Lokwechsel soll wegfallen

Land beantragt Elektrifizierung der Bahnstrecke durchs Werratal

Bislang ziehen Diesellokomotiven die Kalizüge vom Bahnhof Heimboldshausen nach Gerstungen.
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Bereit zur Abfahrt: Bislang ziehen Diesellokomotiven die Kalizüge vom Bahnhof Heimboldshausen nach Gerstungen. Das Land Hessen hat die Strecke durchs Werratal zur Elektrifizierung über ein Förderprogramm des Bundes angemeldet.

Damit zwischen Gerstungen und Heimboldshausen künftig Elektrolokomotiven fahren können, soll die Bahnstrecke im Werratal mit Oberleitungsmasten und Fahrdraht ausgerüstet werden.

Heringen/Philippsthal - Das Land Hessen hat die rund 18 Kilometer lange Schienenverbindung zur Elektrifizierung über das Bundesprogramm „Elektrische Güterbahn“ angemeldet. „Die Bahnstrecke Gerstungen-Heimboldshausen entspricht den Auswahlkriterien für das Programm des Bundes, das auf derzeit nicht elektrifizierte Strecken mit ausschließlicher oder zumindest erheblicher Nutzung im Güterverkehr zielt“, erklärt Wolfgang Harms, Pressesprecher des Hessischen Wirtschaftsministeriums, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die eingleisige Bahnstrecke wird für den Güterverkehr der drei Produktionsstandorte Unterbreizbach, Hattorf (Philippsthal) und Wintershall (Heringen) des Kaliwerks Werra sowie vom und zum Containerbahnhof Werra-Kombi-Terminal in Röhrigshof genutzt. Bislang müssen die Züge zwischen Heimboldshausen und der Einmündung auf die Hauptstrecke Halle-Bebra im Bahnhof Gerstungen mit Diesellokomotiven bespannt werden. In der Regel übernimmt dort dann eine Elektrolokomotive die Waggons. Dieser Lokwechsel würde nach der Elektrifizierung entfallen. Bei Fahrten aus und in Richtung Bebra wäre allerdings in Gerstungen weiterhin ein Fahrtrichtungswechsel nötig. Die Deutsche Bahn befürworte die Elektrifizierung von weiteren Stecken, teilt eine Konzernsprecherein mit. Ziel sei, dass die Züge des Unternehmens bis 2050 klimaneutral fahren. Der zeitraubende Lokwechsel in Gerstungen erschwere beispielsweise die zunehmende Zahl der Laugenverkehre auf der Strecke. „Mit der Elektrifizierung entfällt das und der CO2-Ausstoß wird gesenkt“, so die Bahnsprecherin.

Noch hat der Bund allerdings nicht über die Aufnahme in das Förderprogramm entschieden. „Daher lässt sich zu Terminen und Zeitabläufen noch gar nichts sagen“, erklärt Wolfgang Harms vom Hessischen Wirtschaftsministerium. Werde die Strecke aufgenommen, gebe der Bund einen Planungsauftrag an die DB. Dabei würden auch die voraussichtlichen Kosten und die Art des erforderlichen Genehmigungsverfahrens ermittelt. Ob mit der Elektrifizierung ein weiterer Ausbau der Strecke einhergehe, sei ebenfalls Teil dieser Planung. „Gleiches gilt für die Prüfung, ob Ansprüche auf Lärmschutz bestehen“, verdeutlicht Harms. Bei einer eingleisigen Stichstrecke seien eine Anhebung der Höchstgeschwindigkeit oder ein Ausbau der Streckenkapazitäten in der Regel jedoch nicht vorgesehen. Die angedachte Elektrifizierung stehe auch nicht im Zusammenhang mit der derzeit in der Region diskutierten Wiederaufnahme des Personenverkehrs in Verbindung mit einem Lückenschluss in Richtung Vacha und Bad Salzungen, betont Harms.

Das Bundesverkehrsministerium prüfe derzeit die Vorschläge der Länder, heißt es aus dessen Pressestelle: „Unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel wird anschließend eine Auswahl und Priorisierung der Vorhaben vorgenommen“, teilt das Ministerium auf Nachfrage mit. Mit einer finalen Entscheidung des Bundes über die Elektrifizierung der Werratal-Strecke rechnet die Bahn-Sprecherin voraussichtlich im kommenden Jahr. Erst dann könne mit der Planung begonnen werden. (Jan-Christoph Eisenberg)

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