Unternehmen stellte Entsorgungspläne vor

K+S informierte in Heringen: Viele Fragen zur Einstapelung

Das Bild zeigt links Moderatorin Blanka Weber, Projektleiter Stephan Deppe und Werksleiter Hans Uli Bödicker und rechts zahlreiche zuhörende Bürger.
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Stellten sich den Fragen der Zuhörer: Moderatorin Blanka Weber, Projektleiter Stephan Deppe und Werksleiter Hans Uli Bödicker informierten im Heringer Bürgerhaus über die geplante Laugen-Einstapelung (von links).

Die Pläne des Bergbau-Unternehmens K+S für die kontrollierte Flutung des Grubenfelds Springen haben Vertreter des Unternehmens jetzt auch in Heringen vorgestellt.

Heringen – Die Pläne des Bergbau-Unternehmens K+S für die kontrollierte Flutung des Grubenfelds Springen haben Werksleiter Hans Uli Bödicker und Projektleiter Stephan Deppe am Dienstagabend bei einer Infoveranstaltung im Heringer Bürgerhaus vorgestellt.

Mit der sogenannten Einstapelung, die voraussichtlich im ersten Halbjahr 2022 beginnen soll, will K+S einen nachhaltigen Entsorgungsweg für flüssige Produktionsrückstände schaffen und zugleich einen Salzlösungseintritt als Bergbau-Altlast aus DDR-Zeiten stoppen (unsere Zeitung berichtete). Die Nachfragen, Anmerkungen und Reaktionen der Zuhörer waren interessiert und kritisch, die Atmosphäre weitgehend sachlich. Ein Überblick:

Sicherheit

Insbesondere Einwohner des Orts Springen äußerten die Befürchtung, dass langfristig das umliegende Salzgestein angegriffen und dessen Stabilität geschwächt werden könnte. Weitere Bedenken: Die hoch mit Magnesiumchlorid gesättigten Produktionsabwässer könnten durch die eindringende Salzlösung verdünnt werden – oder aber sich den Weg in andere Bergewerks-Bereiche beziehungsweise an die Oberfläche bahnen.

Die K+S-Vertreter verwiesen auf wissenschaftliche Untersuchungen, ein komplexes mathematisches Modell, mit dem die Auswirkungen über Jahrhunderte berechnet worden seien, sowie die Erfahrungen bei der Flutung von Bergwerken in Niedersachsen und Erprobungen im Werra-Revier. Sie seien sich sicher, dass von dem Vorhaben keine Gefahr für Mensch und Umwelt ausgehe. Zudem werde die Einstapelung von einem Monitoring-Programm mit dichtem Messstellen-Netz begleitet. Langzeit-Erfahrungen über 100 Jahre gebe es zwar nicht, räumte Projektleiter Stephan Deppe ein – allerdings seien die Löseprozesse zu Beginn der Einstapelung am höchsten und klängen relativ schnell ab.

Restmengen

Rund 3,1 Millionen Kubikmeter Prozesswässer fallen jährlich im Werk Werra an. Davon sollen etwa 1,5 Millionen Kubikmeter, so viel, wie bislang in die Gesteinsschicht Plattendolomit versenkt wurden, nach Springen fließen. Der Rest werde bis 2028 über die Werra entsorgt. Wenn deren Kapazitäten, etwa in trockenen Jahren, nicht ausreichen, solle es weiterhin Transporte in entfernte Bergwerke geben.

Die Grube Springen soll die Abwässer der kommenden zehn bis 15 Jahre aufnehmen. Für die Zeit danach werde nach geeigneten Einstapel-Orten gesucht – etwa in den Gruben Hattorf, Wintershall, in Thüringen oder standortfern, beantwortete Deppe eine entsprechende Frage. Die Grube Unterbreizbach komme wegen Größe, Zuschnitt und CO2-Einschlüssen im Salz eher nicht in Frage.

Kosten

Die Gesamtkosten für die Einstapelung in Springen gibt K+S mit rund 500 Millionen Euro an. Ob und in welcher Höhe sich das Land Thüringen beteiligt, das seit 1999 die Kosten der DDR-Bergbau-Altlasten trägt, muss offenbar noch verhandelt werden. Bei den bisherigen Kosten sei K+S in Vorleistung gegangen, erklärte Bödicker.

Halden-Abwässer

Zur Reduzierung der derzeit jährlich 2,5 Millionen Kubikmeter Halden-Abwässer, die weiterhin über die Werra entsorgt werden sollen, setzt K+S nach wie vor auf die geplante Halden-Abdeckung. Einzelheiten dazu würden in absehbarer Zeit vorgestellt.

Magnesium-Gewinnung

Die eingestapelten Abwässer werden mit Magnesiumchlorid angereichert und würden sich damit grundsätzlich für die Produktion von Magnesium-Metall eignen. Als Rohstoff-Lager für ein späteres Geschäftsfeld habe K+S die Einstapelung in Springen jedoch nicht konzipiert, betonten die K+S-Vertreter nach einer entsprechenden Frage. Die Gewinnung sei zu kostspielig – zumindest bei der aktuellen Marktlage. (Jan-Christoph Eisenberg)

Lesen Sie auch: Salzwasser soll ab 1. Halbjahr 2022 in Grube Springen fließen

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