SOMMERINTERVIEW mit dem Bürgermeister

Daniel Iliev tritt in Heringen erneut an

Das Foto zeigt Heringens Bürgermeister Daniel Iliev auf dem Vorplatz der Stadtkirche, der mit finanzieller Unterstützung aus dem Stadtumbauprogramm neu gestaltet wurde. Die energetische Sanierung des Kalimuseums (hinten) steht noch bevor.
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Den Stadtkern stärken: Heringens Bürgermeister Daniel Iliev auf dem Vorplatz der Stadtkirche, der mit finanzieller Unterstützung aus dem Stadtumbauprogramm neu gestaltet wurde. Die energetische Sanierung des Kalimuseums (hinten) steht noch bevor.

Der Bürgermeister von Heringen, Daniel Iliev, will für eine zweite Amtszeit kandidieren. Das und mehr erklärte er in unserem Sommerinterview.

Heringen – Für das Sommerinterview hat Heringes Bürgermeister Daniel Iliev sich den Vorplatz der Stadtkirche ausgesucht. Dessen Neugestaltung war das erste abgeschlossene Projekt des Stadtumbauprogramms. Über aktuelle Baustellen und Zukunftspläne sprach der Rathauschef mit Jan-Christoph Eisenberg.

Trotz niedriger Fallzahlen und Lockerungen wird auch der zweite Sommer in Folge noch durch die Pandemie bestimmt. Wie ist Heringen bislang durch die Krise gekommen?

Während wir im vergangenen Jahr, wie der gesamte Landkreis, weitgehend verschont geblieben sind, ging es ab Herbst los. Richtig schlimm war es bei uns zwischen den Jahren und zu Beginn des Jahres, als die Inzidenzen landkreisweit hoch waren und sich bei uns verschiedene Hotspots in den Pflegeeinrichtungen und den größeren Betrieben gebildet hatten. Mehrere Todesfälle waren zu beklagen. Deshalb bin ich froh, dass die Fallzahlen im Frühjahr zurückgegangen sind. Auch durch unser Testzentrum sind wir mittlerweile gut aufgestellt.

Derzeit fließt viel Fördergeld in die Stadt. Eine Belohnung vom heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten für gute Wahlergebnisse, wie Ihnen die Kreis-CDU vorwirft?

(lacht) Wenn man einem Bundestagsabgeordneten vorwirft, seine Sache gut zu machen, dann stimmt irgendwas mit dem politischen Niveau nicht. Man kann Michael Roth sicherlich viel unterstellen, aber nicht, dass er sich nicht genug für die Region engagiert. Die Unterstützung des Bundes für die Bad Hersfelder Festspiele, die Burg Herzberg, Eschwege, Heringen und Niederaula zeigt doch, dass er eine hervorragende Arbeit macht. Besser kann man das nicht darstellen, als es die CDU-Kreistagsfraktion beziehungsweise deren Vorsitzender Herbert Höttl getan haben.

Dennoch ist Heringen zweifelsohne SPD-Hochburg – seit der Kommunalwahl sogar mit absoluter Mehrheit im Stadtparlament. Erleichtert das Ihre Arbeit?

Das hat zwei Seiten. Von 2016 bis 2021 musste man viel mehr miteinander reden, um Unterstützung zu finden. Bei einer absoluten Mehrheit besteht die Gefahr, sich nur darauf zu verlassen. Bei nur einer Stimme Mehrheit kann aber immer etwas passieren. Deshalb war es mir wichtig, weiterhin die gute Zusammenarbeit mit der CDU fortzuführen. Ich bin erstaunt, dass auch große Teile der WGH bei verschiedenen Entscheidungen mitgestimmt oder sich zumindest enthalten haben. Der größte Teil des Parlaments scheint verstanden zu haben, dass es gewählt wurde, um die Stadt nach vorne zu bringen.

Dennoch wirkt es oft, als sei das Tischtuch zwischen Ihnen und der WGH zerschnitten?

Es bleibt natürlich haften, wenn fünf Jahre lang von einem bestimmten Personenkreis öffentlich versucht wird, das Niveau herunterzuziehen. Wenn man angezeigt wird und Unwahrheiten über sich selbst und die eigene Arbeit hört. Aber auch in der WGH gibt es Menschen, mit denen man nicht nur reden, sondern auch zusammenarbeiten kann. Darüber bin ich sehr froh und daran orientiere ich mich lieber.

Das Bürgerhaus soll saniert werden, obwohl ein Gutachten 2018 zum Ergebnis „technisch und wirtschaftlich nicht sanierungsfähig“ kam. Droht hier ein Hallenbad 2.0?

Ich hoffe nicht. Wir können unsere Entscheidungen nicht alleine von Bauchgefühlen abhängig machen, sondern müssen externe Fachleute hinzuziehen. Dass ins Bürgerhaus über Jahre hinweg kein Cent investiert wurde, rächt sich jetzt. Das von Ihnen erwähnte Gutachten ist nur eines von vielen. Unterm Strich ist eine Sanierung anscheinend möglich, weil man nicht in den Beton eingreifen muss. Nur dadurch würde das Chlorid anfangen zu arbeiten. Auf diese Einschätzung müssen wir uns verlassen und ich bin froh, dass wir dieses Gebäude erhalten können. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass fast im gesamten Werratal mit Werrakies gebaut wurde. Wenn es danach ginge, müssten wir also alle Häuser abreißen.

Heringen bangt um seinen Status als Mittelzentrum. Glauben Sie, die Neuzuordnung von Wildeck und Hohenroda im Landesentwicklungsplan noch abwenden zu können?

