Ziel: Infektionsketten unterbrechen

Warum Corona-Tests sinnvoll sind: Betreiber des Testzentrums im Heringer Bürgerhaus gibt Antworten

Schnelltest in drei Schritten: Um den Ablauf im Testzentrum Werratal zu demonstrieren, hat Betreiber Stefan Göbel sich fürs
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Schnelltest in drei Schritten: Um den Ablauf im Testzentrum Werratal zu demonstrieren, hat Betreiber Stefan Göbel sich fürs Foto als Testperson zur Verfügung gestellt. Bei Mitarbeiter Steven Heinz am Empfang gibt er zunächst seinen ausgedruckten Anmeldebogen ab. Mitarbeiterin Pia Frodermann nimmt anschließend den eigentlichen Test in Form eines Nasen-Rachen-Abstrichs vor.

Das Corona-Schnelltestzentrum im Heringer Bürgerhaus ist laut Betreiber Stefan Göbel die Einrichtung mit der größten Kapazität im Kreis. Wir beantworten wichtige Fragen zum Thema.

Heringen – Ende März hat Apotheker Stefan Göbel in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Heringen im Bürgerhaus das Corona-Schnelltestzentrum Werratal eröffnet. Der Inhaber der Brücken- und Glückaufapotheke beantwortet für uns die wichtigsten Fragen rund um die Corona-Schnelltests.

Warum sollten sich auch Menschen ohne Symptome regelmäßig testen lassen?
Um Infektionsketten zu unterbrechen, verdeutlicht Stefan Göbel. Denn auch wer keine Symptome aufweise, könne Träger des Virus sein und andere Personen infizieren, bei denen die Lungenkrankheit dann unter Umständen – insbesondere bei entsprechenden Vorerkrankungen – einen schweren oder tödlichen Verlauf nimmt. Deshalb sei es wichtig, auch diese unentdeckten Infektionen aufzuspüren, sodass sich die Betroffenen isolieren können, um möglichst niemanden anzustecken. 
Wie aussagekräftig ist damit die Diagnose corona-positiv bei Schnelltests?
Bei den Tests handele es sich um eine Momentaufnahme, ob ein Patient zum Testzeitpunkt ansteckend ist. Selbst wenn die Schnelltests im Vergleich mit dem PCR-Test weniger Infizierte finden, stellen sie laut Stefan Göbel ein Screening da, um die breite Masse symptomloser Infektionen aufspüren. Die tatsächliche Diagnose stelle erst im zweiten Schritt ein Arzt, beispielsweise mittels PCR-Test fest. Wie aussagekräftig ein Schnelltestergebnis ist, hänge unter anderem von der Qualität und richtigen Anwendung sowie der Inkubationszeit ab: „Je höher die Viruslast, also je ansteckender die Person, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sie findet.“
Schnelltest in drei Schritten: Um den Ablauf im Testzentrum Werratal zu demonstrieren, hat Betreiber Stefan Göbel sich fürs Foto als Testperson zur Verfügung gestellt. Mitarbeiterin Pia Frodermann nimmt den Test in Form eines Nasen-Rachen-Abstrichs vor.
Wird die Pandemie durch flächendeckende Tests – wie Kritiker sagen – womöglich herbeigetestet?
Nein, betont Stefan Göbel, vielmehr decke das Testen die hohe Dunkelziffer auf und mache die Pandemie so sichtbar. Durch die großflächigen Tests stiegen die Fallzahlen zunächst zwar tatsächlich an. „Langfristig sinken sie aber, weil sich symptomlos Infizierte nach einem positiven Test isolieren können und das Virus nicht unwissentlich verbreiten“, erklärt der Apotheker. Infektionsketten würden so unterbrochen. Die Tests bezeichnet Göbel deshalb als eine wichtige Brücke, bis in der Bevölkerung ein flächendeckender Impfschutz aufgebaut ist.
Ist es sinnvoll, sich testen zu lassen, wenn man bereits geimpft ist?
Schon mit der ersten Impfdosis sinke die Wahrscheinlichkeit eines Krankheitsausbruchs beziehungsweise eines schweren Krankheitsverlaufs, erklärt Stefan Göbel. Allerdings schütze die Impfung nur zu einem gewissen Anteil vor einer Infektion. Insbesondere zwischen dem ersten und zweiten Impftermin bestehe damit das Risiko, ohne Symptome Träger des Virus zu sein und so unbewusst andere anzustecken. Deshalb seien Schnelltests in dieser Zeit weiterhin sinnvoll.
Die Abmeldung: Britta Apel nimmt Test und Unterlagen in Empfang, wertet diese aus und verschickt anschließend das Ergebnis per E-Mail.
Wie läuft ein Schnelltest im Heringer Bürgerhaus ab?
Wer sich testen lassen möchte, registriert sich vorab im Internet unter apo-schnelltest.de/testzentrum-werratal und wählt seinen Wunschtermin aus. Insbesondere für Menschen ohne Internet-Zugang oder Drucker ist künftig auch die spontane Anmeldung vor Ort möglich: Erfahrungsgemäß sei die Wartezeit dafür werktags zwischen 10.30 und 12 Uhr sowie zwischen 16.30 und 17.30 Uhr am geringsten. Erste Station vor Ort im Testzentrum ist die Anmeldung. An einer der acht Boxen – Teststationen unter Pavillons – nehmen Mitarbeiter den Testabstrich. In der Regel in Form eines Nasen-Rachen-Abstrichs, da hierdurch das Risiko minimiert werde, das Ergebnis durch den Speichel zu stören. Ihren Test geben die Besucher anschließend am Abmeldungstresen ab und dürfen das Zentrum durch einen separaten Ausgang bereits wieder verlassen. Der direkte Aufenthalt dauere in der Regel nicht länger als zwei Minuten. Das Ergebnis liegt nach maximal 60 Minuten vor und wird in einer verschlüsselten PDF-Datei per E-Mail zugeschickt.
Was passiert bei einem positiven Testergebnis?
Für das Team des Testzentrums heißt ein positiver Test zunächst „Boxenwechsel“. Der jeweilige Mitarbeiter tauscht Schutzkleidung und Testplatz, die bis dahin genutzte Teststation wird umfassend desinfiziert. Nach einem positiven Test würden die Betroffenen in der Regel zusätzlich zur E-Mail auch telefonisch informiert, berichtet Stefan Göbel. Sie seien verpflichtet, sich in häusliche Quarantäne zu begeben und das positive Ergebnis durch einen PCR-Test beim Arzt verifizieren zu lassen. Das Testzentrum muss positive Ergebnisse dem Gesundheitsamt melden.
Wie oft darf man sich testen lassen?
Jede Person mit Wohnsitz oder den gewöhnlichen Aufenthaltsort in Deutschland darf sich im Rahmen der Verfügbarkeit von Testkapazitäten mindestens einmal pro Woche kostenlos testen lassen. „Nach der Coronavirus-Testverordnung sind Schnelltests damit theoretisch so oft möglich, wie es der Betroffene für notwendig hält“, erklärt Stefan Göbel.

