Wochenendporträt: Ideen kommen im Schlaf

Felix Waldmann hat einen eigenen Marsch für die Bergkapelle komponiert

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Gibt den Takt an: Felix Waldmann (vorne) hat den Erkennungsmarsch für die Bergkapelle Wintershall komponiert.

Heringen. „Auch wenn es klischeehaft klingt: Die besten Ideen sind mir im Schlaf gekommen“, berichtet Felix Waldmann. Der 27-Jährige ist musikalischer Leiter der Bergkapelle Wintershall und hat für das Ensemble eine eigene Erkennungsmelodie komponiert.

„Wintershaller Bergmarsch – Marsch der Bergmannskapelle Winterhall“, lautet der Titel des Musikstücks, das der KFZ-Mechatroniker geschrieben hat. „Zu Ehren der Musiker“, wie er betont. Der Wunsch nach einer eigenen Hymne sei bei den Bergparaden im Erzgebirge aufgekommen, an denen das Werksorchester regelmäßig teilnimmt. „Dort hat jede Kapelle ihren eigenen Bergmarsch. Nur wir hatten keinen“, erklärt der 27-Jährige. Etwa drei Monate lang war Waldmann damit beschäftigt, das zu ändern. „Man muss sich im Kopf ausmalen, wie es klingen soll“, beschreibt er sein Vorgehen.

Spontane Einfälle pfiff Felix Waldmann zunächst als Memo ins Aufnahmegerät, um sie dann am Computer in Notenschrift umzusetzen. Zwei bis drei Stunden arbeitete er täglich an dem Werk – manchmal lange Zeit an einzelnen Takten. „Man kann sich nichts aus den Rippen leiern“, erklärt Waldmann lachend. Den fertigen Marsch hat der Kapellmeister seinen Musikern zunächst inkognito vorgelegt – also ohne Titel und Komponistenangabe auf dem Notenblatt. „Mir waren unvoreingenommene Reaktionen wichtig“, erläutert der 27-Jährige. Auf das Urteil seiner Musiker musste er sich insbesondere bei den Instrumenten verlassen, die er selbst nicht beherrscht – etwa den Klarinetten. Nicht nur die Rückmeldungen der Musiker seien durchweg positiv gewesen, auch die der Zuhörer bei der Uraufführung zur Heringer Kirchschicht. Großvater spielte Tuba Musik ist für Felix Waldmann mehr als nur Hobby: „Musik ist Leidenschaft“, unterstreicht er. Geweckt habe diese Leidenschaft einst sein Großvater, der im Posaunenchor Wölfershausen-Lengers die Tuba blies und den Enkel im Alter von sieben Jahren mitnahm. Der Nachwuchs hatte Talent, nahm weiteren Unterricht und spielte schon mit zwölf Jahren erstmals in der Bergkapelle Wintershall – eins von drei K+S-Werksorchestern, die auf die einst selbstständigen Kali-Standorte zurückgehen. „Damals reichte die Uniformjacke noch fast bis zum Boden“, erinnert Waldmann sich lachend.

Mittlerweile bläst der 27-Jährige Tenorhorn und Posaune auch bei den Wildecker Musikanten. In der Bergmannskapelle und beim Posaunenchor hat er seit sechs beziehungsweise knapp zwei Jahren den Taktstock in der Hand. Zu dieser musikalischen Ausrichtung so gar nicht zu passen schienen die „Zinnsoldaten“, eine Punk-Band, bei der Waldmann Schlagzeug spielte. „Das war so eine Phase“, sagt er rückblickend. „Wilde Jahre“, an die er sich gerne erinnere. Neben Schlagzeug und Gitarre versuchte sich der Heringer auch am Akkordeon. „Aber dafür fehlte mir die Zeit“, erläutert er.Trotz seiner Vielseitigkeit möchte Felix Waldmann sich nicht mit Profimusikern vergleichen, bezeichnet sich selbst als „Musikanten“. Zwar habe er schon mehrere Stücke für Bläser selbst arrangiert, der Bergmarsch sei jedoch die erste „echte“ Eigenkomposition. Vermutlich aber nicht die letzte: „Erste Ideen für einen Walzer habe ich schon im Kopf“, verrät der 27-Jährige.

 

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