Mir geht es nicht ums Glauben, sondern um tatsächlichen Einsatz für unsere Stadt und den gesamten Ostkreis. Aktuell sind die Wege Gott sei Dank noch kurz, weil wir hier hervorragend aufgestellt sind. Gegen die Neuzuordnung werden wir uns mit Händen und Füßen wehren. Wenn Heringen den Status als Mittelzentrum verliert, heißt das nicht automatisch, dass umliegende Kommunen wie Wildeck davon profitieren. Städte wie Bebra oder Bad Hersfeld werden gestärkt und die kleineren Orte werden geschwächt. Die Wege werden länger und es wird schwieriger mit der ärztlichen Versorgung und dem schulischen Angebot. Das kann nicht im Sinne des ländlichen Raums sein.

Insbesondere in Wildeck schien man geradezu erleichtert über die Neuzuordnung zu sein.

Das ist Sache der Wildecker und nicht Sache der Heringer.

Um Ihren Vorstoß, den Personenverkehr auf der Werratalbahn zu reaktivieren, ist es ruhig geworden. Wird das Projekt noch weiterverfolgt?

Ja. Wir hatten kürzlich mit den Protagonisten aus dem Wartburgkreis eine Videokonferenz, in der wir uns auf einen runden Tisch im September geeinigt haben. Dann wollen wir eine Machbarkeitsstudie besprechen. Aktuell sind wir in Gesprächen mit Ministerien und Institutionen. Dass es ruhiger wurde, ist sicherlich auch Corona geschuldet, aber wir haben trotzdem ordentlich an dem Thema gearbeitet.

Heringen hat sich der Touristischen Arbeitsgemeinschaft Nördliche Kuppenrhön angeschlossen. Können sich die Einwohner mit diesem Label überhaupt identifizieren – würden Sie sich selbst als Rhöner bezeichnen?

Die weitesten Ausläufer der Kuppenrhön hören ja nicht bei Friedewald auf, sondern gehen bis Herfa – und Herfa gehört nun mal zu Heringen. Deshalb ist das nicht so weit hergeholt. Wir bezeichnen uns wahrscheinlich eher als Werrataler. Es geht aber darum, eine arbeitsfähige Kooperation zu haben und unsere touristischen Aktivitäten auszubauen. Die liegen im Moment brach, weil man irgendwann der Meinung war, dass wir keinen Tourismus brauchen. Der Fahrrad- und E-Bike-Boom zeigt aber, dass wir noch stärker sein könnten, wenn eine vernünftige Infrastruktur aufgebaut worden wäre.

Im kommenden Jahr steht die Bürgermeisterwahl an. Kandidieren Sie wieder?

Ich werde wieder kandidieren. Ich wurde mehrfach gefragt, ob ich Landrat oder Erster Kreisbeigeordneter werden möchte. Mir ist es aber wichtig, die Herzensangelegenheit, die das Amt des Bürgermeisters von Anfang an für mich war, fortzuführen. Wir haben so viele Projekte angestoßen, die ich mir nicht aus der Ferne anschauen, sondern aktiv begleiten möchte.

Reizt Sie der Posten als Erster Kreisbeigeordneter nicht – oder schicken Sie lieber Ihren Büroleiter ins Landratsamt?

Tatsächlich reizt mich dieser Posten nicht, weil man als Bürgermeister viel mehr Gestaltungsraum hat. Zu Michael Ernst pflege ich ein freundschaftliches Verhältnis. Ich wünsche ihm viel Erfolg, aber ich glaube, dass es schwer wird für ihn.

Werden Sie noch Bürgermeister sein, wenn die Kraftwerkstraße eröffnet wird?

Das ist wahrscheinlich die schwierigste Frage, die Sie mir heute stellen. Niemand kann sagen, ob diese Straße jemals ihrer Bestimmung dienen wird. Ich kann mich nur wiederholen: Ein Haus, in das man nicht einziehen darf, baut man erst gar nicht. Jetzt haben wir die Straße aber und müssen weiterhin dranbleiben. Das ist eine Sisyphusarbeit. Aktuell hängt es daran, dass die Bahn mit unserem Öffnungs-Vorschlag nicht leben kann beziehungsweise versucht, etwaige Kosten auf uns abzuwälzen.

Ferienzeit ist Urlaubszeit – wie verbringen Sie den Sommer?

Hoffentlich gesund und munter mit der Familie. Wir werden wieder nach Österreich fahren, das Handy ausmachen und ein paar Tage entspannen. Die letzten eineinhalb Jahre der Pandemie haben wirklich Kraft gekostet – mehr als alle politischen Diskussionen und Bauprojekte.

Zur Person

Daniel Iliev (37) wurde in Bad Hersfeld geboren und ist in Heringen aufgewachsen. Nach dem Abitur an der Werratalschule studierte er Politikwissenschaften, Südslawistik, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Volkswirtschaftslehre an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Politikwissenschaften an der Panteion-Universität in Athen. Danach arbeitete er als Referent der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag. Als unabhängiger Kandidat setzte sich Iliev, der SPD-Mitglied ist, im März 2016 gegen Amtsinhaber Hans Ries durch. Bei der Kommunalwahl im vergangenen März zog der 37-Jährige für die SPD in den Kreistag ein. Mit seiner Lebensgefährtin wohnt Iliev in Heringen. Seine Hobbys sind das Lesen von Kriminalromanen, Fußball, Schreiben und Politik.

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