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Perspektive für den Campingplatz in Heringen

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Sieht touristisches Potenzial: Heringens Bürgermeister Daniel Iliev auf dem Campingplatz der Werrastadt, der nach dem Tod des letzten Pächters in eingeschränkter Form von der Stadt in Eigenregie betrieben wird.
Sieht touristisches Potenzial: Heringens Bürgermeister Daniel Iliev auf dem Campingplatz der Werrastadt, der nach dem Tod des letzten Pächters in eingeschränkter Form von der Stadt in Eigenregie betrieben wird. © Jan-Christoph Eisenberg

Die Stadt Heringen will ein Fachbüro mit der Entwicklung eines Konzepts für die Sanierung und Umgestaltung des Campingplatzes beauftragen.

Heringen – Der Heringer Campingplatz liegt idyllisch am Stadtrand auf der Rückseite des Fritz-Kunze-Bades mit Blick zum Monte Kali, ist aber sichtlich in die Jahre gekommen. Nicht nur an Plätzen und Anlagen hat der Zahn der Zeit deutlich genagt, sondern auch an manchen Wohnwagen, die Dauercamper hier als Quartier abgestellt haben.

Seit dem Tod des letzten Pächters führt die Stadt den Betrieb eingeschränkt weiter: Neue Stellplätze werden nicht vergeben, die Abrechnung mit den bisherigen Dauercampern läuft über die Stadtkasse.

Bürgermeister Daniel Iliev (SPD) verweist auf den umfangreichen Investitions- und Erneuerungsbedarf, etwa im Bereich der Elektrik. In seiner jüngsten Sitzung hat das Stadtparlament deshalb zugestimmt, ein Fachbüro mit der Entwicklung eines Konzepts für die Sanierung und Umgestaltung des rund 25 000 Quadratmeter großen Areals zu beauftragen. Um den Betrieb bis dahin aufrecht zu erhalten, wurden zudem 17 300 Euro für die Erneuerung der defekten Heizung im Sanitärgebäude bereitgestellt (unsere Zeitung berichtete).

Im Stadtparlament hatte der Bürgermeister erklärt, dass Probleme mit Altlasten im Boden bei der Neuausrichtung nicht zu erwarten seien. Das hat manch alteingesessenen Heringer verwundert – schließlich hatten die Stadtverordneten im Jahr 2011 noch mit großer Mehrheit den vom damaligen Verwaltungschef Hans Ries favorisierten Verkauf an einen Investor mit der Begründung abgelehnt, dass sich der Campingplatz auf einer ehemaligen Müllhalde befinde. Die Mandatsträger fürchteten daher Regressansprüche des Käufers. Tatsächlich liege ein Teil der Caravanstellplätze über einem rund zehn Meter tiefen und etwa fünf Meter breiten Geländeeinschnitt, welcher in früheren Jahrzehnten mit Bauschutt und wohl auch Hausmüll zugeschüttet worden sei, erklärt Bürgermeister Daniel Iliev auf Nachfrage. Einige Meter oberhalb in Verlängerung der Straße Am Steinberg ist dieser Graben deutlich erkennbar. Auch eine Senke im Bereich des heutigen Sanitär- und Betriebsgebäudes sei auf ähnliche Weise verfüllt worden. Der eigentliche Heringer Schuttplatz habe sich allerdings einige Meter westlich in Richtung Reitanlage befunden.

Vor der Eröffnung sei der im Jahr 1976 von der damaligen Gemeinde angelegte Campingplatz aber von den zuständigen Behörden auf dem abgedeckten Areal genehmigt worden und dürfe somit betrieben werden, unterstreicht der Rathauschef seine Einschätzung. Zudem solle das Gelände für die Neuausrichtung nicht wie 2011 verkauft werden, sondern städtisches Eigentum bleiben. Größere Tiefbauarbeiten zeichneten sich in den betroffenen Bereichen ebenfalls nicht ab.

In der Anlage mit 104 Stellplätzen, Zeltwiese, eingebettetem Minigolfplatz sowie weiteren Sport- und Freizeiteinrichtungen in unmittelbarer Nachbarschaft sieht der Rathauschef durchaus touristisches Potenzial – sofern das Angebot den heutigen Standards angepasst und beispielsweise um Wohnmobilstellplätze ergänzt wird.

Schon im Jahr 2011 hatte die Stadtverordnetenversammlung nach dem abgelehnten Verkauf vom Magistrat ein schlüssiges Konzept für die Vermarktung von Ganzjahresbad und Campingplatz als touristische Einheit eingefordert. Neben Verkauf oder Verpachtung stand damals auch die komplette Schließung des Platzes im Raum. Im Jahr 2012 übernahm jedoch ein langjähriger Dauercamper als neuer Pächter.

Neben dem vom Stadtparlament beauftragten Konzept ist für die Neuausrichtung des Heringer Campingplatzes auch Änderung des Bebauungsplans notwendig, denn das geltende Regelwerk aus dem Jahr 1993 spiegelt nicht die tatsächlichen Gegebenheiten wider. Bei dessen Aufstellung war vorgesehen gewesen, die Wohnwagenstellplätze auf das Areal hinter Schwimmbad und Tennishalle zu verlegen.

Der bisherige Campingplatz sollte renaturiert beziehungsweise nur noch als Zeltwiese genutzt werden. Warum dieser Beschluss gefasst, aber letztlich nie umgesetzt wurde, geht aus den Unterlagen der Stadtverwaltung laut Bürgermeister Daniel Iliev nicht hervor. (Jan-Christoph Eisenberg)

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