Erwachsene Darsteller

Heringer Krippenspiel: Engel mit Bergarbeiterhelmen

Krippenspiel für Erwachsene in Heringen: Die Engel verbreiten nicht nur die Botschaft des Weihnachtsfestes, sondern reden den Menschen auch ins Gewissen. Foto: Ute Janßen

Ist Weihnachten mehr als gehetzter Konsumrausch, Weihnachtsmarkt und (Selbst-) Betrug mit oberflächlichem Heile-Welt-Gerede?

Würde uns etwas fehlen, wenn man Weihnachten einfach abschaffte? Und gelingt es den Engeln auch in diesem Jahr, die Menschen für die eigentliche Botschaft des Weihnachtsfestes zu begeistern? Viele Fragen, die das von Claus Heymann geschriebene und inszenierte Erwachsenenkrippenspiel „Himmelsleiter“ in den Raum stellte.

Schwer bepackte Paketboten, denen angesichts der weihnachtlichen Geschenkeflut Überstunden nicht erspart blieben und Menschen, die hektisch ihre Besorgungen erledigten, bildeten eine Spielebene, die durch eine aktualisierte Fassung des traditionellen Weihnachtsliedes „O du fröhliche“ ergänzt wurde.

Auf der anderen Ebene standen die Engel, die mit Flügeln und Bergarbeiterhelmen ausstaffiert waren und die die schwierige Aufgabe übernommen hatten, den Menschen, die, getrieben von Gier, Eifersucht, Rücksichtslosigkeit und dem ständigen Gefühl, selbst zu kurz gekommen zu sein, die weihnachtliche Botschaft zu vermitteln.

Claus Heymann hatte sie in einigen Szenen hinter einen halbtransparenten Vorhang gestellt, wo sie, sozusagen von oben herab, das Treiben der Menschen kommentierten, die im Streben nach Höherem ständig über ihre eigenen Füße fallen, die tun können, was sie wollen und sich trotzdem unfrei fühlen und die so viel haben, dass sie nicht mehr wissen, was sie sich noch wünschen sollen. Ihre Einwürfe hatten die Funktion eines Refrains („Was willst du machen – ist halt unser Auftrag“), der die Szenen auf der Erde rahmte und gliederte. Als „himmlische Weihnachtsberater im Bodendienst“ kamen die Engel dann auf die Erde, um die Menschen zu überzeugen, sich der eigentlichen Botschaft des Weihnachtsfestes anzunähern.

Wesentliche Rolle für die Musik

Eine wesentliche Rolle spielte, wie schon in den vergangenen Jahren, die musikalische Begleitung. Unter der Leitung von Kantor Matthias Weber, der auch den Klavierpart übernommen hatte, begleitete eine kleine Band, bestehend aus Moritz Pfeffer (Cajon), René Bachmann-Wiesner (Saxophon und Querflöte) sowie Richard Ewald (Bass) die Lieder, die von der Kantorei und den Schauspielern gesungen wurden. Als Gesangssolistin in einer neu getexteten Fassung von „Oh Happy Day“ beeindruckte Maria Schäfer.

Pfarrer Dr. Thorsten Waap hatte viele der Liedtexte – unter anderem eine weihnachtliche Neufassung des Steigerliedes – verfasst. Sein Weihnachtslied „Gloria“, bei dem auch das Publikum mitsang, bildete wie schon in den Vorjahren den Abschluss.

In Texten von Franz von Assisi und Dietrich Bonhoeffer wurden die Sehnsüchte der Menschen aufgegriffen und der Realität gegenübergestellt, in der Weihnachten vor dem Hintergrund von Konsumterror, Umweltzerstörung und Kriegen keine Bedeutung mehr zu haben scheint. Spätestens in der Schlussszene, in der die Menschen als Hirten und Könige zur Krippe kamen, zeigte sich, dass die weihnachtliche Botschaft der Liebe und der Dankbarkeit trotz aller Zweifel auch für die, die sonst nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, für die Trauernden und für die, die „nicht mitkommen“ immer noch von Bedeutung ist. Das Publikum in der voll besetzten Heringer Stadtkirche spendete den engagierten Mitwirkenden begeisterten Applaus für das kurzweilige und trotz Tiefgangs humorvolle Krippenspiel.

Von Ute Janßen

Quelle: Hersfelder Zeitung

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