Heringerin muss zwei Drittel ihrer Mütterrente an Ex-Mann zahlen

Anke Marburger aus Heringen versteht nicht, warum sie zwei Drittel ihrer Mütterrente an ihren Ex-Mann abgeben und dann auch noch die Hälfte der Gerichtskosten für ein von ihr nicht angestrebtes Verfahren bezahlen muss. Foto: Zacharias

Heringen. 50 Euro Mütterrente im Monat, darüber freute sich Anke Marburger, als sie Anfang vergangenen Jahres einen entsprechenden Bescheid der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) erhielt.

Beantragt hatte sie diese Rente nicht, nahm sie aber gerne. Schließlich hat Anke Marburger nach der Geburt ihres ersten Kindes aufgehört zu arbeiten und konnte, da es in der Region keine entsprechende Stelle für sie gab, auch später nicht wieder anfangen.

Anke Marburger kümmerte sich also um ihre Kinder und engagierte sich ehrenamtlich im Schulelternbeirat und in der Elternarbeit auf Kreis-, Landes- und Bundesebene. Ihre Mütterrente empfand sie als kleinen Ausgleich für Kindererziehung und Ehrenamt.

Gerichtlich geklärt 

Die Freude währte jedoch nicht lange. Denn die Mütterrente muss, wie die reguläre Rente auch, in den Versorgungsausgleich miteinbezogen werden. Das forderte Anke Marburgers geschiedener Mann. Und diese Frage muss gerichtlich geklärt werden. Das Ergebnis dieser Entscheidung machte Anke Marburger ein wenig fassungslos. Denn nun erhält ihr Mann zwei Drittel von ihrer Mütterrente, also 33 Euro, und sie ein Drittel, also 17 Euro.

Diese Anteile werde nach den Entgeltpunkten berechnet, die auch für den Rentenanspruch maßgeblich sind. Und da ihr Mann ja immer weitergearbeitet und nicht für die Kinder pausiert hat, habe er natürlich mehr Entgeltpunkte, erläutert Anke Marburger. Verstehen oder gar gutheißen kann sie das trotzdem nicht. Denn schließlich sei die Mütterrente ja als Ausgleich für die Erziehungsarbeit gedacht, und die habe nun mal im Wesentlichen sie geleistet.

Keinen Fehler gemacht 

Vollends verärgert hat sie die Tatsache, dass sie diese Gerichtsentscheidung nun auch noch anteilig bezahlen muss. 146 Euro. „Ich habe keinen Fehler gemacht, ich habe das Gericht nicht angerufen und ich muss trotzdem zahlen", ärgert sich die Heringerin.

Warum die ganze Sache überhaupt vor Gericht geklärt werden musste, kann sie ebenfalls nicht verstehen. „Das hätte doch auch die BfA ausrechnen können“, meint Anke Marburger. Das ist jedoch, so erläutert Amtsgerichtsdirektorin Michaela Kilian-Bock, nicht möglich: „Den Versorgungsausgleich kann nur das Familiengericht durchführen.“

Anke Marburger ist überzeugt, dass hier wieder ein Gesetz viel zu schnell durchgesetzt wurde, ohne es komplett zu durchdacht zu haben. Sie ist sich sicher, dass sie nicht die einzige ist, die von ihrer wohlverdienten Mütterrente wenig sieht. „Bei Hartz IV-Empfängerinnen wird die Mütterrente angerechnet“, sagt sie. Das könne doch auch nicht im Sinne des Erfinders sein.

Von Christine Zacharias

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