Aus für Innenstadt-Magnet

Heringen: Modenhaus Helmerich an der Hauptstraße schließt Ende Februar

Sie führten das Heringer Modenhaus in dritter Generation: Olaf und Ulrike Helmerich wollen sich künftig ganz ihrer Yogaschule widmen.
+
Sie führten das Heringer Modenhaus in dritter Generation: Olaf und Ulrike Helmerich wollen sich künftig ganz ihrer Yogaschule widmen.

Es sei der schwerste Entschluss ihres Berufslebens gewesen, betonen Ulrike und Olaf Helmerich: Am 28. Februar wird ihr Modenhaus in Heringen letztmals für Kunden geöffnet sein.

Heringen - Damit endet eine fast 90-jährige Familientradition. 1933 hatte Olaf Helmerichs Großvater Jakob mit seiner Frau Auguste sein Textilgeschäft für Stoffe, Kurzwaren und Wäsche eröffnet. 1965 übernahmen die beiden Söhne Horst und Dieter Helmerich. 1994 erwarb der heutige Geschäftsführer die Anteile seines Onkels Horst und stieg in dritter Generation in das Unternehmen ein. 1999 ging sein Vater Dieter in den Ruhestand.

„Das führende Textilhaus im Werratal“ – dieser Werbeslogan aus den 1950er Jahren habe im Grunde bis zum Schluss zugetroffen, unterstreicht der Einzelhandelskaufmann. Über drei Generationen hinweg sei das Modenhaus der Magnet im Heringer Handel gewesen. Rund zwei Millionen Euro habe er in den vergangenen 30 Jahren alleine in Werbung investiert, rechnet Olaf Helmerich vor, dazu stetig die Geschäftsräume modernisiert. Mit der Pluskarte sei die eigene Kundenkartei für andere Gewerbetreibende geöffnet worden. „Unser Ziel war immer, dass die Innenstadt attraktiv für Kunden bleibt“, ist sich das Ehepaar einig. Deshalb unterhielt das Modehaus neben dem Stammsitz über mehrere Jahre zusätzlich auch zwei weitere Filialen an der Heringer Hauptstraße.

Im Jahr 2005 haben Ulrike und Olaf Helmerich ihre Lebenseinstellung zum Beruf gemacht und eine Yogaschule aufgebaut. Seither hätten sie begonnen, die Dinge ganzheitlich zu betrachten und die Zusammenhänge zwischen Konsum, Umwelt und Gesundheit in der Modebranche kritisch zu hinterfragen, erklärt der examinierte Krankenpfleger Olaf Helmerich.

Ihre Yogaschule wachse seit 15 Jahren mit stetiger Begeisterung. „Letztendlich hat die Corona-Krise den Anstoß dafür gegeben, uns in Zukunft zu 100 Prozent der Gesundheitsprävention zu widmen“, fügt die von den Krankenkassen anerkannte Yogalehrerin Ulrike Helmerich hinzu. Die vier gemeinsamen Kinder arbeiten ebenfalls in sozialen und gesundheitlichen Berufen und werden die Familientradition im mittelständischen Texileinzelhandel daher nicht fortführen.

Zusätzlich treffe die Corona-Krise den Textilhandel mit Umsatzrückgängen von bis zu 50 Prozent – insbesondere in den klassischen Segmenten. Statt normalerweise 600 seien in diesem Jahr nur rund 200 Anzüge verkauft worden, verdeutlicht Olaf Helmerich. „Davor kann man nicht die Augen verschließen“, merkt der Geschäftsführer an.

Bereits im August seien die elf Mitarbeiter des Modenhauses über die Schließung informiert worden. „Wir blicken dankbar auf 26 Jahre erfolgreiches Geschäftsleben zurück“, sagt das Inhaber-Ehepaar, das im März in einen neuen Lebensabschnitt starten wird. Für die Geschäftsräume an der Hauptstraße hofft Olaf Helmerich langfristig auf einen neuen Nutzer. Für ein Bekleidungsgeschäft, ist der 51-Jährige überzeugt, gebe es im Werratal nach wie vor eine Nische. (Von Jan-Christoph Eisenberg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.