Arbeitskreis für Musik (AfM) wirft Festspiel-Leiter Joern Hinkel Falschaussagen vor

Stimmgewaltig: Bei den Opernfestspielen stand in diesem Jahr auch der „Bettelstudent“ auf dem Spielplan. Unser Archivbild zeigt Gunter Emmerlich (Mitte) als Oberst Ollendorf und andere Mitglieder des Ensembles. Foto: Landsiedel

Bad Hersfeld. Als „falsch und einseitig“ bezeichnet der Arbeitskreis für Musik (AfM) die Äußerung des Künstlerischen Leiters der Bad Hersfelder Festspiele, Joern Hinkel. Er hatte sich am vergangenen Montag in einem Interview zu den Bad Hersfelder Opernfestspielen geäußert. „Seine Ausführungen entsprechen an vielen Stellen nicht den Tatsachen“, heißt es in einer Pressemeldung des AfM, die Friedhelm Fett, der 1. Vorsitzende der Musischen Bildungsstätte e.V. verfasst hat.

Fett verteidigt in einer umfangreichen Pressemitteilung, die wir hier weitgehend ungekürzt veröffentlichen, die Haltung des AfM im Opernstreit. Der Arbeitskreis für Musik in Verbindung mit der Musischen Bildungsstätte habe als Veranstalter der Opernfestspiele und bisherigem Vertragspartner von Stadt Bad Hersfeld und Land Hessen seit Herbst vergangenen Jahres immer wieder Konzepte vorgelegt, die eine Weiterführung der jahrzehntelangen erfolgreichen Arbeit zum Ziel hatten. So hätte beispielsweise die Stückauswahl mit der Intendanz abgestimmt und im Rahmen eines von dort vorgegebenen Jahresthemas stattfinden sollen. Dies sei abgelehnt worden.

Dank des hohen ehrenamtlichen Engagements vieler Mitwirkender über das gesamte Jahr konnten die Opern in der Vergangenheit ausgesprochen kostengünstig produziert werden, erklärt Fett. Der AfM habe angeboten, seine ehrenamtlichen Leistungen weiterhin mit einzubringen und innerhalb festzulegender Etatgrenzen zu arbeiten.

Der AfM habe, wie dies in Mehrsparten-Häusern üblich sei, auf der Position eines Künstlerischen Leiters der Opernsparte bestanden, der unterhalb des Intendanten angesiedelt sein sollte. Eine entsprechende Position im Bereich Schauspiel und Musical sei mit Joern Hinkel besetzt. Der künstlerische Leiter hätte für das Zusammenfügen der Ensembles aus Solisten, Chor und Orchester zuständig sein sollen, „wofür Qualifikationen nötig sind, die Intendanten nicht unbedingt mitbringen“, so der AfM.

Bei den Vertragsverhandlungen habe Professor Siegfried Heinrich ein klares Mandat der Mitgliederversammlung des AfM, hinter das zu gehen er nicht befugt war. „Dazu gehörten die oben genannten Punkte, die von Stadt und Intendanz bedauerlicherweise rundweg abgelehnt worden seien.

„Welche Konsequenz gab es angesichts dessen für die Verhandlungsführer des AfM, außer die Diktat-„Verhandlungen“ zu verlassen?“, heißt es weiter. 

Hinkel sage die Unwahrheit, wenn er behauptet, im Vertragsentwurf von Stadt und Intendanz hätte das finanzielle Risiko ausschließlich bei den Festspielen gelegen, behauptet seinerseits der Arbeitskreis für Musik (AfM). Bei den Festspielkonzerten in der Stiftsruine hätte der AfM alle Kosten und das Unterdeckungsrisiko schultern, aber selbst bei einem Defizit noch 30 Prozent aller Einnahmen an die Festspiele abliefern sollen.

 „Das Scheinangebot, Mitarbeiterinnen des AfM zu übernehmen, wurde offen als Druckmittel eingesetzt. Bewerbungen wurde seitens der Stadt in der Mehrzahl nicht einmal beantwortet, einer Mitarbeiterin beschied Herr Pruschwitz (der kaufmännische Geschäftsführer der Festspiele, Anmerkung der Redaktion) im Namen der Stadt, dass mit dem Scheitern der Verhandlungen auch ihre Bewerbung als gescheitert anzusehen sei.“

 Weiter kritisiert der AfM die Äußerung Hinkels, dem Arbeitskreis für Musik hätten bessere Arbeitsbedingungen geboten werden wollen. „Während Hinkel selbst als hauptamtlicher Künstlerischer Leiter übers Jahr fest auf der Gehaltsliste der Festspiele steht (ein unter Wedel neu eingeführter Kostenfaktor), wurde der AfM aufgefordert, einen ehrenamtlich arbeitenden Opernverantwortlichen zu benennen. Ohne Honorar sollte er als Koordinator, Chorleiter der Festspielchöre in Bad Hersfeld, Marburg und Frankfurt und Ansprechpartner der Intendanz für alle Fragen der Opern- und Konzertproduktion permanent zur Verfügung stehen“, heißt es in der Mitteilung.

 Zudem wehrt sich der AfM gegen den Vorwurf der Kompromisslosigkeit. Vielmehr habe Festspiel-Intendant Dieter Wedel damit gedroht, dass er nicht gewillt sei, sich von der Politik Entscheidungen vorsetzen zu lassen und andernfalls aus Bad Hersfeld zu verschwinden. „Das Verhandlungsdiktat kam eindeutig und nachweisbar von Seiten des Intendanten Dieter Wedel, er ist daher auch für das Scheitern der Verhandlungen und den Tod der Oper verantwortlich zu machen“, so der AfM.

Unserer Zeitung wirft der AfM in diesem Zusammenhang eine „tendenziöse Berichterstattung“ und mangelnde Recherche vor. (red/kai)

Anmerkung der Redaktion: Die Vorwürfe des AfM gegen unsere Zeitung sind haltlos. Immer wieder hat die Redaktion versucht, Professor Heinrich oder andere Vertreter des AfM zu befragen, doch niemand wollte sich äußern. Fett verschweigt zudem, dass die Verhandlungen mit der Stadt schon kurz vor einer Einigung standen, als der AfM einen Rückzieher machte. Nach den Rücktritten der ursprünglichen Verhandlungsteilnehmer übernahm Professor Heinrich deren Mandat. (kai/ks)

 

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