Bäume fallen für Vielfalt

Arbeiten im Naturschutzgebiet Seulingssee sollen Lebensraum für seltene Arten sichern

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Lebensraum für den Laubfrosch: Förster Michael Herzog an einem neu angelegten Gewässer im Naturschutzgebiet Seulingssee. Genaugenommen handelt es sich um zwei Teiche, die wegen des hohen Wasserstandes derzeit verbunden sind.

Kleinensee. Seltene Arten wie der Laubfrosch, die Bekassine oder das Braunkehlchen finden im Naturschutzgebiet „Seulingssee“ bei Kleinensee ideale Lebensbedingungen.

Damit das so bleibt, waren in dem 21 Hektar großen Feuchtgebiet an der Landesgrenze zu Thüringen in den vergangenen Monaten schwere Maschinen im Einsatz. Mit einem Harvester wurden zahlreiche Bäume gefällt oder auf halber Höhe gekappt. „Der Baum- und Strauchbestand rund um die in den 1980er Jahren angelegten Teiche ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen“, erklärt Förster Michael Herzog, der das Naturschutzgebiet im Auftrag der Oberen Naturschutzbehörde betreut. Der Bewuchs sorge zunehmend für Schatten, durch herabfallendes Laub drohten die Gewässer zu verlanden, verdeutlicht der Förster. Das habe negative Auswirkungen auf die darin lebenden Kleinstlebewesen und Amphibien – beispielsweise den Laubfrosch.

Die Kaulquappen, die aus den Eiern der europaweit geschützten Amphibien-Art schlüpfen, benötigen flache, warme und möglichst fischfreie Gewässer. „Der Laubfrosch hat im ganzen Kreisgebiet nur an zwei Orten überlebt“, erklärt Herzog. Im Naturschutzgebiet „Obersuhler Aue“ lebe eine der bedeutendsten Populationen. Im Seulingssee sei der Bestand hingegen rückläufig. „2017 konnte man nur noch vereinzelt das Rufen einiger weniger Laubfroschmännchen hören“, erklärt der Förster. Für eine Vernetzung der Populationen bedürfe es geeigneter Gewässer in unmittelbarer Nähe – so wie Obersuhler Aue, Rhäden und Seulingssee. Um den Lebensraum der Laubfrösche zu verbessern, wurden auf einer Brachfläche am Rande sowie im Inneren des Naturschutzgebiets neue Teiche angelegt. Weitere sollen in den nächsten Jahren folgen. Ziel sei dabei, einen möglichst reich strukturierten Lebensraum zu schaffen. Denn während der Laubfrosch auf Hecken und Gehölze in unmittelbarer Nähe der Teiche angewiesen sei, bevorzugten Wiesenbrüter wie die Bekassine oder das Braunkehlchen den offenen Charakter der Feuchtwiesen.

Künftige Pflegemaßnahmen an den Teichen sollen deshalb im Abstand von etwa zehn bis 15 Jahren umschichtig erfolgen, sodass es jeweils Bereiche mit unterschiedlich starkem Bewuchs gibt. Daran angepasst werde auch die Beweidung des Geländes mit Wasserbüffeln. Die Tiere eines Landwirts aus Großensee sollen in einigen Abschnitten nur im Sommer, in anderen nur im Winter grasen. Wegen des nassen Wetters sind die Arbeiten im Naturschutzgebiet im November unterbrochen worden. „Abhängig vom Lebenszyklus der geschützten Arten und der Witterung sollen die Restarbeiten zeitnah abgeschlossen werden“, erklärt der Revierleiter. Die zu Haufen gebündelten Bäume sollen an die Wege gerückt und gehäckselt, ein Teil des Erdaushubs abgefahren werden. Auch die stark in Mitleidenschaft gezogenen Wege, verspricht Herzog, sollen wieder instandgesetzt werden.

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