Kirche ist in Bewegung

140 Traktoren pilgern vom Eichhof nach Heringen und werden begeistert empfangen

Endlich am Ziel: Mit Jubel wurden die mehr als 140 sauber geputzten und oft liebevoll geschmückten Traktoren in Heringen am Anger empfangen. Begleitet worden waren sie von einer Polizeieskorte. Fotos: Landsiedel

Bad Hersfeld/Heringen. „Googeln, Posten, Twittern“ – Martin Luther versteht die Welt nicht mehr. Mehr als 140 stählerne Ungetüme machen sich, laut knatternd und rußigen Qualm ausstoßend, mit „atemberaubendem“ Tempo auf den Weg von Bad Hersfeld nach Heringen, den Luther vor 500 Jahren noch beschwerlich zu Fuß und zu Roß bewältigen mußte.

Dazu ein junger Mann – Jakim Leipold – der nicht etwa ein Bild seiner Geliebten zärtlich mit den Fingern berührt, sondern ein Smartphone bedient und mit diesem seltsamen Gerät sogar noch in Windeseile ein Luther-Portrait anfertigt, „Lukas Cranach hätte das in der Kürze nie und nimmer geschafft“.

Begleitet von Polizeieskorte

Nur gut, daß seine Managerin – Pfarrerin Imke Leipold – energisch zum Aufbruch drängt, denn der Pilgerzug ist jetzt schon mindestens fünf Minuten hinter dem Zeitplan. Pröpstin Sabine Kropf-Brandau schwenkt auch schon die schwarz-weiß karierte Startflagge und der Tross setzt sich, begleitet von einer Polizeieskorte, am Schloß Eichhof in Bewegung. Im Traktor mit der Startnummer 1 sitzt Pfarrer Thomas Funk, einer der Initiatoren des Pilgerzuges, sichtlich erfreut, dass es endlich los geht, am Steuer.

Als die Idee zu einem Pilgerzug mit Traktoren vor rund zweieinhalb Jahren in weinseliger Runde geboren wurde, hätte niemand an einen solch durchschlagenden Erfolg geglaubt, schmunzelt Pröpstin Sabine Kropf-Brandau. Aus den 95 Traktoren, Sinnbild für die 95 Thesen, die Luther einst an das Wittembergsche Kirchentor genagelt haben soll, sind über 140 geworden, freuen sich die Initiatoren.

Bestens vorbereitet klappt alles wie am Schnürchen. Bereits an der ersten Station im Bad Hersfelder Kurpark wird der Tross begeistert empfangen. Staatsminister Michael Roth und Pfarrer Frank-Nico Jäger kommentieren die Trecker-Parade und stellen jedes einzelne Fahrzeug nebst Fahrer vor. Weiter führt der Weg über die Hochbrücke, die Lomo-Kreuzung und den Wilhelmshof nach Sorga, wo der Zug von der Tanner Volkstanzgruppe und den Kathuser Wilddieben erwartet wird.

Staunen über moderne Technik: Martin Luther (gespielt von Herbert Jfanßen) lässt sich von Jakim Leipold (rechts) die Möglichkeiten moderner Technik zeigen. Links Pfarrerin Imke Leipold und Staatsminister Michael Roth.

Die Königsetappe

Ohne Pause schließt sich die „Königsetappe“ zur nächsten Station in Lautenhausen an. Auf dem Wirtschaftsweg zwischen Malkomes und Friedewald kommen die Traktoren ganz schön ins Schnaufen. Die Mühen werden jedoch durch den herzlichen Empfang in dem Dreienbergdörfchen mehr als belohnt.

Über Ausbach und Heimboldshausen führt der Weiterweg zum Ziel nach Heringen, wo die „Pilger“ von Bürgermeister Daniel Iliev und Pfarrer Thorsten Waap begrüßt werden. Pfarrerin Imke Leipold steht neben den begeistert applaudierenden Heringern am Straßenrand und freut sich über den großartigen Erfolg der Aktion: „Das ist Kirche in Bewegung“.

Der „Pilgerzug“ zwischen Lautenhausen und Ausbach

Stadtfest in Heringen

Die Ankunft des Pilgerzuges wurde in Heringen zudem miteinem Stadtfest gefeiert. Bereits eim Freitagabend hatte es ein Konzert in der Kirche gegeben, am Samstag fanden weitere Aktionen in der Innenstadt statt.

Von Thomas Landsiedel

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