Wegen anhaltender Trockenheit

K+S-Werk in Heringen stoppt Produktion für unbestimmte Zeit

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Unter der Erde bei Heringen: Der Rohsalz-Großbunker des Kaliwerks Werra.

Heringen. Wie der Kasseler Kali- und Salzproduzent K+S am Montag mitteilte, hat der Standort Wintershall in Heringen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) die Arbeit auf unbestimmte Zeit eingestellt.

Aktualisiert um 12.10 Uhr. Die anhaltende Trockenheit zieht nun auch die Kaliförderung im hessisch-thüringischen Werrarevier in Mitleidenschaft. Wie der Kasseler Kali- und Salzproduzent K+S am Montag mitteilte, hat der Standort Wintershall in Heringen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) die Arbeit auf unbestimmte Zeit eingestellt. Von den rund 4400 Beschäftigten des Verbundbergwerks Werra müssen zunächst 350 bis 400 Urlaub nehmen, Überstunden abbauen oder mit den Arbeitzeitkonten ins Minus gehen. 

Nach Unternehmensangaben wird darüber hinaus geprüft, ob Kurzarbeit erforderlich und genehmigt wird. Die ebenfalls zum Verbundbergwerk gehörenden Standorte Hattorf bei Philippsthal und Unterbreizbach (Thüringen) sind hiervon vorerst nicht betroffen. Durch die zu Jahresbeginn in Betrieb genommene Kainitkristallisations- und Flotationsanlage (KKF) habe der Betriebsteil in Hattorf ein geringeres Abwasseraufkommen als die Wintershaller Fabrik, erklärte Unternehmenssprecher Michael Wudonig auf Nachfrage unserer Zeitung. Halte der niedrige Wasserstand an, müsse auch dieser Standort heruntergefahren werden. Die Fabrik in Unterbreizbach könne hingegen voraussichtlich weiter produzieren, teilt das Unternehmen weiter mit.

Werk Werra ist größter Standort von K+S

Das Werk Werra ist der mit Abstand größte Standort von K+S. Grund für den Produktionsstopp in Heringen ist die geringe Wasserführung der Werra. K+S hat bekanntlich zwei Hauptentsorgungswege für die in der Produktion anfallenden sowie die ständig aus den riesigen Abraumhalden sickernden Abwässer: die mengenmäßig stark eingeschränkte Verpressung in den porösen Untergrund, die Ende 2021 endgültig ausläuft, sowie die Einleitung in die Werra, die vom Wasserstand abhängt. Je weniger Wasser der Fluss führt, desto weniger Abwasser darf eingeleitet werden. Das heißt, das Unternehmen ist auf ausreichend Wasser im Fluss angewiesen: Ein Durchfluss von 40.000 Litern pro Sekunde gilt als Minimum, zuletzt waren es nur 6800.

Hinzu kommen als weitere Entsorgungswege die Einlagerung in stillgelegte Bergwerke sowie die temporäre Einstapelung im Grubenfeld Springen in Thüringen. Beides ist mengenmäßig ebenfalls begrenzt und wegen der hohen Transportkosten vergleichsweise teuer. 

Die Auswirkungen pro Tag Produktionsstillstand in einem Werk auf den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) beziffert K+S auf bis zu 1,5 Millionen Euro. Bisher ging das Unternehmen von einem Ebitda von insgesamt 660 bis 740 Millionen Euro für das Jahr 2018 aus. 

K+S beschäftigt weltweit 14.800 Mitarbeiter, davon gut 10 000 im Inland und davon wiederum 6000 in Nord- und Osthessen. An der Börse legte die K+S-Aktie gestern wider Erwarten leicht zu. Der Grund: steigende Weltkalipreise.

(mit dpa) 

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