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Bebraer Investor plant Fotovoltaikanlage in Bengendorf – Anwohner üben Kritik

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Der Bauplatz: Auf dem Gelände unterhalb des Bengendorfer Glockenturms soll nach den Plänen des Investors der 3,3 Hektar große Solarpark entstehen.
Der Bauplatz: Auf dem Gelände unterhalb des Bengendorfer Glockenturms soll nach den Plänen des Investors der 3,3 Hektar große Solarpark entstehen. © Privat

Ein rund 3,3 Hektar großer Solarpark soll am Ortsrand des kleinsten Heringer Stadtteils Bengendorf entstehen.

Bengendorf – Die Thorsten & Rosemarie Ansorg GbR aus Bebra hat die privaten landwirtschaftlichen Flächen gepachtet, um eine Freiflächenanlage mit rund 8 500 Modulen zu errichten. Mit einer Leistung von vier Megawatt Peak (MWp) werde diese rechnerisch den Jahresverbrauch von rund 1333 Vier-Personen-Haushalten decken, teilt Investor Thorsten Ansorg auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Geplanter Baubeginn sei – vorbehaltlich eines stringenten Genehmigungsverfahrens – Mitte 2023, erklärt der Geschäftsmann, der auf mehr als zehn Jahre Erfahrung beim Betrieb großer Solarparks und Fotovoltaik-Dachanlagen verweist und nach eigenem Bekunden weitere Projekte in der Region plant – unter anderem in Ronshausen, Bebra Cornberg sowie der weiteren Umgebung von Heringen. Eine Einspeisezusage des Netzbetreibers EAM für Bengendorf liege ihm bereits vor. Bei dem Bauplatz handelt es sich laut Ansorg um seit Langem brachliegendes, ehemaliges Weideland. Die Investitionssumme beziffert der Bauherr auf über drei Millionen Euro. In Form von im Erneuerbare-Energien-Gesetz definierten Gemeindeabgaben werde auch die Stadt Heringen finanziell profitieren, kündigt der Diplom-Kaufmann an.

In Bengendorf regt sich allerdings Widerstand gegen die Pläne: Aus dem Stadtteil, in dem 47 Menschen ihren Hauptwohnsitz haben, ist vor der jüngsten Stadtverordnetenversammlung eine Unterschriftenliste beim Parlamentsvorsitzenenden Alfred Rost eingegangen. Unterzeichnet haben laut der Initiatoren 33 Bengendorfer sowie ein Heringer, der Flächen im Plangebiet bewirtschaftet. 15 der 24 Haushalte des Dorfs hätten sich damit gegen den Solarpark positioniert. In einem Begleitschreiben beklagen die Unterzeichner, dass Bedenken hinsichtlich versicherungsrechtlicher Fragen, Wertverlust der Grundstücke, massiver Veränderung des Landschaftsbildes sowie geringer Abstände zu Wohnanlagen bei der Vorstellung im Ortsbeirat nicht ausgeräumt werden konnten. Durch die Salzwasser-Rückhaltebecken sowie den geplanten sechs Windrädern im Umfeld des Dorfes sei bereits ein erheblicher Teil des charakteristischen und identitätsstiftenden Landschaftsbildes verloren gegangen. Der Solarpark in exponierter, starker Hanglage direkt neben der Wohnbebauung zerstöre dieses vollends und die Bürger verlören ihren zentralen Naherholungsbereich Friedhof-Glockenturm-Kimmenberg. Laut Landesenergieagentur habe eine Kommune die volle Planungshoheit, und müsse Freiflächensolaranlagen nicht über Bebauungspläne ermöglichen. Die Unterzeichner haben die Stadtverordneten deshalb aufgerufen, einer Beschlussempfehlung des Magistrats für ein Bauleitverfahren nicht zu folgen und stattdessen die Installation von Solarmodulen auf Dachflächen zu favorisieren.

Trotz Protest: Parlament stößt Bauleitplanung an

Die mit der Unterschriftenliste der Bengendorfer Einwohner verknüpfte Forderung hat in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend keine Mehrheit gefunden: Mit den Stimmen von SPD und CDU stieß das Stadtparlament bei zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen der WGH die Bauleitplanung an, mit der die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung der Grundstücke festgelegt werden. Mit den sogenannten Aufstellungsbeschlüssen wurde die Änderung des Bebauungs- und Flächennutzungsplans eingeleitet, die die rechtliche Grundlage für eine mögliche Genehmigung des Solarpark bilden. In einem städtebaulichen Vertrag soll zudem laut Beschlussvorlage festgelegt werden, dass der Investor sämtliche Planungs- und Erschließungskosten trägt.

Es gehe aktuell noch nicht um die Frage, ob der Solarpark tatsächlich gebaut werden dürfe oder nicht – sondern lediglich darum, einem privaten Investor auf privatem Grundstück die Möglichkeit zu geben, auf eigenes Risiko ins Genehmigungsverfahren zu gehen, argumentierte Fabian Peter (SPD). Während der Bauleitplanung habe nun jeder Bürger die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben, merkte der Redner der Sozialdemokraten an. Ähnlich hatte sich bereits Stadtverordnetenvorsteher Alfred Rost (SPD) geäußert, als er die Mandatsträger zu Beginn der Sitzung über die Unterschriftenliste informiert und dabei zugleich darauf verwiesen hatte, dass die Energieversorgung Staatsziel sei.

Kritik an dem Vorhaben übte hingegen Ute Marhold: Sie sehe keinen Grund für den Bau von Solarmodulen auf einer Wiese, solange ungenutzte Dach- und versiegelte Flächen verfügbar seien, begründete die WGH-Stadtverordnete ihre Ablehnung der Beschlussvorlage. (Jan-Christoph Eisenberg)

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