In Zahlen: Bis zu 120 Tests pro Stunde möglich

Das Testzentrum Werratal im Heringer Bürgerhaus ist laut Betreiber Stefan Göbel die Schnelltesteinrichtung mit der größten Kapazität im Landkreis. Eine Betrachtung in Zahlen:

1 Prozent der im Heringer Bürgerhaus vorgenommenen Tests sind positiv.

2 Minuten dauert der Aufenthalt im Testzentrum in der Regel von der Anmeldung bis zum Verlassen. Das Ergebnis wird anschließend per E-Mail zugestellt.

8 Testplätze stehen im Testzentrum zu Spitzenzeiten gleichzeitig zur Verfügung.

12 Mitarbeiter sind im Testzentrum Werratal beschäftigt. Getestet wird laut Betreiber Stefan Göbel nur von medizinischem Personal: Zum Team gehören unter anderem Ärzte, Apotheker, Hebammen, Sanitäter und Krankenschwestern.

120 Schelltests sind im Heringer Testzentrum in Spitzenzeiten pro Stunde möglich.

150 bis 250 Tests werden derzeit durchschnittlich pro Öffnungstag vorgenommen. Geöffnet hat das Testzentrum derzeit montags, mittwochs, freitags und samstags. (jce)

Positive Tests trotz erster Impfdosis: Eine Betroffene berichtet

Dass es durchaus sinnvoll ist, sich auch nach der ersten Covid-Impfung regelmäßig testen zu lassen, hat eine Frau aus dem Werratal erlebt.
Sie möchte anonym bleiben, ihren Fall jedoch öffentlich machen, „um andere Menschen wachzurütteln“. Sowohl sie, als auch ihr Mann gehören wegen Vorerkrankungen zur Risikogruppe und hatten deshalb bereits ihre erste Impfdosis mit Astrazeneca erhalten. Dennoch habe sich die Familie aus Vorsicht wegen der Vorerkrankungen regelmäßig testen lassen. Sie habe kürzlich durch Corona eine nahe Angehörige verloren, berichtet die Frau: „Das will ich kein zweites Mal erleben müssen“.

Das jüngste Schnelltest-Ergebnis ihres Mannes sei positiv gewesen, erinnert sich die Betroffene. Die Familie begab sich in Quarantäne, der vom Hausarzt vorgenommene PCR-Test fiel nicht nur bei ihrem Mann, sondern auch beim im Haushalt lebenden Sohn positiv aus. „Beide hatten keinerlei Symptome. Sie wären ohne Schnelltest ganz normal an die Arbeit gegangen und hätten so zur Ausbreitung des Virus beigetragen“, verdeutlicht die Frau, deren eigene Ergebnisse – sowohl beim Schnell-, als auch beim PCR-Test – dank Impfung negativ blieben.

Die Familie befindet sich in Quarantäne, Mann und Sohn haben die Infektion bislang ohne gesundheitliche Einschränkungen überstanden. „Wir beten und hoffen, dass das so bleibt“, sagt die Frau. Um die Pandemie zu überwinden, gebe es aus ihrer Sicht nur einen Weg: regelmäßig testen und impfen. „Die Menschen sollen endlich wach werden und nicht nur an sich selbst denken. Wie viele Leute sollen denn noch sterben“, fragt die Frau aus dem Werratal. (Von Jan-Christoph Eisenberg)

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