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Uznamen: Hunde halfen Widdershäusern nicht nur beim Tragen

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Von: Anna-Laura Weyh

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Wichtiges Transportmittel: Rechenmacher Johannes Stein mit seinem Hundewagen. Repro: bernd koch/nh
Wichtiges Transportmittel: Rechenmacher Johannes Stein mit seinem Hundewagen. Repro: bernd koch/nh © Repro: Bernd Koch/nh

Fast jeder Ort hat ihn: einen Uznamen. Meist vergeben von benachbarten Dörfern sind die Spitznamen voller Spott, Neid oder gar Überheblichkeit. Aber wie sind diese Namen einst entstanden?

Widdershausen – Ein Uzname, der es in sich hat. Hundsfresser heißen die Widdershäuser auch heute noch bei ihren Nachbarn – und sogar weit darüber hinaus. Wer sich früher kein Ochsen- oder Pferdegespann leisten konnte, setzte stattdessen ein bis zwei Hunde vor einen kleinen Wagen. Darüber berichtet Bernd Koch auf seiner Internetseite über die Geschichte des zweitgrößten Heringer Stadtteils.

Da es in Widdershausen mit der Zeit immer mehr Handelsmänner und Korbmacher gab, die die kleinen Leiterwagen mit Hunden nutzten, stieg deren Bedeutung im Ort. „Denn es war sicher bequemer, als die Waren auf einem kleinen Handwagen oder auf einem Schubkarren mit eigener Kraft von Ort zu Ort transportieren zu müssen“, heißt es von Koch. Verboten war dabei allerdings, sich selbst auf diese Hundegespanne zu setzen und sich ziehen zu lassen.

In den Nachbardörfern erzählt man sich heute noch, wie einzelne Widdershäuser wohl besonders gern nach einem ausgiebigen Kneipenbesuch dieses Verbot missachtet haben sollen, um den Heimweg antreten zu können. Zu Fuß soll das bei den meisten nämlich nicht mehr möglich gewesen sein. Die Folgen: Verwarnungen, und manchmal sogar das Verbot zum Hundehalten.

Doch zurück zum Uznamen der Widdershäuser. Viele Familien hielten für ihre Gespanne also Hunde zu Hause. In Notzeiten, so erzählt man sich, sollen die Hunde von armen Familien auch verspeist worden sein. Das dabei gewonnene, begehrte Hundefett sollen die Handelsmänner ebenfalls vertrieben haben. Aber wer fährt das Herrchen dann nach dem nächsten Bierfest nach Hause?

Von Anna Weyh

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