1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Heringen

Ehemalige Magnesium-Fabrik Wintershall in Heringen wird abgerissen

Erstellt:

Von: Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare

Schaffen Platz für künftige Vorhaben: Der Baubetriebsingenieur Daniel Otto (links) und der Leiter von Produktion und Technik über Tage am Standort Wintershall, Hagen Jeschke, an den Überresten der ehemaligen Magnesiumfabrik.
Schaffen Platz für künftige Vorhaben: Der Baubetriebsingenieur Daniel Otto (links) und der Leiter von Produktion und Technik über Tage am Standort Wintershall, Hagen Jeschke, an den Überresten der ehemaligen Magnesiumfabrik. © Jan-Christoph Eisenberg

Rund 40 Jahre schlummerte die ehemalige Magnesiumfabrik auf dem K+S-Gelände im Dornröschenschlaf. Jetzt brechen schwere Maschinen den Industriekomplex in Heringen ab.

Heringen – Rund 40 Jahre lang schlummerte die ehemalige Magnesiumfabrik auf dem Gelände des K+S-Standorts Wintershall in einer Art Dornröschenschlaf. Jetzt brechen schwere Maschinen den Industriekomplex in Heringen ab.

Die Leichtmetall-Produktion in dem um 1933 in Stahlskelettbauweise mit Backstein- und Stahlbetonfassade errichteten Bauwerk endete bereits im Jahr 1951. Bis Anfang der 1980er Jahre sei die sogenannte NMg-Halle aber noch für die Kalisalz-Verarbeitung genutzt worden, berichten der Leiter von Produktion und Technik über Tage am Standort Wintershall des Verbundwerks Werra, Dr. Hagen Jeschke, sowie der standortverantwortliche Baubetriebsingenieur Daniel Otto.

Seither nagte der Zahn der Zeit an den stillgelegten und für die Mitarbeiter gesperrten Anlage. Zuletzt waren die Dächer löchrig und die Stahltreppen instabil – das hier verarbeitete Kalisalz hat für starke Korrosion gesorgt.

„Die NMg-Halle musste altersbedingt abgerissen werden, da eine Sanierung nach heutigem Stand der Technik sowie des Brandschutzes zu aufwendig und unwirtschaftlich gewesen wäre“, erklärt Daniel Otto. Dennoch: Mancherorts habe es im Inneren gewirkt, als hätten die Beschäftigten ihre Arbeitsplätze gerade erst verlassen. In einer Leitwarte fanden sich etwa eine Zeitung aus dem Jahr 1982 sowie jahrzehntelang unberührte Getränkeflaschen und -büchsen.

Ein Abbruch- und Entsorgungskonzept war schon vor einigen Jahren erarbeitet worden. Der nun gewählte Zeitpunkt sei in mehrfacher Hinsicht günstig: Neben freien Planungskapazitäten verweisen Betriebsingenieur und Produktionsleiter auf gestiegene Altmetallpreise.

Zu den Abrisskosten macht K+S keine konkreten Angaben. Nur nur so viel: Trotz hohen Aufwands sei das Projekt dank der Erlöse aus der Schrott-Verwertung wirtschaftlich. Anfang vergangenen Jahres hatten die Vorbereitungen begonnen. Unter anderem mussten Strom-, Dampf sowie Rohrpostleitungen für den Transport der Produktproben ins Labor neu verlegt worden, an die das Gebäude noch angebunden war. Seit Herbst läuft der eigentliche Abbruch, mit dem K+S die auf Industriedemontagen spezialisierte Firma Wilhelm Knepper aus dem nordrhein-westfälischen Lippstadt beauftragt hat.

Ein 93 Tonnen schwerer Bagger mit 30 Meter langem Ausleger und Spezialwerkzeug frisst sich derzeit durch das Stahlgerüst, auf dessen Plattformen noch tonnenschwere Anlagenteile wie Kessel, Trommeln und Bottiche montiert waren. Die Abbruch-Spezialisten müssen dabei umsichtig vorgehen – denn auf dem restlichen Werksgelände läuft die Produktion normal weiter. Der entstehende Bauschutt werde an Ort und Stelle sortiert, belastete Materialien – in erster Linie bleihaltige Anstriche – gemäß der abfallrechtlichen Vorschriften entsorgt und Verwertbares recycelt, sagt Daniel Otto. Über 1000 Tonnen Metall werden wieder dem Rohstoffkreislauf zugeführt.

Bis Mitte Januar soll der eigentliche Abriss abgeschlossen sein. Das von den zuständigen Behörden genehmigte Entsorgungskonzept sieht vor, unbelastetes Material wie Ziegelsteine und Beton anschließend mit einem Brecher zu zerkleinern und damit den Keller der ehemaligen NMg-Halle zu verfüllen. „Im Anschluss wird die Fläche mittels Asphaltdeckschicht versiegelt, um das Eindringen von Regenwasser zu vermeiden“, erklärt der Projektleiter. Nutzen will K+S das frei werdende Areal als Lager- und Containerbereitstellungsfläche für Projekte, die unter anderem im Zuge des Transformationsprozesses Werra 2060 anstehen.

Mit 84 Metern Länge, 29 Metern Breite und rund 25 Metern Höhe ist die Magnesiumfabrik laut Otto und Jeschke das erste Abbruchprojekt auf dem Heringer Werksgelände dieser Größe in den zurückliegenden 100 Jahren. (Jan-Christoph Eisenberg)

Auch interessant

Kommentare