Stadt Heringen will Aussichtsturm als Grenz-Gedenkort aufwerten

Mahnmal Bodesruh wird saniert

In die Jahre gekommen: Das Mahnmal Bodesruh bei Kleinensee soll in den kommenden Jahren saniert und um eine Ausstellung zur Grenzgeschichte ergänzt werden.
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In die Jahre gekommen: Das Mahnmal Bodesruh bei Kleinensee soll in den kommenden Jahren saniert und um eine Ausstellung zur Grenzgeschichte ergänzt werden.

Zur Zeit der deutschen Teilung war das Mahnmal Bodesruh Anziehungspunkt für Besucher, die von der Aussichtsplattform über die innerdeutsche Grenze blickten.

Heringen - Mit der Wiedervereinigung hat der am 17. Juni 1964 eröffnete Betonturm seine einstige Bedeutung eingebüßt und fristet seither eher ein Schattendasein. Voraussichtlich ab dem Jahr 2023 soll das Bauwerk nun jedoch saniert und als Gedenk- und Erinnerungsort aufgewertet werden. Diesen Beschluss hat die Heringer Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend in ihrer Sitzung im Bürgerhaus mehrheitlich mit insgesamt 22 Stimmen aus SPD, CDU und WGH bei drei Gegenstimmen der WGH und vier Enthaltungen aus WGH und SPD gefasst. Bei kalkulierten Kosten von 365 000 Euro rechnet die Stadt mit 182 500 Euro Zuschuss aus dem Etat des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien – was einer Förderquote von 50 Prozent entspricht.

Mit dem Geld soll nicht nur der baulich in die Jahre gekommene Turm saniert werden, um eine Sperrung der Aussichtsplattform für Besucher zu verhindern. Auch eine Aufwertung der Park-, Rast und Verweilmöglichkeiten im Umfeld ist angedacht. Zudem soll auf den Grünflächen rund um das Mahnmal eine Ausstellung zur Geschichte des Bauwerks sowie zur innerdeutschen Grenze und zum grünen Band in der Region um Heringen konzipiert werden, um Bodesruh als Lern- und Erlebnisort aufzuwerten und mit anderen Gedenkstätten und touristischen Angeboten zu vernetzen.

Der aktuelle bauliche Zustand sei „erbärmlich“ sagte Bürgermeister Daniel Iliev am Donnerstagabend vor der Abstimmung. Dass das Mahnmal mithilfe von Bundesmitteln wieder ein „wunderbarer Aussichtspunkt“ und Erinnerungsort – auch und gerade für die junge Generation – werden könne, sei für ihn eine freudige Nachricht, betonte der Rathauschef.

„Beton ist vergänglich“, warnte hingegen Hans Ries (WGH) vor „immer kürzeren Sanierunsintervallen“ und hohen Folgekosten. Das Geld für die Erneuerung wäre seiner Ansicht nach besser in einem Denkmal in der Ortslage von Kleinensee angelegt – „dort, wo die Menschen am meisten unter der Teilung gelitten haben.“ Er habe wenig Hoffnung, dass Bodesruh sich noch einmal als Ausflugsziel etablieren werde – zumal sich die meisten Besucher den ehemaligen Grenzverlauf vom benachbarten Monte Kali aus erklären ließen, erklärte der ehemalige Bürgermeister.

Als „verstörend“ bezeichnete Bernd Maus (SPD) diese Ausführungen. „Bodesruh ist ein Wahrzeichen von Heringen wie das Kalimuseum und das Fritz-Kunze-Bad“, unterstrich der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten. Nicht zuletzt wegen seiner Lage direkt am Lutherweg sei Bodesruh als Aussichtspunkt nach wie vor stark frequentiert. Nach dem Beschluss des Stadtparlaments sollen nun im Haushalt des kommenden Jahres zunächst 45 000 Euro für Vorbereitungen und Gutachten veranschlagt werden. Weitere 320 000 folgen dann im Jahr 2023 für die eigentliche Sanierung, die Gestaltung des Umfeldes sowie die Erarbeitung und die Beschaffung der Präsentation zur Grenzgeschichte.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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