Neue Form des Hofverkaufs

Heinebacher Landwirt verkauft Kartoffeln mit einem Automaten

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Funktioniert so ähnlich wie ein Zigarettenautomat: Bei Thilo Frankfurth kann man ab sofort rund um die Uhr Kartoffeln kaufen.   

Rund um die Uhr: Thilo Frankfurth verkauft Kartoffeln mit einem Automaten. Doch auch die Gelegenheit für ein Schwätzchen auf dem Hof soll es weiterhin geben. 

Erntefrische Kartoffeln aus dem Automaten, 24 Stunden am Tag: Das gibt es seit dieser Woche in Heinebach. Thilo Frankfurth ist einer der zahlreichen Nebenerwerbslandwirte, die ab Hof vermarkten. „Ich habe zwar einen großen Kundenstamm – aber das Problem sind die Öffnungszeiten“, sagt er. Bisher konnte man auf dem Hof Frankfurth von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr einkaufen. Die 30 bis 40 Kunden am Tag bedienten Frankfurths Eltern. „Die werden aber eben auch nicht jünger“, sagt der 45-Jährige.

Sein neues Konzept hat Frankfurth „Alheimat“ genannt – und in dem kleinen Raum, der rund um die Uhr zugänglich ist, gibt es nicht nur Kartoffeln. Frankfurth hat sich bei der Vermarktung mit anderen regionalen Erzeugern zusammengetan. Der Mustergeflügelhof Häde will in dem Raum auf Frankfurths Hof bald einen Eierautomaten aufstellen und auch Wildfleisch aus dem Automaten verkaufen – Eier und Nudeln gibt es schon jetzt im Alheimat. 

Die Metzgerei Wagner aus Seifertshausen ist mit einem Wurstautomaten dabei – besonders die Fächer mit den Bratwürstchen und Steaks müssen oft nachbefüllt werden. Auch drei Honigsorten des Imkers Fabian Jacobi aus Bad Hersfeld kann man am Automaten bekommen.

Prinzip funktioniert wie ein Zigarettenautomat

Das Prinzip funktioniert so, wie man es von Zigarettenautomaten oder Getränke- und Süßigkeitenautomaten an Bahnhöfen kennt. Am Gerät prangt eine ausführliche Anleitung. „Wer damit beim ersten Mal nicht zurecht kommt, dem helfen wir gerne“, sagt Frankfurth. Auch davon abgesehen solle es natürlich auch weiterhin beim Einkauf auf dem Hof Gelegenheit für ein Schwätzchen geben. „Wir sind ja nicht weg, nur weil wir jetzt einen Automaten haben.“

Doch warum musste es ein teurer Automat sein und kein Verkauf auf Vertrauensbasis, wie man es von Blumenfeldern und anderen Bauernhöfen kennt? Frankfurth ist das Risiko zu groß – auch weil sein Hof direkt an der B 83 liegt und dadurch rund ein Viertel seiner Abnehmer aus Laufkundschaft bestehe. Ist der persönliche Verkauf ab Hof bei Frankfurths nun Geschichte? Nein, in der Haupterntezeit im Herbst, wenn auch die Kürbisse geerntet werden, soll es ihn weiterhin geben. Derzeit sind aber erst mal die Frühkartoffeln an der Reihe, die übrigens per Hand gelesen werden. Maschinen kommen erst später im Jahr zum Einsatz.

Landwirt setzt auf Geschmack

„Bei uns weiß man, was man hat“, sagt Frankfurth. Die Kartoffeln werden unmittelbar nach der Ernte verkauft – und zwar ungewaschen, was den Geschmack verstärkt. Ohnehin setzt der Nebenerwerbslandwirt bei seinem Anbau nicht auf Menge, sondern auf Geschmack. Und sobald an einer Kartoffel beim Sortieren auch nur ein ganz kleiner grüner Punkt zu sehen ist, wandert die Knolle nicht auf den Teller, sondern in den Futtertrog. Je nachdem, wie die Ernte ausfällt, rechnet Frankfurth mit rund 50 Tonnen verkaufbarer Ware. Damit könnte er seinen Automaten über hundert Mal neu befüllen.

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