Abitur an der Werratalschule in Corona-Zeiten: Die schönen Momente fehlen

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Bild mit besonderem Erinnerungswert: Dass diese Gruppenaufnahme vor dem Wiener Schloss Bellevue mal ihr Abschlussfoto werden würde, ahnten die Abiturienten der Heringer Werra talschule während ihrer Tutorenfahrt im Herbst 2019 nicht. Mit der Verabschiedungsfeier fällt auch der Termin fürs Abi-Foto den Corona-Abstandsregeln zum Opfer. 

Heringen – Ihre Abschlusszeugnisse werden die Abiturienten der Werratalschule ohne Zuschauer in Empfang nehmen – in mehreren Durchgängen tutorengruppenweise.

Die ursprünglich für den 26. Juni geplante Entlassungsfeier mit Familienangehörigen sowie Gästen aus Politik und Gesellschaft fällt coronabedingt aus. „Das Risiko war uns mit Blick auf den Infektionsschutz einfach zu groß“, erklärt Schulleiter Michael Arendt.

49 Abiturientinnen und Abiturienten verlassen in diesem Jahr die Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe – davon 46 mit der allgemeinen und drei mit der Fachhochschulreife. Hinzu kommen vier Absolventen des doppelqualifizierenden Bildungsgangs, die ein Jahr nach dem Abitur nun auch ihre Ausbildung zum chemisch-technischen Assistenten (CTA) abgeschlossen haben.

Mit der öffentlichen Zeugnisübergabe fällt in diesem Jahr auch die Würdigung herausragender Leistungen vor großem Publikum weg, etwa der Traumnote 1,0, die mit Julius Rühlmann, Maximilian Branz gleich zwei Abiturienten erreicht haben. Die gezwungenermaßen minimalistische Verabschiedung reiht sich nahtlos ein in die außergewöhnlichen Umstände, unter denen schon die schriftlichen und mündlichen Abiturprüfungen stattgefunden haben. Wobei die Prüfungstage selbst – abgesehen von den erhöhten Hygiene- und Abstandsregeln – fast schon ein Stück Normalität in der Ausnahmesituation gewesen seien, erinnert sich Studienleiter Jörg Morge.

Als Glück im Unglück habe sich erwiesen, dass der Shutdown mit Unterbrechung des Präsenzunterrichts erst eine Woche vor den schriftlichen Prüfungen begonnen habe. „Dadurch hat den Abiturienten kein Prüfungsstoff gefehlt“, berichtet der Studienleiter. „Die Schüler waren froh, dass sie die Prüfungen zum geplanten Termin schreiben durften“, ergänzt Schulleiter Michael Arendt.

„Natürlich mussten wir uns erst einmal neu sortieren“, blickt Jörg Menge auf die ersten Corona-Tage zurück. Gruppen teilen, mehr Aufsichtspersonal – viele Kleinigkeiten habe es zu beachten gegeben. Bei den mündlichen Prüfungen fielen etwa externe Zuhörer weg. Die Kommunikation zwischen Schule und Abiturienten lief in den vergangenen Wochen über unzählige E-Mails. „Ich kam mir schon ein bisschen vor wie ein Newsticker“, erzählt Jörg Morge schmunzelnd.

Die Ergebnisse der mündlichen Prüfungen verkündete der Studienleiter hingegen per Telefon. „Weil ich alle Abiturienten kenne, konnte ich dabei Verwechslungen ausschließen“, benennt Jörg Morge den Vorteil einer kleinen Schule. „Der Pflichtteil ist gut gelaufen, was fehlt, sind alle schönen Begleiterscheinungen, die im Nachhinein in Erinnerung bleiben“, fasst der Studienleiter zusammen. Abi-Café, die sonst übliche Abiturienten-Zusammenkunft nach den schriftlichen Prüfungen, Abi-Streich oder das gemeinsame Abschiedsfoto – an all das sei in Corona-Zeiten nicht zu denken. „Wir dürfen den Abiturienten nicht mal die Hände schütteln. Das ist schon frustrierend, sagt Schulleiter Michael Arendt. Zumindest den Abiball wollen die Absolventen der Werratalschule auf jeden Fall nachholen. Wann das wieder möglich sein wird, weiß derzeit allerdings noch niemand.

Quelle: Hersfelder Zeitung

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