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Schnelles Internet: Heringer Leerrohrnetz steht vor Verkauf

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Baggern fürs schnelle Netz: Bei Kanalarbeiten wurden in der Stadt Heringen in der Vergangenheit bereits Leerrohre verlegt, in die die Firma Net Services dann als Pächter Glasfaserkabel eingezogen hat. Jetzt verhandelt die Stadt über den Verkauf der Infrastruktur. Unser Archivbild aus dem Jahr 2011 zeigt Marcus Limburg von der Baufirma Giebel und den damaligen Bürgermeister Hans Ries bei den Arbeiten auf der Petersstraße. Archiv
Baggern fürs schnelle Netz: Bei Kanalarbeiten wurden in der Stadt Heringen in der Vergangenheit bereits Leerrohre verlegt, in die die Firma Net Services dann als Pächter Glasfaserkabel eingezogen hat. Jetzt verhandelt die Stadt über den Verkauf der Infrastruktur. Unser Archivbild aus dem Jahr 2011 zeigt Marcus Limburg von der Baufirma Giebel und den damaligen Bürgermeister Hans Ries bei den Arbeiten auf der Petersstraße. © Mario Reymond

Die Stadt Heringen verhandelt mit der Firma Net Services über den Verkauf ihres Leerrohrnetzes.

Heringen – Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hat das Stadtparlament am Donnerstagabend während seiner Sitzung im Bürgerhaus einstimmig gefasst.

Aktuell nutzt das Unternehmen aus Flensburg die stätische Netzinfrastruktur bereits als Pächter. In die Rohrleitungen hat der Telefonanbieter – im sogenannten FTTC-Ausbau bis zum nächstgelegenen Kabelverzweiger – eigene Glasfaserkabel eingezogen, über die er seine Kunden unter der Marke Werrakom mit schnellem Internet versorgt. Auf den letzten Metern zum Endverbraucher läuft die Datenübertragung über die Kupferkabel der Telekom. Um künftig im sogenannten FTTH-Ausbau auch leistungsstärkere Glasfaseranschlüsse bis direkt ins Haus legen zu können, hat Net Services jetzt Interesse am Kauf des Leerohrnetzes.

Der bereits bekannte und etablierte Anbieter könnte dadurch auf Grundlage der bestehenden Infrastruktur in Heringen zukunftssichere Internetanschlüsse anbieten, warb Bürgermeister Daniel Iliev um Zustimmung. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht das Nachsehen haben“, warnte der Rathauschef und verwies auf Ausbau-Aktivitäten anderer Anbieter in den Nachbarkommunen. Schlechtestenfalls baue eines dieser Unternehmen in Heringen parallel zum städtischen Netz eine neue Infrastruktur inklusive Glasfaser-Hausanschlüssen. Das hätte dann laut Iliev nicht nur umfangreichere Tiefbauarbeiten im Stadtgebiet zur Folge, sondern würde außerdem das eigene FTTC-Leerrohrnetz mangels Nutzern überflüssig machen. „Die Stadt würde auf ihren Investitionen sitzen bleiben“, verdeutlichte der Rathauschef, der zugleich betonte, dass es zunächst lediglich um Verhandlungen und noch nicht um eine Verkaufsentscheidung gehe.

Für die SPD unterstrich Matthias Berger den Stellenwert von Glasfaser-Hausanschlüssen als Standortfaktor für Einwohner und insbesondere Gewerbetreibende. Wichtig sei für die Sozialdemokraten bei der abschließenden Entscheidung aber auch das Ergebnis einer beauftragten Wertanalyse.

Die Bedeutung leistungsfähiger Internetverbindungen zog auch Ute Marhold (WGH) nicht in Zweifel, sah in den Verhandlungen ausschließlich mit dem bisherigen Pächter jedoch eine vorschnelle einseitige Festlegung. Ihre Fraktion beantragte deshalb, zunächst nur ein Wertgutachten erstellen zu lassen, auf dessen Basis das Stadtparlament dann weiter beraten könne. „Es haben sicherlich auch andere Firmen Interesse und wir könnten uns den besten Partner aussuchen“, argumentierte sie.

Ein solches Gutachten sei bereits in Arbeit und Grundlage für die Verhandlungen, der WGH-Antrag damit hinfällig, entgegnete Bürgermeister Iliev. Weil das Leerrohrnetz bis Mitte 2035 an Net Services verpachtet sei, könne die Stadt vorher nicht mit anderen Kaufinteressenten verhandeln, ohne vertragsbrüchig zu werden.

Dem pflichtete auch Eckhard Bock (CDU) bei: Wegen drohender Regressforderungen des Pächters müsste der Bürgermeister gegen einen solchen Beschluss umgehend Widerspruch einlegen, argumentierte der Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten und legte der WGH nahe, ihren „mehr als unsinnigen“ Antrag zurückzuziehen.

Was die WGH dann schließlich auch tat und gemeinsam mit den anderen Fraktionen für den Ursprungsantrag stimmte. „Die Stadt möge in den Verhandlungen das Beste herausholen, alles andere wäre schädlich“, begründete Ute Marhold diesen Schritt. (Jan-Christoph Eisenberg)

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