Wochenendporträt: Heringerin macht die Bienen flott

Die zwölfjährige Merle Schmidt ist die wohl jüngste Imkerin im Kreis

Theoretisches Wissen über die Biene: Auch das hat sich Merle angeeignet. Fotos: Meyer

Heringen / Obersuhl. Die Wintermonate und damit die Ruhezeit der Bienen liegen zurück, und Merle Schmidt hat längere Zeit nicht mehr nach ihren Völkern gesehen.

Als ihr Papa Michael jetzt vorsichtig den Deckel einer Beute anhebt, bewegen sich die kleinen Tiere langsam unter einer durchsichtigen Folie, angeregt von den Sonnenstrahlen, die unter das Dach des Gartenhäuschens fallen. 

Die zwölfjährige Merle aus Heringen ist seit drei Jahren Imkerin und möglicherweise die jüngste im Landkreis. Zusammen mit ihrem Vater Michael besuchte sie eine Veranstaltung des Imkervereins Blumenstein in Obersuhl, einen Schnupperkurs. Daraufhin beschlossen Vater und Tochter, sich ausführlich diesem neuen Hobby zu widmen.

Im Keller steht die Schleuder

Inzwischen haben sie zehn Völker neben dem Gartenhäuschen und an einem zweiten Standort in der Nähe angesiedelt. Im Keller steht die Honigschleuder, im Gartenhäuschen lagern in einem Schrank zahllose Waben. Innen an der Tür hängen die Zertifikate, die Vater und Tochter den Besuch der Lehrgänge „Bienenhege“ und „Honiglehrgang“ bescheinigen.

Wenn Merle von ihrem Hobby spricht, sagt sie immer „wir“ – Vater und Tochter haben ganz offenbar genau gleichviel Spaß an der Beschäftigung mit den kleinen Tieren, die von Königinnen regiert werden, die zur Verständigung geheimnisvolle Tänze aufführen, die öfters mal stechen und die so viel leckeren Honig produzieren.

Wenn die zurückhaltende Merle erst einmal ins Erzählen kommt, dann zeigt sich, über welch großes Wissen sie verfügt. Merle kann die Bienenstöcke richtig bauen, sie weiß, wie sie die schädliche Varroa-Milbe bekämpft, und wie sie verhindert, dass im Volk eine neue Königin heranwächst. Wenn es wärmer wird, wird sie das Flugloch genau beobachten und daraus Schlüsse ziehen: Wenn die Bienen mit sogenannten Pollenhöschen in den Stock zurückkehren, dann haben sie die ersten Pollen gefunden.

Alle sieben Tage, erklärt Merle, muss sie in der warmen Jahreszeit nach dem Rechten sehen. Neben dem Imkern spielt die Sechstklässlerin auch noch Posaune und Klarinette. Auch wenn es viel Arbeit macht – an ihrem ungewöhnlichen Hobby will Merle festhalten.

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