Bäwer Heeh, Ziesen, Behrsch, Matzenbäckersch, Bäckersch, Gasskeenichs Annechresteng“ oder beispielsweise auch bei Lamms, die den letzten familiengeführten Weiteröder Lebensmittelmarkt betrieben, und „Metzgersch“ eingekauft haben. 

Als ein Wildschwein die Kuchen fraß

Angefangen bei Hefe und Heringen bis hin zu „Volksheilmitteln“, für deren Verkauf das entsprechende Geschäft als „Drogerie“ zugelassen sein musste. Am meistens gelacht wurde natürlich über das, was vorm, beim und nach dem Einkaufen passierte:

Wie sich Ziesen Martha, die für Rund-um-die-Uhr-Service bekannt war, einmal aus der Badewanne klingeln ließ und nur mit Bademantel bekleidet die gewünschte Kiste Bier durchs Kellerfenster schob.

Wie Behrsch Karl des Nachts eine Gruppe von Jugendlichen beim versuchten Frühäpfelklau erwischte, mit der Mistgabel zur Rede stellte und mit Anzeige drohte. Dann stellte er aber als „Wiedergutmachungsalternative“ Hilfeleistung beim Dreschen in den Raum und belohnte die Übeltäter nach der akzeptierten „Strafe“ mit einem so nicht erwarteten, gut gedeckten Vespertisch.

Wie das von Bäckersch im Krieg gehaltene Wildschwein sich eines Samstags über sämtliche große Blechkuchen hermachte, die Frauen aus dem Dorf nach dem Backen zum Auskühlen an die Luft stellten. Das Schwein hatte es wegen des Dufts nicht mehr ausgehalten und war aus seinem „Stitz“ ausgebrochen.

Musikalische Untermalung des Abends

Für das passende Rahmenprogramm sorgten unter Leitung von Lilia Funkner die Männerchorgemeinschaft Baumbach/Sterkelshausen/Weiterode und unter Leitung des reaktivierten 80-jährigen Rudolf Klar das Orchester des Mandolinenvereins „Wanderlust“ Weiterode. „Rudi“, wie der ehemalige Konrektor von fast allen genannt wird, begeisterte darüber hinaus mit dem ihm quasi auf den Leib geschriebenen Lied vom armen Dorfschulmeisterlein, dem selbst die dickste geschenkte Wurst zu klein ist. Und mit allen Mitwirkenden und dem immer wieder angeregt mitsingenden Publikum stimmte er natürlich auch mit ein in das Schlusslied „So wie es früher war, wird’s nie mehr sein“. Wie wahr.

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